AUF DEN SPUREN VON ...
Patrick Eilinger, Linienbus-Chauffeur

Seit gut vier Jahren ist Patrick Eilinger für die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) unterwegs. Mit 31 Jahren gehört er zu den jüngeren Sektionspräsidenten des SEV. Vor zwei Jahren übernahm er das Amt beim VPT VZO – und schafft etwas, worum ihn andere Sektionen beneiden: Er gewinnt junge Mitglieder für den Vorstand.
Geduldig erklärt Patrick Eilinger einem interessierten Fahrgast, wie Menschen im Rollstuhl mit dem absenkbaren Bus zusteigen können. Der pensionierte Fahrgast staunt nicht schlecht, als ihm der Busfahrer den geringen Abstand zwischen Bus und Trottoir zeigt. Er interessiere sich eben sehr für die Bustechnik, meint der Pensionär und bedankt sich beim Einsteigen beim Chauffeur.
Die siebenminutige Pause ist beendet. Von Bäretswil aus fährt Patrick Eilinger wieder los in Richtung Wetzikon. Mit einer kurzen Durchsage begrüsst er die Fahrgäste, dann rollt der Bus gelassen durch den Nachmittagsverkehr des Zürcher Oberlands. Die milden Frühlingstemperaturen machen sich im Strassenverkehr bemerkbar. Gemächlich biegen einige Velofahrer vor dem Bus nach links in eine Seitenstrasse ein. Auf die Velofahrer mit gelben Westen nimmt der Chauffeur besonders Rücksicht.
Nicht alle Verkehrsteilnehmer sind an diesem sonnigen Tag so gelassen unterwegs. Als Patrick Eilinger von einer Haltestelle losfährt, zieht ein Autofahrer knapp links vorbei und nimmt dem Linienbus die Vorfahrt. Der Chauffeur bremst, hupt kurz und fährt weiter. Eine ältere Passagierin kommentiert das Verhalten des Autofahrers spöttisch: «So en dumme Cheib!» Patrick Eilinger bleibt in solchen Situationen ruhig. «Meistens entschuldigen sich die Autofahrenden dann auch mit einem Handzeichen», sagt er. In den fast vier Jahren beim VZO sei ihm glücklicherweise noch nie etwas passiert.
Kindheitstraum erfüllt
Das Busfahren macht dem 31-jährigen Zürcher Oberländer sichtlich Spass. Er mag den Kontakt mit den Menschen sehr und zeigt sich offen, wenn Kunden und Kundinnen Fragen haben. Schon als Kind hatte Patrick Eilinger den Wunsch, einen solchen 19 Meter langen Gelenkbus zu fahren, und meint: «Ich war schon immer fasziniert, wie solch riesige Fahrzeuge durch schmale Strassen manövrieren können.»
Nach seiner Lehre als Gebäudereiniger und einigen Jahren im Beruf bewarb sich Eilinger beim VZO – und wechselte in die Fahrerkabine des Linienbusses. Damit erfüllte er sich seinen Kindheitstraum. Die Schichtarbeit komme ihm entgegen, sagt er. Auch die Selbstständigkeit im Arbeitsalltag und das grosse Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, schätzt er sehr. «Ausserdem liebe ich es, für Menschen da zu sein.»
Engagement für gute Arbeitsbedingungen
«Uns geht es hier beim VZO gut», sagt Patrick Eilinger. «Aber trotzdem braucht es uns vom SEV.» Seit April 2024 ist er Sektionspräsident des VPT VZO und setzt sich für gute Arbeitsbedingungen ein. Ebenso wichtig ist ihm die Stärkung des öffentlichen Verkehrs und ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitglieder.
Zusammen mit der Sektionsbetreuerin Edith Graf-Litscher hat er bereits Gespräche mit der Geschäftsleitung des VZO über Arbeitsbedingungen geführt. Die Verhandlungen erlebt der junge Präsident als konstruktiv: «Wir werden am Tisch akzeptiert und können unsere Ansichten einbringen. Das ist für mich bereits ein Erfolg.»
Sein Engagement kommt nicht von ungefähr. Schon als Schüler entwickelte er einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Als er sich einmal vom Klassenlehrer unfair behandelt fühlte, suchte er das Gespräch mit der Schulleitung – mit Erfolg.
Später, während seiner Zeit als Gebäudereiniger, war er bereits Mitglied der Gewerkschaft Unia. Damals erlebte er bei seinem Arbeitgeber schwierige Arbeitsbedingungen. Als er zum VZO wechselte, war für ihn klar, dass er sich künftig aktiv gewerkschaftlich engagieren möchte.
Erfolg beim Nachwuchs
Vor zwei Jahren wurde Patrick Eilinger zum Sektionspräsidenten des VPT VZO gewählt. Eine seiner ersten Herausforderungen: Der Vorstand stand kurz vor einem Generationenwechsel, mehrere Mitglieder näherten sich der Pensionierung.
Dem jungen Präsidenten gelang es jedoch, ein weiteres junges Vorstandsmitglied zu gewinnen. «Ich hatte einen persönlichen Draht zu potenziellen Kandidaten – und auch etwas Glück», sagt er bescheiden. Es sei nicht einfach, Menschen für eine solche Aufgabe zu gewinnen. Wichtig sei, dass es für alle passe. «Und um das herauszufinden, muss man vor allem zuhören.»
Als der Bus in Wetzikon ankommt, hat Patrick Eilinger seine Schicht beendet. Mit dem VZO ist er inzwischen auch privat eng verbunden: Seine Frau absolviert derzeit ebenfalls die Ausbildung zur Buschauffeuse beim selben Betrieb. Und Eilinger selbst hat weitere Pläne. Gerne würde er künftig zusätzlich als Instruktor arbeiten. «Für diese Zusatzfunktion stehe ich bereits auf der Anwärterliste», erzählt er und fügt lachend hinzu: «Daumen drücken!»
Renato Barnetta