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Lokführermangel

Lokpersonal: Es fehlt an Nachwuchs

Hansruedi Schürch, Präsident SEV-LPV.

Die SBB muss bis 2024 rund 1000 Lokführer ersetzen. Denn bis dahin verabschieden sich zahlreiche Mitarbeiter aus den «einstellungsreichen» Jahren in Pension. Dies war letzte Woche ein grosses Thema in den Medien, nachdem der «Blick» vorletzte Woche mehrfach über den Ausfall von je 25 Zügen morgens und abends in der Region Zürich wegen Lokführermangels berichtet hatte.

Für den SEV LPV und seinen Zentralpräsidenten Hansruedi Schürch hat die SBB diese Entwicklung verschlafen. «Tiefe Löhne, unregelmässige Arbeitszeiten, kaum planbare Freizeit, schwierige Vereinbarkeit mit der Familie und beschränkte Karrieremöglichkeiten: Was früher der Traumberuf vieler Buben war, ist heute für Einsteiger/innen einfach nicht mehr attraktiv», sagt Schürch.

Beruf hat an Attraktivität verloren

«Viel zu lange hat sich die SBB auf das Traumberuf-Image verlassen und zu wenig Lokführer ausgebildet.» Doch bei einem Ausbildungslohn von 45000 Franken brutto könnten zum Beispiel junge Familienväter kaum mehr angelockt werden. Zumal auch der Lohnaufstieg nicht befriedigend sei. «Dazu kommen Aussagen über führerlose Züge von SBB-Chef Andreas Meyer. Das verunsichert potenzielle Kandidaten weiter.»

SBB-Sprecher Schärli betont, dass der Beruf des Lokführers trotz der laufenden Automatisierung Zukunft habe. Denn Fachleute würden auch bei selbstfahrenden Zügen benötigt, vor allem in «ausserordentlichen Betriebslagen». Zur Zeit beschäftigt die SBB rund 3500 Lokführerinnen und Lokführer. Wegen des Ausbaus des Bahnangebotes würden aber mehr benötigt, sagt Schärli. Er räumt ein, dass jüngere Generationen weniger motiviert seien, den Beruf des Lokführers zu erlernen. Doch er bestreitet, dass die Bahn die Pensionierung vieler erfahrener Lokführer nicht antizipiert habe. Genau deshalb bilde die SBB seit Jahren deutlich mehr Lokführer aus. So gebe es heute «jährlich zehn bis zwölf Ausbildungsklassen» mit bis zu 18 Anwärter/innen, gegenüber drei bis vier Klassen in früheren Jahren. Laut Schürch werden die gewünschten Klassengrössen jedoch zunehmend nicht mehr erreicht.

Zu schaffen machen den Lokführer/innen auch die vielen Baustellen und Streckensperrungen, weil damit ihre Touren weniger effizient werden, sagt Schürch weiter. Dass die angekündigten 1900 Extrazüge von Mai bis September für Sommeranlässe eine «tageweise angespannte Personalsituation» zur Folge haben, räumt auch die SBB ein. «All das führt zu Überstunden, die nicht abgebaut werden können», warnt Schürch.

Der künftige SEV-Vizepräsident Christian Fankhauser bedauerte am 5. Juni im «Forum» von Radio RTS, dass die SBB das Personal nicht am Rekordgewinn von 2018 beteiligen will. Das sei auch nicht motivierend für bisherige und künftige Lokführer/innen.

Vivian Bologna/Fi mit Keystone-SDA

Kommentare

  • Un cheminot

    Un cheminot24/06/2019 23:08:04

    Et dans la maintenance c'est pas mieux, les anciens avec de l'experience sont denigrés, retrogradation échelons, garanties de salaire, non reconnaissance du travail effectué, les gens s'en vont car ils trouvent de meilleurs salaires ailleurs, des horaires d'esclave, on engage des temporaires à la pelle, il faut les former, après ils partent car on ne veut pas les engager à des salaires convenables, etc., etc., etc.

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