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AUF DEN SPUREN VON ...

Roland Huber, Lokführer bei den Appenzeller Bahnen

Ein Quereinstieg führte Roland Huber zu den Appenzeller Bahnen. Zum SEV brachte ihn ein störrisches Verhalten seines Arbeitgebers. Nach über 33 Jahren als Bähnler und sechs Jahren als Präsident der Sektion Appenzeller Bahnen muss er nun noch eine grosse Herausforderung meistern.

Um 13:33 fährt der rote Niederflurzug der Appenzeller Bahnen in Appenzell ein. Im Führerstand winkt Roland Huber bereits. Seine Schicht, die um 4 Uhr in der Früh begann, ist mit dieser Fahrt zu Ende. Ihm macht das frühe Aufstehen zwar nichts aus, doch der Lokführer fügt hinzu, «man wird nicht jünger, aber ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels.» Damit meint er seine Pension, die in zweieinhalb Jahren bevorsteht. Und diese bevorstehende Pensionierung gibt dem gebürtigen St. Galler noch einiges an Arbeit. Denn als Präsident der Sektion Appenzeller Bahnen sucht er bereits einen Nachfolger, und das sei eine grosse Herausforderung, wie Huber betont. Im Frühjahr 2028 sollte der Nachfolger gefunden sein. Der jetzige Sektionspräsident weiss, einen engagierten Nachfolger zu finden ist schwierig, denn heute möchte kaum mehr jemand eine Arbeit im Vorstand ausüben, ist sich Huber sicher. Doch sein Rückblick auf seine letzten 25 Jahre als Vorstandsmitglied und später als Sektionspräsident erfüllt den Lokführer sichtlich mit Stolz. Er sei massgeblich am heutigen Firmenarbeitsvertrag (FAV) beteiligt, betont er. 2004 begannen die Verhandlungen und Huber ist bis heute das einzige Mitglied der Appenzeller Bahnen seit Anfang in dieser Verhandlungsdelegation. «Wir mussten zwar immer wieder nachbessern, erst grad vor einem Jahr», erklärt der St.Galler. «Den Spardruck spürt man überall. Aber der Vertrag ist für beide Seiten verträglich.»

«So darf es nicht bleiben»

Roland Hubers Engagement hat vor 25 Jahren angefangen. Damals wurde er für einen Kurs angefragt, bei dem es um die Vorbereitung für einen FAV ging. Als er und seinen Kollegen dafür einen Freitag beziehen wollten, verweigerte dies sein Arbeitgeber, die Appenzeller Bahnen. Erst kurzfristig konnten sie dann trotzdem teilnehmen. Der Kursleiter habe sie vor Ort begrüsst und gemeint, es freue ihn besonders, dass dieses Mal auch Kollegen von den Appenzeller Bahnen am Kurs teilnehmen dürfen. Diese Aussage traf Huber mitten ins Herz und er sagte zu sich, «so darf es nicht bleiben.» Das war der Anfang seines langjährigen Engagements für die Gewerkschaft SEV.

Sich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen, das wurde Roland Huber bereits in die Wiege gelegt. Denn bereits sein Vater war Gewerkschafter, und da gab es keine Diskussionen, wenn es um eine Mitgliedschaft ging. «Das gehörte einfach dazu», sagt Roland Huber. «Ich habe positive Erinnerungen an die Gewerkschaft schon als Kind. Zudem habe ich mich immer interessiert, was um mich herum läuft.» Noch heute schätze er die Kameradschaft und beim SEV besonders die Vernetzung. «Man hat mit allen Leuten auf allen Ebenen Kontakt. Es ist interessant zu erfahren, wo bei anderen Bereichen der Schuh drückt.»

Lokführer mit Umwegen

Roland Huber sei kein typischer Eisenbähnler, wie er selbst sagt. Gelernt hat der vierfache Familienvater Elektromonteur und arbeitete nach der Rekrutenschule als Monteur für Steuerungen, danach als Tontechniker, später als Techniker für Einbruchssicherungsanlagen. Nach einigen Jahren wechselt er zu den Appenzeller Bahnen als Betriebstechniker für den Gebäudeunterhalt. So war er näher an seiner Familie, ohne Schichtbetrieb und Pikett. Nun konnte er auch wieder mehr Zeit mit seinen vier Kindern verbringen. «Ich habe vorher zwar besser verdient. Aber was ich an Zeit mit der Familie wieder gewonnen habe, hat unter dem Strich überwogen», betont Roland Huber.

Bei einer späteren Gelegenheit wechselte er zum Fahrzeugunterhalt. Doch das war noch nicht seine letzte Station. «Ich habe im Betriebsreglement gelesen, dass die Lokführer eine höher Lohnstufe erreichen könnten als ich in meiner damaligen Tätigkeit. So habe ich mir Gedanken gemacht und mich entschlossen, die Ausbildung als Lokführer zu absolvieren», erklärt Roland Huber. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete er wieder unregelmässig, was aber auch seine Vorteile hat: «So konnte ich auch unter der Woche mit der Familie etwas unternehmen.»

An seiner Arbeit als Lokführer schätzt Roland Huber vor allem die Verantwortung, das selbstständige Arbeiten, «und man ist ständig unterwegs», erklärt er. Auch schätzt er den Kontakt mit den Menschen. «Ich habe Freude, wenn ich durch die Dörfer fahre und den Anwohnern winken kann.» Der Kontakt mit der Bevölkerung sei ihm sehr wichtig. «Wenn jemand winkt, winke ich zurück. Das ist einfach Pflicht, besonders wenn Kinder winken.»

Die nächsten zweieinhalb Jahre dürfen sich die Anwohner über den winkenden Sektionspräsidenten im roten Zug der Appenzeller Bahnen noch freuen. Danach geht er in seinen wohlverdienten Ruhestand. Aber in der Pension, das weiss er jetzt schon, wird er sein Pensum als Opa aufstocken müssen. «Langweilig wird es mir sicher nicht», betont Roland Huber und freut sich bereits auf die Zeit mit seinen Enkelkindern.

Renato Barnetta