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Neues SBB-Funktionsmodell

Wenig Transparenz bei SBB IT

© pexels.com / Kevin Ku

Die Reorganisation «Gemeinsam digital – IT | 4.0» gilt als Pilotprojekt für ein neues SBB-Funktionsmodell. Die Ziele dabei: eine massive Reduktion von Stellenbeschreibungen und mehr Transparenz. Gerade von letzterem ist für die betroffenen Mitarbeitenden und den SEV bisher wenig zu spüren.

Anfang 2019 startete bei der SBB das Projekt «Gemeinsam digital – IT|4.0». Nachdem die IT der SBB in den letzten Jahren vermehrt auf die agile Zusammenarbeit umgestellt hat, soll mit dieser Reorganisation nun auch strukturell nachgezogen werden. Statt auf Einzelprojekte sollen die Strukturen und Prozesse sich auf digitale Lösungen ausrichten, unterstützt von einer Netzwerkorganisation.

Gleichzeitig ist die laufende Reorganisation bei der IT das Pilotprojekt für ein neues Funktionsmodell innerhalb der ganzen SBB. Ziel dieses neuen Funktionsmodells: eine Vereinfachung, mit massiv weniger Stellenbeschrieben und mehr Transparenz. Doch von letzterem ist bei der Einführung des neuen Funktionsmodells bei der SBB IT wenig zu spüren: «Sowohl für die betroffenen Mitarbeitenden als auch für den SEV ist das Vorgehen bezüglich Funktionsmodell momentan komplett intransparent», hält SEV-Gewerkschaftssekretär Patrick Kummer fest.

Künftig soll jede/r IT-Mitarbeitende eine von vier Funktionen der IT-Funktionslandschaft innehaben. Diese Funktionen sind relevant für den Arbeitsvertrag und die Stellenbeschreibung. Für jede Funktion steht im Arbeitsvertrag ein Band von bis zu acht Anforderungsniveaus zur Verfügung, die schliesslich lohnrelevant sind. «Weder für die Mitarbeitenden noch für uns will die SBB aktuell offenlegen, wie sie das genau ausgestaltet», erklärt Patrick Kummer.

Problematisch ist dies besonders, weil die SBB IT bereits im August mit der Stellenneubesetzung begonnen hat. Dabei müssen sich die Fach- und Linienführungskader auf im Intranet ausgeschriebene Stellen bewerben. Pro Stelle werden jedoch verschiedene mögliche Anforderungsniveaus publiziert. «Da den Bewerber/innen der Vergleich mit den Anforderungen an die Funktion und das eigene Profil fehlt, müssen sie sich ins Blaue bewerben», so Patrick Kummer. Ohne diesen Vergleich können die Bewerber/innen nämlich nicht wissen, ob eine Stelle den bisherigen Arbeitsbedingungen entspricht, tiefer eingereiht ist oder höher. Diese Information wird erst bei einem gemeinsamen Gespräch mit dem potenziellen neuen Vorgesetzten offengelegt. Stimmen die neuen Arbeitsbedingungen für die Bewerberin, den Bewerber nicht, kann er oder sie die Bewerbung zurückziehen.

Unklarheiten und Unsicherheit

«Dieses Prozedere führt bei Mitarbeitenden zu Unklarheiten und einer grossen Verunsicherung», erzählt Patrick Kummer. Zudem hält der Gewerkschaftssekretär das Vorgehen für riesige Zeitverschwendung für alle Involvierten, falls das Anforderungsniveau nicht den Erwartungen der Bewerber/innen entspricht.

Weshalb den Mitarbeitenden gegenüber nicht von Anfang an mit offenen Karten gespielt wird, ist für den SEV nicht nachvollziehbar. Für Kummer ist klar: «In einer Reorganisation muss das Funktionsmodell mit allen Funktionen, Funktionslevels, Rollen und den jeweiligen Anforderungen verknüpft mit der Einreihung in ein konkretes Anforderungsniveau transparent und verständlich kommuniziert werden. Erst nach der transparenten Kommunikation darf ein Stellenbesetzungsprozess gestartet werden.»

Ein weiteres Problem beim neuen Modell: Parallel zur Funktion erhält jede/r IT-Mitarbeitende eine Rolle, welche die Person in der Arbeitsorganisation einnimmt. Das kann eine Fachführungs- oder eine Teamrolle sein. «Dies macht die Vergleichbarkeit nochmals schwieriger», so Kummer.

Bei den Mitarbeitenden in der IT ruft die neue Einreihung in die Funktionen viele Fragezeichen hervor: «Für viele ist es eine ‹Black Box›. Und gerade langjährige Mitarbeiter, die sich On-The-Job weiterentwickelt haben, fürchten, dass sie von Jungen ersetzt werden und dabei wichtiges Bahn-Knowhow verloren geht», erzählt Patrick Kummer.

«Wenn nun die Einführung des neuen Funktionsmodells bei SBB IT als Pilotprojekt innerhalb der SBB dient, wirft dies definitiv kein gutes Licht auf die weitere Umsetzung des Funktionsmodells», resümiert Patrick Kummer. Auch für die Laufbahnplanung müssten Mitarbeitende wissen, welche Anforderungen an eine angestrebte Funktion geknüpft sind und in welches Niveau eine potenzielle Stelle eingereiht ist.

SEV fordert offene und vollständige Kommunikation

Patrick Kummer macht klar: «Transparenz ist wichtig und hat mit Respekt gegenüber den Mitarbeitenden zu tun. Transparenz ist die Voraussetzung für eine gesunde und anpassungsfähige Organisationskultur. Intransparenz hingegen ist in einer zukunftsorientierten Organisation fehl am Platz.» Auch in Anbetracht des zunehmenden Fachkräftemangels, aber vor allem aus Respekt gegenüber den Mitarbeitenden fordert der SEV bezüglich neuem Funktionsmodell von der SBB bei IT | 4.0 – und auch in Zukunft – eine offene, vollständige und frühzeitige Kommunikation an die Mitarbeitenden.

Elisa Lanthaler
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