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Railfit20/30

Die SBB lässt das HR bluten

Kahlschlag beim Human Resources Management (HR) der SBB: Die Reorganisation im HR ab 2018 wird mindestens 20 Prozent der Stellen kosten, und dafür gibts auch noch Applaus.

Railfit20/30 – das sind Einsparungen von 1,2 Milliarden Franken und 1400 abgebaute Stellen. Davon betroffen sind 56 der 281 Stellen im HR der SBB, das sind 20 Prozent des Personalbestands. «Die Führung der SBB ergreift die Chance zur Weiterentwicklung der Unternehmung nicht, die sich mit den neuen Technologien bietet. Stattdessen liegt der Fokus einzig auf sichtbaren Einsparungen», kritisiert SEV-Gewerkschaftssekretär Daniel Froidevaux. Die Sozialpartner sehen die Digitalisierung als «eine blosse Ausrede für die künstlichen Sparziele der Unternehmung».

Die Reorganisation wird auf den 1. Januar 2018 in Kraft treten. Die HR-Berater/innen sollen durch ein HR-Kompetenzzentrum ersetzt werden. So geht der persönliche Kontakt zu den Berater/innen verloren, und in schwierigen Situationen ist eine direkte, individuelle Unterstützung nicht mehr möglich. Die SBB macht mit der Reorganisation des HR einen weiteren Schritt zur Enthumanisierung.

Aus Sicht des SEV ist die Digitalisierung bloss ein Deckmantel. Denn dem HR sollte bei der SBB eine grössere Bedeutung zukommen, daher müssen die Personalführungskompetenzen verbessert werden, und nicht geschwächt. «Wie kann man nur glauben, dass man die Leistungen des HR verbessert, wenn man einen Fünftel der Stellen streicht?» Gut 30 der betroffenen Angestellten sind noch nicht vier Jahre im Unternehmen – ihnen könnte also gekündigt werden.

«Flexibler werden»

In ihrer Antwort auf die Stellungnahme der Sozialpartner wird klar, dass sich die Projektverantwortlichen nicht von ihrer Idee abbringen lassen: «Das wesentliche Ziel des neuen HR-Modells ist es, das HR in seiner Organisation flexibler zu machen.» Dies sei nötig, um die Veränderungen im Zuge der Digitalisierung zu bewältigen.

Für Daniel Froidevaux sind dies nur leere Worte. «Wir hören immer und immer wieder dasselbe: Man könne mehr machen mit weniger Ressourcen. Wir stellen fest, dass die Enthumanisierung bei der SBB weiter voranschreitet und die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährdet. In den Zügen und Bahnhöfen ist sie bereits Realität, und zwar in Form von Stellenstreichungen. Es ist unvorstellbar, wie sich die SBB verbessern soll, wenn sie ihre Mitarbeitenden als wirtschaftliche Ressource betrachtet!»

Auch aus rechtlicher Sicht wirft die Reorganisation Fragen auf. Franziska Schneider vom SEV-Rechtsschutz erklärt: «Wirtschaftlich gesehen mag diese Reorganisation vielleicht sogar Sinn machen – wenn man diese Reorganisation dereinst auch konsolidieren würde. Aus menschlicher und aus rechtlicher Sicht ist dies zu beanstanden. Die SBB lebt Prozesse, und in diesen Prozessen haben alle betroffenen Mitarbeitenden und Vorgesetzten Rechte und Pflichten, und HR spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dies werden wir sehr genau beobachten und werden, sollten aus dem neuen Rollenverständnis bei HR die Prozesse nicht mehr konform behandelt werden und Nachteile für unsere Mitglieder entstehen, die nötigen Schritte einleiten.»

Vivian Bologna/kt

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