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Sektionskonferenzen: «Wir müssen wachsen!»

Die diesjährigen Sektionskonferenzen fanden ihren Auftakt am 5.Februar in Bern, gefolgt von St.Gallen am 13.Februar. Die Geschäftsleitung beleuchtete vor allem das SEV-Jubiläum, die Mitgliederwerbung und den Frauenstreik vom 14. Juni. Doch auch der Austausch mit den Sektionen war wiederum ein zentrales Traktandum.

Sektionskonferenz im Restaurant Militärkantine in St. Gallen. (Foto: Fi)

«Um stark zu bleiben als grösste Gewerkschaft im öV sind wir alle gefordert, die Mitgliederwerbung zu intensivieren», betont Vizepräsident Manuel Avallone in Bern und St.Gallen. Er verweist auf die nationalen Werbetage am 4. April und 10. September.

Ein wichtiger Schwerpunkt im 2019 ist für den SEV natürlich auch das 100-Jahr-Jubiläum (siehe Seiten 4 und 5). Insbesondere soll auch der Ausstellungsbus für Werbezwecke genutzt werden, zusammen mit Publikationen und Werbeartikeln.

Politisch entscheidendes Jahr

Präsident Giorgio Tuti beleuchtet die politischen Schwerpunkte 2019:

Im Oktober finden die National- und Ständeratswahlen statt, die je nach Ausgang einen Niederschlag auf die Verkehrspolitik haben werden. «Es wird sich die Frage stellen, ob die Liberalisierungspolitik weiter vorangetrieben wird oder dringend nötige Korrekturen angebracht werden», erklärt Giorgio Tuti.

Bis jetzt konnte der SEV durch begründete Kritik Projekte wie die Fernbusse, die Aufteilung der Fernverkehrskonzession oder die Öffnung im internationalen Schienenverkehr etwas ausbremsen, aber nicht vollständig abwehren. «Diese Thematik wird uns weiter stark beschäftigen, und wir werden hart gegen Öffnung und Privatisierung im öV ankämpfen!»

2019 finden auch auf EU-Ebene Parlamentswahlen statt. Diese werden massgeblich mitbestimmen, in welche Richtung sich die künftige Verkehrspolitik entwickeln wird.

In der Sozialpolitik bestehen insbesondere Probleme in der Altersvorsorge, namentlich bei den Pensionskassen, die nach dem Kapitaldeckungsverfahren funktionieren und unter sinkenden Zinsen leiden. Daraus resultieren sinkende Renten. Die sicherere AHV, die nach dem Umlageverfahren funktioniert, gilt es deshalb zu stärken. Giorgio Tuti macht in diesem Zusammenhang auf eine geplante Initiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds aufmerksam, die eine 13. AHV-Rente verlangt. «Erhöhen wir die Kaufkraft bei den Rentnerinnen und Rentnern, so wirkt sich dies direkt auch auf die Wirtschaft aus», verdeutlicht Giorgio Tuti das Vorhaben.

Frauenstreik zum Zweiten

«Populisten kommen an die Macht, Gesetze in der Schweiz werden nicht ernst genommen – es ist vieles im Argen», beginnt Lucie Waser, Gleichstellungsbeauftragte des SEV ihr Referat (in Bern). Aus diesen Gründen wurde der Beschluss gefällt, nach 1991 im 2019 einen zweiten Frauenstreik zu lancieren. Frauen und solidarische Männer sollen landesweit ihre Arbeit niederlegen und an den zahlreichen Aktionen und Anlässen in allen grösseren Städten der Schweiz teilnehmen. Der SEV wird dort sein, wo auch seine Mitglieder zu finden sind: in den Bahnhöfen. Alle Frauen-Aktionstage und auch der 1. Mai stehen dieses Jahr unter dem Thema Frauenstreik. Angesichts dieser vielen Aktionen verzichtet der SEV 2019 auf die Bildungstage für die Frauen.

Schwierige Zeiten für Sektionen

Das Traktandum «Themen und Berichte aus den Sektionen» wurde auch in diesem Jahr rege genutzt, um über die Situation in den Betrieben zu informieren – siehe Kasten Bern und St.Gallen. Die Teilnehmenden nutzten aber auch die Gelegenheit, die Mitgliederentwicklung in den einzelnen Sektionen zu analysieren und Nachfolgelösungen in den Sektionsvorständen zu suchen. Die ersten beiden Sektionskonferenzen endeten mit gemütlichen Abendessen.

