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100-Jahr-Jubiläum

«Man wird nicht jeden Tag 100-jährig»

Das Hundertjährige des SEV ist am Samstag, 2. Februar fulminant mit der Einweihung der Jubiläumslokomotive gestartet, Ende Vormittag in Bellinzona, Ende Nachmittag in Zürich. Rund hundert Mitglieder aus den vier Landesteilen nahmen an der Einweihung der Lok teil oder feierten den Zusammenschluss, der sich am 30. November 1919 konstituiert hatte.

Stefan Bruderer, Triebfeder der Lok-Einweihung in Zürich.

Man darf kein «Gfrörli» sein an diesem 2.Februar auf den Perrons im Bahnhof Bellinzona. Am Vortag hatten die starken Schneefälle die Taufe der SEV-Jubiläumslok noch in Frage gestellt. Doch am Tag X kann das wechselhafte Wetter der Einweihung nichts anhaben! Just als der per Los ermittelte Taufpate – Claudio Gianella – den Champagner entkorkt, kitzelt die Sonne seine Nase.

Aber lasst uns von vorne beginnen: Es ist 10.45 Uhr, als im Bahnhof Bellinzona die Tessiner SEV-Gewerkschafter/innen die Fahnen in die Hand nehmen, um «ihre» Lokomotive auf Gleis 6 in Empfang zu nehmen, bald begleitet von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ecken des Landes. Der Moment ist bedeutsam: Einige der Teilnehmenden waren bereits 25 Jahre zuvor an der Einweihung der Lok des 75-Jahr-Jubiläums mit dabei...

Um 11.01 Uhr vorgesehen, fährt die Maschine, gefahren von René Walser, Mitglied des LPV Ticino, kurz nach 11.05 Uhr im Bahnhof ein. Eine absichtliche Verspätung, um den Empfang zu vervollkommnen? Bei seiner Ankunft wird René Walser von den Teilnehmenden mit Applaus und von SEV-Präsident Giorgio Tuti präsidial begrüsst. «Seinen 100. Geburtstag zu feiern, ist nicht einfach nichts! Wir sind heute zusammengekommen, um die Jubiläumsfeierlichkeiten zu beginnen», betont er. «Der SEV ist vor 100 Jahren entstanden, als die Unterverbände beschlossen, den ‹Schweizerischen Eisenbahner-Verband› ins Leben zu rufen. Seither ist die Abkürzung SEV ein Begriff. Diese Fusion war eine direkte Folge des Generalstreiks von 1918. Das Bedürfnis nach Einheit war nach Abschluss des Streiks deutlich spürbar. Die Eisenbahner schlossen sich dem SGB an und vereinigten sich am 30. November 1919», fährt Giorgio Tuti fort.

Die Situation hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Der SEV ist heute die Gewerkschaft des gesamten Verkehrspersonals in der Schweiz. «Wir können uns über diese Vielfalt freuen. Wir verteidigen die Interessen von rund 40000 aktiven und pensionierten Mitgliedern und haben über 70 qualitativ hochstehende Gesamtarbeitsverträge verhandelt», so Tuti weiter. «Der Auftrag unserer Mitglieder hat sich nicht wesentlich verändert. Wir werden diesen Weg weitergehen. Die künftigen Herausforderungen entstehen insbesondere durch den Wandel der Berufe aufgrund der Digitalisierung. Auch die zunehmende Liberalisierung und der Abbau des Service public stehen auf unserer Prioritätenliste. Wir werden diesen Herausforderungen mit gewerkschaftlichen und politischen Aktionen gegenübertreten.»

Die Vielfalt des SEV als Sinnbild

Die Diversität des SEV schlägt sich auch in der Gestaltung der Lokomotive nieder. Man entdeckt die Arbeitswelt, in welcher der SEV präsent ist, findet aber auch Alltagselemente des Verkehrspersonals.

