Delegiertenversammlung BAU
DV BAU: «Wir dürfen selbstbewusst sein»
Die 27. Delegiertenversammlung des Unterverbands BAU machte deutlich: Den künftigen Herausforderungen muss der SEV mit einer starken Basis begegnen. Rund 50 Delegierte, Mitglieder und Gäste trafen sich im alten Tramdepot Bern zu Diskussionen über die SBB-Infrastruktur, GAV-Verhandlungen und Mitgliederentwicklung.

Zentralpräsident Jan Weber zieht Bilanz zu den Lohnmassnahmen 2026. Vor allem jüngere Kolleginnen und Kollegen im Aufstieg hätten profitiert, was grundsätzlich positiv sei, auch wenn Mitarbeiter:innen im Maximum eines Lohnbands diesmal leer ausgingen. «Für die nächsten Verhandlungen wird, auch angesichts der steigenden Teuerung, eine generelle Erhöhung für alle wieder ein wichtiges Ziel sein», verdeutlicht er.
Mit Blick auf die kommenden GAV-Verhandlungen mit der SBB warnt Weber vor anspruchsvollen Gesprächen: «Wir sind auf euch angewiesen, um mehr Kraft zu haben und unsere Mobilisierungsfähigkeit auszubauen». Wichtig sei auch die Präsenz an den Standorten. Mit Vertrauenspersonen, die Informationen auflegen oder Aushänge anbringen, könne die Sichtbarkeit mit wenig Aufwand gestärkt werden. «Wenn ihr unterstützen könnt, meldet euch gern bei mir oder dem zuständigen Sektionspräsidenten».
SEV-Präsident Matthias Hartwich doppelt nach und unterstreicht die Bedeutung einer starken Gewerkschaft: «Wir dürfen und müssen selbstbewusst sein», sagt er. Die Kolleginnen und Kollegen im BAU würden das beste Eisenbahnnetz der Welt unterhalten – bei Hitze, Regen und im Tunnel. «Ich danke euch dafür – als SEV-Präsident und als Kunde, der dieses Netz jeden Tag nutzt.» Gleichzeitig stehe die Branche unter Druck: politische Rahmenbedingungen, die Situation im Güterverkehr und die Rolle der Schweiz in Europa blieben herausfordernd. «Doch wenn wir viele sind, haben wir eine starke Stimme und sind damit ein starker Verhandlungspartner!».
Künftig wolle der SEV den Arbeits- und Gesundheitsschutz noch stärker in den Fokus nehmen. «Wer Verantwortung trägt, braucht Schutz, gute Anstellungsbedingungen und anständige Löhne», fordert Matthias Hartwich. 2027 plant der SEV deshalb eine grosse Gesundheitskampagne.
Gemeinsam stark
Gewerkschaftssekretär Michael Buletti informiert über die Verhandlungen rund um den GAV SBB / SBB Cargo, der bis Ende 2028 gilt. Seit über einem Jahr werde punktuell über lohnrelevante Themen und Zulagen verhandelt. Die SBB sei zwar offen für Anpassungen, wolle diese aber nur kostenneutral umsetzen. «Das könnte ein Vorgeschmack auf die kommenden GAV-Verhandlungen sein», so Buletti. Es werde seitens SEV wohl auch Mobilisierungen und Aktionen brauchen.
Positiv fällt seine Bilanz bei den B100-Triebfahrzeugführer:innen bei I-VU aus: Ab Juli 2026 wird der überwiegende Teil von ihnen ins höhere Anforderungsniveau G eingestuft (bisher AN F) – eine langjährige Forderung des SEV konnte endlich umgesetzt werden. Der bisherige Marktausgleich wird abgelöst, das Vorruhestandsmodell Valida bleibt uneingeschränkt bestehen. Für die Übrigen, die die vorgesehenen Kriterien (noch) nicht erfüllen, wird der bisherige Marktausgleich in den Lohn integriert und damit dauerhaft gesichert. «Nach jahrelangen Diskussionen ist das eine gute Lösung», so die Einschätzung des Gewerkschaftssekretärs. (Siehe auch SEV-Zeitung 6/2026).
Philippe Schibli, bisher zuständig für die Mitgliedergewinnung im Unterverband BAU und seit Juni neuer SEV-Gewerkschaftssekretär in der Region Mitte, ehrt die fünf Kollegen, die 2025 am erfolgreichsten neue Mitglieder gewonnen haben. Der Unterverband konnte im letzten Jahr viele Neumitglieder gewinnen. Trotz Austritten entwickelte sich die Mitgliederzahl insgesamt positiv.
Bahninfrastruktur unter Druck
Am Nachmittag spricht Christophe Beuret, Vizedirektor des Bundesamts für Verkehr (BAV) unter anderem über die Herausforderungen der Bahninfrastruktur. Das BAV vereine Aufsicht, Finanzierung und Planung – Rollen, die teils im Widerspruch stünden. Die grösste Herausforderung des BAV liege aber in Bauprojekten unter laufendem Betrieb, was die anwesenden Kolleginnen und Kollegen aus eigener Erfahrung kennen.
«Im Schnitt fährt jede Person in der Schweiz 2466 Bahnkilometer pro Jahr. Dafür muss das Netz laufend unterhalten werden», betont er. Das habe seinen Preis. Angesichts erwarteter Finanzierungslücken brauche es deshalb eine Priorisierung bei den Infrastrukturprojekten. Ziel sei der grösstmögliche Nutzen für die Bevölkerung.
Nachdem der BAV-Vizedirektor auch kritische Fragen beantwortet hat, endet die diesjährige Delegiertenversammlung mit Bekanntgabe des Datums für die DV 2027. Diese wird am Mittwoch, 9. Juni 2027 wiederum im Tramdepot Bern stattfinden.
Chantal Fischer
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