Chantal Fischer
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Bern

Mit rund 40 Teilnehmenden ging die Sektionskonferenz in Bern über die Bühne. Trotz Kälte im Konferenzsaal infolge einer defekten Heizung war die Stimmung alles andere als frostig.

Nach den Infos von SEV-Geschäftsleitung, Jugend- und Frauenkommission erhielten die Sektionen wie immer Gelegenheit, ihre Anliegen und Informationen vorzubringen. Die Suche nach Nachfolger/innen in den Sektionsvorständen ist schwierig. So stellt z.B. Balthasar Stöcklin, Präsident VPT BLS, sein Amt per 2. Mai zur Verfügung, ausblickend auf seine Pensionierung. Der Vorstand ist daran, einen/eine Nachfolger/in zu suchen. Auch Beat Jurt, Präsident TS Mittelland kennt die Problematik. Vor vier Jahren begann er mit der Suche im Hinblick auf seine Pensionierung per 1.September 2017, ist jedoch bis heute nicht fündig geworden. Anfang April tritt er nun definitiv zurück.

Die Entwicklung der Mitgliederbestände verläuft unterschiedlich: Während die einen Sektionen von einer Mitgliederzunahme profitieren, schrumpft der Bestand bei anderen. Die Anwesenden waren sich einig, dass die Mitgliederwerbung auch künftig ein Schwerpunkt der Gewerkschaftsarbeit bleiben muss. Umso mehr, da es beim rauen Wind, der den Mitarbeitenden zunehmend entgegen weht, eine starke Gewerkschaft braucht.

Probleme gibt es überall: In einigen Bereichen werden junge Mitarbeitende immer mehr von Privaten abgeworben und mit besseren Löhnen gelockt. Umstrukturierungen demotivieren das Personal und bewirken viele Abgänge. Auch die Arbeitsbedingungen lassen oft zu wünschen übrig. Nicht zuletzt werden Gewerkschaften auch nicht in allen Betrieben gerne gesehen.

Nach der offiziellen Konferenz gingen die Diskussionen beim gemeinsamen Nachtessen weiter.chf

St. Gallen

Unter dem Traktandum «Informationen aus den Sektionen» hatten die 30 Milizler/innen den acht Profigewerkschaf- ter/innen aus Bern und den Regionalsekretariaten St. Gallen und Zürich Erfreuliches und weniger Erbauliches zu berichten. Ins letztere Kapitel gehören vor allem die Lohnverhandlungen bei SOB, Appenzeller Bahnen und der Frauenfeld–Wil-Bahn, wo trotz wieder anziehender Teuerung und laufend steigender Krankenkassenprämien erneut keine allgemeine Erhöhung gewährt wurde. Bei den AB war zwar die Geschäftsleitung zu einem «Lohn/AZG- Kompromiss» bereit, doch der Verwaltungsrat zeigte sich stur und bodigte die Verhandlungslösung. Nun gilt es herauszufinden, wer den Teuerungsausgleich verhindert hat (sind es die öV-Besteller?) und an wen sich (allenfalls gemeinsame) Aktionen der betroffenen SEV-Sektionen richten sollen.

Unerfreulich ist auch die steigende Belastung des fahrenden Personals bei Thurbo durch zunehmende Spätdienste, kürzere Erholungszeiten und Nicht-Beziehen-Können von Freitagen. Hier müssen die laufenden BAR-Verhandlungen Besserung bringen. Auch bei der RhB muss der neue FAV noch durch eine BAR ergänzt werden. Zu denken gibt, dass die Thurbo 18 Monate brauchte, um eine Klasse mit 14 Lokführern zu füllen. Generell sind Fachkräfte für unattraktive Schichtarbeit schwer zu finden. Erfreulich ist das Lohnresultat (0,5% generell, 1,2% individuell) bei Bus Ostschweiz, wo jetzt die von SEV-Seite erwünschte GAV-Erneuerung anläuft. Der LPV Nordostschweiz hat 2018 13% Mitglieder gewonnen, nicht zuletzt dank der Verteidigung der 115 garantierten Freitage im GAV SBB. Auch in anderen Sektionen sorgen neue, junge Mitglieder für frischen Wind. Generell schwierig zu werben bleibt das Büropersonal.

Fi

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