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Arbeitsbedingungen

Das öV-Personal in der Gluthitze

Extreme Hitzewellen, wie wir sie in der zweiten Junihälfte erlebt haben, kommen immer öfter vor. Unter der Hitze leiden nicht nur die Infrastruktur und die Fahrzeuge: Mindestens sechs Fahrdienstmitarbeitende haben im Juni Schwächeanfälle erlitten. Um die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu schützen, müssen die Verkehrsunternehmen Massnahmen ergreifen.

Schon im vergangenen Sommer war es mehrere Tage lang sehr heiss, und die SEV-TPG-Sektion versorgte die Kolleg:innen mit gekühlten Getränken.

Gemäss MeteoSchweiz bedeutet Gefahrenstufe 3 eine erhebliche Gefahr, Stufe 4 warnt vor grosser Gefahr, mit stark erhöhten Temperaturen an mehreren Tagen hintereinander und Nächten, in denen sich der Körper nicht mehr richtig erholen kann. Bei der Hitzewelle im Juni wurde die Schwelle von 36 Grad überschritten, was in mehreren Regionen Gefahrenstufe 4 auslöste, die höchste, die bei Hitze ausgesprochen wird – vom Genfersee über den Jurasüdfuss bis Zürich, vom Wallis bis zur Nordwestschweiz.

Busfahrerinnen und -fahrer, Lokführerinnen und -führer, das Schiffspersonal, die Teams des Gleisunterhalts, die Beschäftigten der Werkstätten und auch das Büropersonal: Ihnen allen drohen Temperaturen, die die Gesundheit gefährden und die alltäglichen Arbeiten massiv erschweren. Deshalb fordert der SEV, dass der Schutz des Personals als Priorität behandelt wird und die Unternehmen ihre Organisation an die neue Realität anpassen.

Im öffentlichen Verkehr sind die Folgen vielfältig. Busfahrerinnen und -fahrer sind hinter den grossen Frontscheiben stundenlang der Einstrahlung ausgesetzt. Auch wenn der Bus über eine funktionierende Klimaanlage verfügt, strömt die Hitze bei jeder Türöffnung ins Fahrzeug. In Zugführerständen und gewissen Kompositionen kann es ebenfalls unerträglich heiss werden, wenn die Kühlsysteme bis an ihre Grenze gefordert sind. Uns wurden mindestens sechs Fälle gemeldet, in denen Busfahrer (TL und TransN) und Lokführer (MBC) während der Fahrt einen Schwächeanfall erlitten; zum Glück gab es dabei keinen Unfall.

Das Personal, das in den Gleisen, mit den Sicherungsanlagen oder an den Fahrleitungen arbeitet, ist noch stärker exponiert. Im direkten Sonnenlicht strahlen die Anlagen noch zusätzliche Hitze ab. Auch das stationäre Personal bleibt nicht verschont, denn die Arbeitsplätze, Werkstätten und Pausenlokale sind oft nicht genügend belüftet und gekühlt.

Klimaanlagen sind zweifellos hilfreich, lösen aber nicht alle Probleme. Vor allem sind sie nicht überall installiert, und sie fallen bei extrem hohen Temperaturen nicht selten aus. Zudem können sie nicht alle Herausforderungen des Betriebs lösen, etwa die häufigen Bushalte oder die andauernden Wechsel zwischen heissen und gekühlten Räumen.

Die Hitze schädigt aber nicht nur die Menschen, sie beeinträchtigt auch Infrastruktur, Züge und Busse.

Infrastruktur und Fahrzeuge am Anschlag

So kam es im Juni zu Gleisverformungen in Baar/ZG, Olten, im Berner Oberland und Jura. In Genf mussten rund 40 Fahrzeuge der TPG (insbesondere Citaro-Dieselbusse) ausgesetzt werden, da ihre Antriebe überhitzten, die Kühlanlagen ausfielen, die Klimaanlagen versagten und das Motorenöl zu heiss wurde. Einzelne Kurse fielen aus.

Auch bei der SBB kam es zu Zwischenfällen: Antriebe überhitzte, Klimaanlagen vielen aus, Bahninfrastruktur verformte sich. Die heissen Temperaturen führen insbesondere zu Gleisschäden und Weichenstörungen. Fahrzeuge mit Störungen versucht die SBB auszutauschen, was aber nicht immer möglich ist. Gemäss SBB sind rund 98 % der Züge klimatisiert.

All dies zeigt, dass die Hitze weit mehr ist als ein Komfortproblem. Sie betrifft die Gesundheit, die Sicherheit, die Angebotsqualität und die Arbeitsorganisation.

Die Forderungen der Gewerkschaften

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erinnert daran, dass die Arbeitgeber verpflichtet sind, die Gesundheit des Personals zu schützen. Auch die Suva unterstreicht, dass die Hitze eine zusätzliche physische Belastung darstellt, die insbesondere bei körperlicher Arbeit und längerem Aufenthalt im Freien zur Gefahr wird.

Der SEV fordert, dass die Unternehmen bei Hitzewellen systematisch technische und organisatorische Massnahmen sowie individuelle Vorkehrungen zum Schutz des Personals ergreifen.

Für das fahrende Personal bedeutet dies, dass ausreichend gekühlte Getränke zur Verfügung stehen, regelmässig Pausen ermöglicht werden und an den Wendepunkten der Zugang zu Toiletten und Trinkwasser gesichert ist – dafür sind die Wendezeiten bei Bedarf zu verlängern. Die Fahrzeuge müssen klimatisiert sein und ausgewechselt werden, wenn die Geräte ausfallen.

Für die Teams, die in den Gleisen und Anlagen arbeiten, sind neben ausreichend Getränken auch angepasste Einsatzzeiten nötig, damit die anstrengendsten Arbeiten in den kühleren Tageszeiten ausgeführt werden können. Ebenso sind zusätzliche Pausen im Schatten (15 Minuten pro Stunde) und Ausrüstungen für den UV-Schutz erforderlich; wenn die Temperaturen unerträglich werden, müssen die schwersten Arbeiten unterbrochen werden.

In Büros, Werkstätten und geschlossenen Räumen braucht es eine passende Belüftung, gekühlte Ruheräume und zusätzliche Pausen, die eine ausreichende Erholung und eine Anpassung des Arbeitsrhythmus ermöglichen (15 – bezahlte – Minuten Pause pro Stunde).

In der Westschweiz hat der SEV kürzlich bei mehreren Unternehmen der Branche interveniert, um die Arbeitgeber an ihre Pflichten zu erinnern und ihnen entsprechende Massnahmen vorzuschlagen.

Es geht um Gesundheit, gewerkschaftliche und soziale Fragen

Bei Redaktionsschluss rollte schon die nächste Hitzewelle an, diese werden mit dem Klimawandel häufiger, länger und intensiver. Der öffentliche Verkehr, der einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Wandel leistet, muss sich selbst auch an diese neue Realität anpassen.

Es ist eine doppelte Herausforderung: Die Gesundheit und die Arbeitsbedingungen des Personals schützen und gleichzeitig den Reisenden sichere und erträgliche Fahrten ermöglichen. Die Gluthitze ist nicht einfach nur Wetter. Sie ist zu einer gewerkschaftlichen und sozialen Aufgabe geworden; es geht um die Gesundheit der ganzen Bevölkerung.

Yves Sancey

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