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Delegiertenversammlung des Unterverbandes RPV

Appell an die Cargo-Führung

Gegen den Abbau von einem Drittel der rund 2200 Mitarbeitenden von SBB Cargo und bis zur Hälfte der 347 Bedienpunkte verabschiedeten die RPV-Delegierten einen offenen Brief an die Adresse des Verwaltungsratspräsidenten und des CEO. Zweites Hauptthema der sehr lebendigen Versammlung waren die GAV-Verhandlungen SBB/SBB Cargo.

Die Delegierten mit dem soeben verabschiedeten Brief «Stopp der Misswirtschaft – gebt dem Güterverkehr auf der Schiene eine Chance».

Neben 27 abstimmungsberechtigten und zwei ehemaligen Delegierten und den fünf Mitgliedern des Zentralausschusses nahmen an der DV vom 23. Mai im Restaurant Schmiedstube in Bern zwei Übersetzer und drei Leute vom Zentralsekretariat SEV teil.

SBB Cargo

Unter diesem Traktandum informierte Zentralpräsident Hanspeter Eggenberger über die im Juni geplante Reduktion des Rangierteams Ziegelbrücke um sieben Mitarbeitende aufgrund des Wegfalls von zu rangierenden Wagen. Für alle Betroffenen wurden Lösungen an andern Standorten gefunden. Dies sei ein Beispiel dafür, wie die Sozialpartnerschaft mit SBB Cargo eigentlich gut funktioniere, sagte SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn. Wenn der Wegfall von Kunden eine Reorganisation nötig mache, trage der SEV diese mit, nicht aber die geplante massive Reduktion des Zustellnetzes des Wagenladungsverkehrs (WLV). Solchen Abbau habe Cargo in den letzten Jahren mehr als genug praktiziert, ohne die erhoffte Eigenwirtschaftlichkeit zu erreichen. Diese sei im Einzel-WLV nicht realistisch, die geplante Verlagerung auf die Strasse aber volkswirtschaftlich schädlich, zumal der Güterverkehr in der Schweiz zunimmt. Cargo brauche eine innovative Strategie und eine neue Führungscrew mit Beteiligung von Logistikern, wie von der Politik beschlossen.

In der Diskussion kritisierten Delegierte die Planlosigkeit der Reorganisation «WLV17». Unter solchen Bedingungen kundengerecht zu arbeiten sei schwierig und gehe auf Kosten von Gesundheit und Sicherheit. Unregelmässigkeiten und Unfälle hätten zugenommen. Mit dem neuen Abbau steige der Druck weiter. Es drohe Chaos. «Wir müssen auf uns Acht geben und lernen, Nein zu sagen!» Achtung: Bei grobfahrlässigem Verhalten haftet das Personal für Schäden selber. «Automatisation und Digitalisierung ja, aber mit Ausbildung!», wurde betont, diese dürfe nicht wegen Unterbeständen zu kurz kommen. Die Delegierten diskutierten zwei Varianten eines offenen Briefs an die Cargo-Führung und verabschiedeten die schärfere.

GAV-Verhandlungen

SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger informierte über den Stand der schwierigen Gespräche. In der Diskussion sprachen sich die Delegierten mehrheitlich gegen die Reduktion der Mindestarbeitszeit von 6 auf 4 Stunden pro Tag aus, ebenso gegen die Versicherung der Zulagen im Krankheitsfall und in der Pensionskasse. Das wäre vor allem für Junge zu teuer, wurde argumentiert. Wichtiger sei, zu fordern, dass für Junge der Aufstieg im Lohnband rascher erfolgen soll. Ein Hemmschuh dafür sei die lohnrelevante Personalbeurteilung (PB), bei der Junge benachteiligt seien.

Eine Mehrheit der Delegierten votierte denn auch für die Abschaffung der lohnrelevanten PB, aber für ein PB-Gespräch, das damit offener würde. Eine klare Mehrheit will die Treueprämie weiterhin auch in Form von Ferien beziehen können.

Wahlen und Finanzielles

Neu in den Zentralausschuss gewählt wurde Fabbio Winiger. Für die Geschäftsprüfungskommission SEV wird der RPV dem Kongress 2019 Richard Schlegel als Nachfolger von Werner Graf vorschlagen. Die Delegierten genehmigten die defizitäre Jahresrechnung 2017 (inkl. 16448 CHF für die Feier 120 Jahre RPV) und das Budget 2019, das ebenfalls einen Verlust vorsieht (inkl. 4000 CHF für die Feier 100 Jahre SEV).

