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SBB Cargo

Camionneure steigen ein

Bahn und Strassentransporteure arbeiten beim kombinierten Verkehr schon längst Hand in Hand.

Strassentransporteure haben 35 Prozent der Aktien von SBB Cargo übernommen. «Dies ist der logische Versuch, den Schienengüterverkehr gemeinsam auf Erfolgskurs zu bringen, nachdem die Bahn allein auf keinen grünen Zweig kam», erklärt SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn im Interview.

Nachdem die Wettbewerbskommission (Weko) Anfang April grünes Licht gab für den Einstieg der Swiss Combi AG – bestehend aus den Logistikdienstleistern Planzer Holding AG (40%), Camion Transport AG (40%), Bertschi AG (10%) und Galliker Holding AG (10%) – bei der SBB Cargo AG, sind nun von deren Aktien 35% in der Hand von Swiss Combi. Die Vertragsunterzeichnung fand am 21. April anlässlich der Aktionärsversammlung von SBB Cargo statt. Mehrheitsaktionärin bleibt die SBB AG mit einem Anteil von 65%.

Zudem wählte die Cargo-Generalversammlung Eric Grob als neuen externen, unabhängigen Verwaltungsratspräsidenten von SBB Cargo. Er folgt auf Andreas Meyer, ehemaliger CEO der SBB. Eric Grob gehört dem Verwaltungsrat von SBB Cargo seit dem vierten Quartal 2019 an. Zuvor hatte er zwischen 2008 und 2016 als Partner beim Beratungsunternehmen McKinsey SBB Cargo im Rahmen mehrerer Projekte beraten. Weiter hat er diverse Mandate für andere Bahn- und Logistikunternehmen im europäischen Ausland geleitet. Dem Verwaltungsrat gehören vier weitere Mitglieder an: SBB-CFO Christoph Hammer (bisher), Nicolas Perrin (neu), CEO von SBB Cargo bis Ende Februar 2020, sowie als Vertreter der Swiss Combi AG Nils Planzer und Josef Jäger.

Fragen an Philipp Hadorn

SEV-Zeitung: Was bedeutet der Einstieg der Camionneure und die Ernennung eines externen VR-Präsidenten für das Unternehmen SBB Cargo?

Philipp Hadron

Philipp Hadorn: Diese Neukonzeption von SBB Cargo ist die logische Folge nach der gescheiterten Prägung durch den ehemaligen VR-Präsidenten Andreas Meyer in den vergangenen Jahren. In der Konkurrenz zwischen den Bedürfnissen der verschiedenen SBB-Divisionen konnte sich SBB Cargo nicht wirklich entwickeln. Mit dem Eintritt der Camionneure werden die Logistik-Interessen im Mittelpunkt stehen. Allerdings muss die neue Führungscrew nun den Tatbeweis erbringen, dass sie dem Güterverkehr auf der Schiene zu neuem Schub und Wachstum verhelfen kann, was aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen überfällig ist.

Was sind für SBB Cargo mittelfristig die grössten Herausforderungen?

Auch bei SBB Cargo hat «Corona» vieles durcheinandergeworfen. Konkret gilt es die langjährige defensive Rückzugspolitik zu beenden und die Unternehmung endlich auf Wachstumskurs zu bringen. Dafür braucht es zwingend Investitionen: nicht nur in (Roll-)Material, sondern vor allem auch ins Personal mit den laufenden Aus- und Weiterbildungsanstrengungen, aber auch mit Attraktivitätssteigerungen bei den Arbeitsbedingungen. Sonst zeichnet sich ein ernsthaftes Personalproblem ab angesichts der Altersstruktur und der Krux erforderlicher Nachtarbeit.

Was ändert mit dieser Teilprivatisierung für das Personal?

Für die Mitarbeitenden sollte zeitnah erkennbar werden, dass die Unternehmung neu zu blühen beginnt. Konkret soll der Beitrag der Partner in der Logistikkette zu grösseren Transportvolumen, neuen Produkten und so auch zu höherer Arbeitsplatzsicherheit führen.

Was sind aus Arbeitnehmersicht die grössten Herausforderungen?

Bisherige und aktuell laufende Reorganisationen haben vielen Mitarbeitenden seit Jahren vor allem Unruhe und Unsicherheit gebracht. Jetzt gilt es bestimmte Veränderungsprozesse mit Weiterbildung zu einem guten Ende zu führen. Die neue Leitung muss beweisen, dass sie vertrauenswürdig ist, zu den bestehenden Mitarbeitenden steht und die Arbeitsbedingungen längerfristig sozialpartnerschaftlich gestaltet – innerhalb gleichlautender GAV für SBB und SBB Cargo.

Markus Fischer

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