Nach dem Champagner in Bellinzona reist die Lokomotive über den Gotthard nach Zürich, wo rund 50 Kolleginnen und Kollegen im Hauptbahnhof auf sie warten. Gewerkschaftssekretär Martin Allemann, Präsident des Organisationskomitees 100 Jahre SEV zeigt das Jahresprogramm auf. Ebenfalls vor Ort ist Toni Häne, Leiter Personenverkehr bei der SBB. Denn die Lokomotive wurde gemeinsam mit der SBB realisiert. Giorgio Tuti betont gerne, dass Toni Häne seit langem SEV-Mitglied ist und 1984 zum Präsidenten der SBV-Sektion St. Gallen ernannt wurde.

Toni Häne hebt die Partnerschaft der SBB und des SEV hervor: «So haben SEV und SBB – neben dem konstruktiv-kritischen Dialog im Rahmen der Sozialpartnerschaft – auch immer wieder zusammen für gemeinsame Anliegen zur Weiterentwicklung der SBB und des gesamten öV in der Schweiz gekämpft. Nur so liessen sich auch die Abstimmungen für die immensen Investitionen in die grossen Ausbauschritte der letzten Jahre gewinnen. So wurde gemeinsam die Weiterentwicklung des öV Schweiz vorangetrieben und das immer wieder totgesagte System der Eisenbahn von Renaissance zu Renaissance geführt.» Dem Personal sendet er eine beachtenswerte Botschaft: «Auch ein heutiges Eisenbahnunternehmen braucht als Basis gut ausgebildete, kompetente und kundenorientierte Mitarbeitende, die Stolz auf ihre täglichen Leistungen sind.»

Im Anschluss an den offiziellen Teil haben die Anwesenden die Gelegenheit, sich in den für diesen Anlass gemieteten Panoramawagen zu begeben oder unter dem Expertenauge von Hans-Ruedi Schürch, LPV-Präsident, in den Führerstand zu sitzen .

Mitglieder des SEV, aus KTU und SBB, Mitglieder der Jugend und vom PV – der Anlass ist beispielhaft für den SEV und zeigt deutlich die Vielfalt.

Der SEV schaut zurück. Er wendet sich aber auch entschieden der Zukunft zu. Daran erinnert auch das Jubiläumsmotto auf der Lokomotive: «Volle Kraft voraus – deine Gewerkschaft».

Vivian Bologna/chf
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Fotowettbewerb

Der SEV sucht das schönste Foto – ästhetisch, aber auch bezüglich Originalität – der SEV-Jubiläumslokomotive. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Eine interne Jury wird die erste Vorauswahl treffen. Unsere Mitglieder werden anschliessend zur Schlussabstimmung gebeten. Der Gewinner oder die Gewinnerin erhält unsere Lok als Modell (siehe die Anzeige nebenan). Die Bilder auf Platz 2 bis 5 erhalten Reka-Checks im Wert von 150 Franken, auf den Plätzen 6 bis 10 winken Reka-Checks im Wert von 80 Franken. Die Teilnahme ist einfach: Schickt uns euer Foto an media@sev-online. ch bis 31. März 2019 unter Angabe aller üblichen Koordinaten (Name, Vorname, E-Mail, Telefonnummer). Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen euch viel Glück!

Das Jubiläumsprogramm

Die Lok-Einweihung war der Beginn des 100-Jahr-Jubiläum des SEV. In diesem ausserordentlichen Jahr werden weitere Veranstaltungen Akzente setzen:

3. Juni: Jubiläumsfeier im Kursaal Bern.

Vom 3. Juni bis zum 30. November: Ausstellungsbus auf Tour durch die ganze Schweiz. Er macht an verschiedenen Orten der Schweiz Halt. Die Sektionen sind eingeladen, sich für den Empfang der Ausstellung zu engagieren. Der Bus bietet Gelegenheit, in die Geschichte des SEV einzutauchen, aber auch, die Wege der Zukunft aufzuzeigen. Eine rund hundertseitige Festschrift wird die Ausstellung ansprechend ergänzen und steht den Mitgliedern in der Busausstellung zur Verfügung.

30. November: 100 Jahre nach der Gründung des SEV durch den Zusammenschluss der Unterverbände finden die Feierlichkeiten ihren Abschluss. Das Finale wird von der SEV-Jugend organisiert und soll einen Blick in die Zukunft bieten.

Das Jahr 2019 wird auch geprägt sein vom SEV-Kongress am 4. Juni und dem Frauenstreik am 14. Juni.

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