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Jahresversammlung von Ouestrail

Hilft die grüne Welle dem Schienengüterverkehr?

Die Vereinigung Ouestrail hat ihre Jahresversammlung unter das Motto «Gütertransport, welche Qualität zu welchem Preis?» gestellt. Die Versammlung unter der Leitung des jurassischen Ständerats Claude Hêche fand am 8. November in Yverdon-les-Bains statt. Dabei kam die Hoffnung auf, dass die grüne Welle der eidgenössischen Wahlen Farbe in den Schienengüterverkehr bringen könnte…

Das Uvek (Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation) geht davon aus, dass der Güterverkehr in den nächsten 20 Jahren um 37% zunehmen wird (in Tonnenkilometern). Das Bevölkerungs- und das Wirtschaftswachstum sind die beiden Hauptgründe dafür. Gleichzeitig wird gemäss Uvek der Personenverkehr um 25% ansteigen.

Für die Waadtländer Staatsrätin Nuria Gorrite, Vorsteherin des Departements für Infrastruktur und Personalwesen, kann der Schienengüterverkehr vom Zuwachs nur profitieren, wenn das Bahnnetz und die Infrastruktur ausgebaut werden. Andernfalls werden die Strassentransporteure den zusätzlichen Verkehr übernehmen. Dies stehe allerdings nicht im Einklang mit der grünen Welle der eidgenössischen Wahlen, stellte die Staatsratspräsidentin fest.

Die Bahn ist gut fürs Klima

Andreas Minder ist bei der Schweizer Zucker AG verantwortlich für die Zuckerrübentransporte. An der Versammlung von Ouestrail wies er darauf hin, dass «von Oktober bis Dezember rund 700 Ganzzüge mit Zuckerrüben zu den Werken in Aarberg und Frauenfeld fahren. Aber wenn die Verladestellen weiter als 80 Kilometer von den Feldern entfernt sind, ist es für die Bauern finanziell interessanter, ihre Rüben mit Lastwagen zu transportieren.» Mit diesem einfachen Beispiel legte Andreas Minder den Finger auf einen wunden Punkt des Gütertransports: die Aufteilung zwischen Schiene und Strasse.

«Unsere Nachbarn beneidenuns» …

Diesen Punkt sprach auch Thierry Gaschen an, Leiter der Logistik bei Ciments Vigier SA: «Unsere Märkte sind dynamisch, wir brauchen Flexibilität, deshalb setzen wir auf den Kombiverkehr von Schiene und Strasse. Auf langen Strecken bevorzugen wir den Zug, das verbessert unseren ökologischen Fussabdruck.»

Dass in der Schweiz zwischen 22 Uhr und 5 Uhr sowie am Wochenende keine Lastwagen fahren dürfen, hilft eindeutig der Schiene, stellte Nicolas Baer fest, Geschäftsleitungsmitglied der Planzer Transport AG. «Unser Unternehmen ist an der Swiss Combi AG beteiligt, die seit kurzem 35% der Aktien von SBB Cargo besitzt. Wir sind überzeugt, dass das Schweizer Bahnsystem starke Trümpfe hat, um die uns die Nachbarländer beneiden.»

...aber die Randregionen zahlen den Preis

Nicolas Perrin ist seit 2008 CEO von SBB Cargo. Er betonte in seiner Rede, dass die Partnerschaft mit Swiss Combi AG die Position von SBB Cargo auf dem Schweizer Güterverkehrsmarkt stärken werde. Jean-Claude Cochard, langjähriger SEV-Kämpfer, warf dem CEO von SBB Cargo vor, Randregionen wie etwa den Genferseeraum komplett aufzugeben: «Es gibt in unserem Land Regionen, wo der Güterverkehr vollständig abgeschoben wurde, auf Kosten der Umwelt.»

Eine Lösung im Tunnel?

Ein weiteres SEV-Urgestein, der frühere Vizepräsident Michel Béguelin, stellte in den Raum, ob die beste Lösung für die Überlastung sowohl des Schienen- als auch des Strassennetzes darin liegen könnte, die Hauptachsen des Schienengüterverkehrs in den Untergrund zu verlegen. Michel Béguelin bezog sich dabei natürlich auf das Projekt «Cargo sous terrain». Pierre-André Meyrat, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Verkehr, wies darauf hin, dass eine Vernehmlassung zum geplanten Bundesgesetz über den unterirdischen Gütertransport stattgefunden hat, die am 10. Juli zu Ende ging. Die Resultate werden in wenigen Wochen vorliegen. «Was ich schon sagen kann, ist, dass der Gesetzesentwurf sowohl bei den Kunden als auch der Lobby der Strassentransporteure sehr gut angekommen ist.»

Alberto Cherubini/Übersetzung: pmo

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Massnahmen zur Verkehrsverlagerung

Der Bundesrat will die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene weiter stärken. Das Massnahmenpaket, das unter anderem die Erhöhung sowie Verlängerung der Laufzeit des Zahlungsrahmens für die Förderung des alpenquerenden Schienengüterverkehrs, die Senkung der Trassenpreise sowie die Anpassung der LSVA vorsehen, beurteilt der SEV als zweckmässig. «Entscheidend ist zudem die Intensivierung der Schwerverkehrskontrollen», so Philipp Hadorn. Denn die Erkenntnisse aus bisherigen Kontrollen sind erschreckend, was die Einhaltung von Sicherheitsmassnahmen und Arbeitsbedingungen betrifft. «Im Interesse von Klima, Mensch und Verkehrsfluss gilt es dringend die vorliegenden Beschlüsse des Bundesrats umzusetzen», so Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn. Daneben müssen zwingend und zeitnah ebenfalls Massnahmen für die Verlagerung im Binnenverkehr entwickelt werden.

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