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Europäisches Jahr der Schiene

Bahnen für den «Green Deal»

© SBB CFF FFS

Die EU hat 2021 als Europäisches Jahr der Schiene ausgerufen, um die Bahn als sicheres und nachhaltiges Verkehrsmittel zu fördern. Am 15. Dezember 2020 hat das Europäische Parlament den entsprechenden Vorschlag angenommen. Zu den Zielen gehört, bis 2050 die Klimaneutralität gemäss dem europäischen «Green Deal» zu erreichen. Ein voller Veranstaltungskalender ist geplant.

Die Covid-19-Krise hat gezeigt, wie die Eisenbahn in Ausnahmesituationen den schnellen Transport von lebenswichtigen Gütern wie Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff sicherstellen kann. Der Sektor wurde von der Krise hart getroffen, da die Passagierzahlen aufgrund von Reisebeschränkungen dramatisch zurückgingen. Dies war auch in der Schweiz zu beobachten, vor allem in der ersten Welle, mit der Reduktion des öffentlichen Verkehrsangebotes. Doch die Bahn spielt nicht nur eine Rolle bei der nachhaltigen Bewältigung der Pandemie, sie ist und bleibt auch eine der Lösungen für den Klimanotstand.

Nachhaltige und sichere Mobilität

Wie man auf der EU-Website nachlesen kann, ist allein der Verkehr für 25 % der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich. Der Schienenverkehr macht jedoch nur 0,4 % dieser Treibhausgase aus. Das Schienennetz ist weitgehend elektrifiziert, und es ist der einzige Verkehrsträger, der seine Emissionen im Vergleich zu 1990 deutlich reduziert hat. Die Bahn kann auch eine wichtige Rolle im nachhaltigen Tourismus spielen. Diese Sicht teilt auch die Europäische Transportarbeiter-Föderation (European Transport Workers’ Federation – ETF).

«Die ETF sieht das Jahr der Schiene als Ausgangspunkt für positive langfristige Entwicklungen im Bahnsektor», sagt SEV-Präsident Giorgio Tuti, der auch die ETF-Eisenbahnsektion präsidiert. «Die Bahn oder allgemeiner der öffentliche Verkehr ist als kollektiver Verkehrsträger Teil der Lösung der Klimaprobleme. Als umweltfreundlicher Verkehrsträger ist die Bahn im Güter- und Personenverkehr deutlich auszubauen. Sie muss im Wettbewerb mit den anderen Verkehrsträgern gestärkt werden. Die öV-Branche wird also mehr Personal brauchen, nicht nur wegen der demografischen Entwicklung, sondern auch, um das Wachstum zu bewältigen. Das nötige Personal wird sie nur finden, wenn sie sichere Arbeitsplätze mit fairen Löhnen und fortschrittlichen Arbeitsbedingungen bietet.»

Dank der geringen Anzahl von Unfällen auf den Gleisen ist der Schienenverkehr auch der sicherste Landverkehrsträger: Pro Milliarde Personenkilometer mit der Bahn gibt es nur 0,1 Tote durch Bahnunfälle, mit dem Bus 0,23, mit dem Auto 2,7 und mit Motorrädern 38 (2011–2015).

Bahn verbindet Zentren und Peripherie

Die Bahn ist auch als öffentlicher Dienst wichtig. Sie verbindet abgelegene Gebiete, die weit von den bevölkerungsreichen Zentren entfernt sind, und sichert so den internen und den grenzüberschreitenden Zusammenhalt der europäischen Regionen. Trotzdem werden auf europäischer Ebene nur 7 % der Passagiere und 11 % der Güter mit der Bahn transportiert. «Die Schiene muss das Rückgrat eines nachhaltigen Verkehrssystems in Europa werden», sagt Giorgio Tuti. «Das erfordert Strategien zu ihrer Förderung. Zum Beispiel, indem man die Mitarbeitenden wieder ins Zentrum stellt und ihre Probleme endlich anerkennt und beseitigt. Wir sollten aufhören zu glauben, dass die Arbeit im Bahnsektor grundsätzlich gut sei. Das ist einfach nicht der Fall. Auch im Bahnsektor gibt es Formen von Dumping. Er leidet aufgrund der demografischen Situation unter einem Mangel an qualifiziertem Personal und muss wieder mehr Junge und Frauen anziehen. Ohne genügend Personal sind die Widerstandsfähigkeit des Bahnsektors und seine wirtschaftliche Nachhaltigkeit gefährdet. Damit das Europäische Jahr der Schiene nicht toter Buchstabe bleibt, brauchen wir den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen ‹Women in Rail›, um den Sektor für Frauen attraktiver zu machen.»

Um die Initiative bekannt zu machen, hat die Europäische Kommission eine Website eingerichtet, die die wichtigsten Informationen und einen Überblick über die Aktivitäten zusammenfasst. Die Veranstaltungen werden die vielfältigen Aspekte der europäischen Bahnen beleuchten, einschliesslich ihres innovativen Charakters, ihrer Rolle für die Kultur und das europäische Erbe, ihrer Bedeutung für die Verbindung von Regionen, Menschen und Unternehmen, ihres Anteils am nachhaltigen Tourismus und ihrer Rolle für die Beziehungen der EU zu ihren Nachbarländern. Das Internationale Kunstfestival Europalia widmet seine Ausgabe 2021 dem Einfluss der Bahn auf die Kunst und ihrem Beitrag zum sozialen, wirtschaftlichen und industriellen Wandel.

Und die ETF wird sicher nicht nur zuschauen. «Wir wollen das Jahr der Schiene mitgestalten, denn wir sind die Stimme des Personals und wollen gehört werden!», betont Giorgio Tuti. «Wir wollen Ideen und Informationen über die vielen nationalen Aktionen über eine europäische Plattform verbreiten und auch eigene Veranstaltungen durchführen, wobei deren Form auch von der Pandemiesituation abhängen wird.»

Françoise Gehring, Communiqués / Übersetzung: Jörg Matter
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