Fi

Offener Brief an die Führung von SBB Cargo

Stopp der Misswirtschaft – gebt dem Güterverkehr auf der Schiene eine Chance!

Sehr geehrter Herr Andreas Meyer (VR-Präsident von SBB Cargo)
Sehr geehrter Herr Nicolas Perrin (CEO von SBB Cargo)

Jetzt ist genug!

«Plumper Abbau» nennt die verladende Industrie Ihre Geschäfts- und Verkehrspolitik der vergangenen Jahre! Nicht nur dezimiert, gar gedrittelt oder halbiert werden Angestellte und Bedienpunkte von SBB Cargo! Abbauprozesse scheinen seit Gründung von SBB Cargo Programm.

Die Anforderungen an die Belegschaft steigen dauernd, auf die Arbeitsbedingungen wird massiv Druck ausgeübt und die Arbeitsplatzsicherheit wird in Frage gestellt.

Uns reicht’s!

Wo blieb die Innovation, welche SBB Cargo am bisherigen und zukünftigen Wachstum im Güterverkehr teilhaben lässt?

Bei welcher Reorganisation wurden je die versprochenen wirtschaftlichen Ziele erreicht, während aber die Arbeitnehmenden mit Stellenabbau, Stress und Improvisation die Zeche zu bezahlen hatten?

Weshalb provoziert die Crew um Herrn Meyer noch schnell eine historische Redimensionierung des Angebotes im Schienengüterverkehr, obwohl Bundesrat und Parlament einen Wechsel im Verwaltungsrat verlangen?

Wie kann SBB Cargo ohne Widerstand dulden, dass Abgeltungen für Service-public-Leistungen wegfallen? Obwohl deren Ausbleiben zu mehr Lastwagen, Staus und Chaos auf den Strassen, höherer Belastung von Bevölkerung und Umwelt sowie Mehrkosten für Unterhalt, Verstärkung und Neubau von Strassen usw. führt?

Das Vertrauen der Rangierer in die gegenwärtige Führung unter Andreas Meyer ist im Eimer!

Die Delegierten des SEV-Unterverbands des Rangierpersonals verlangen einstimmig:

  • Stoppen Sie den Abbau! Sistieren Sie sofort jegliche strategische Reorganisation!
  • Setzen Sie sich bei Bund, Kantonen, Gemeinden für Beiträge ein, indem Sie den EWLV als Service public besser verkaufen: Er spart der Allgemeinheit andere Kosten und ist für die Wirtschaft ein zuverlässiges Transportmittel, gerade in Randgebieten und im Winter. Darum lohnen sich Abgeltungen.
  • Suchen Sie mit den Kunden aktiv gute Lösungen, damit die Bahn am Wachstum des Güterverkehrs teilhat.
  • Fordern Sie nicht stur Mindestmengen und lassen kleinere Kunden nicht glauben, sie seien nicht mehr erwünscht, sondern leben Sie Innovation!
  • Die «von oben» ausgelöste permanente Krise durch all die bisherigen Reorganisationen, die nie die versprochenen Ziele erreichten, muss aufhören. Die «Reorganisitis» der vergangenen Jahre ist noch nicht verdaut. Wenn Sie so weitermachen, drohen Chaos und eine weitere Zunahme von Unfällen und Burnouts.
  • Überlassen Sie einer neuen Crew die Entwicklung einer visionären Zukunftsstrategie, damit die Bahn am Wachstum teilhaben kann. Setzen Sie nicht als letzter Akt einer erfolglosen Unternehmensstrategie dem Einzel-Wagenladungsverkehr den Grabstein und streichen bis 2023 weitere 800 Stellen – ein Drittel der Belegschaft!

    Wir Rangierer sind nicht bereit, durch Verunsicherung um unsere Zukunft und unsere Arbeitsplätze weiter ansteigende Unregelmässigkeiten und Unfälle zu riskieren.

    Aber wir sind motiviert, uns weiterhin für die Unternehmung mit Professionalität und Engagement einzusetzen, damit der Gütertransport auf der Schiene eine Zukunft hat!


    Bern, 23.05.2018, Delegiertenversammlung des Unterverbands SEV-RPV