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Wagenladungsverkehr

SBB-Cargo muss Abbau stoppen und Sozialpartner konsultieren

SBB Cargo will schon dieses Jahr 140 weitere Bedienpunkte des Wagenladungsverkehrs (WLV) «überprüfen» – statt erst bis 2023, wie im Frühjahr 2018 angekündigt. Damit verletzt die Cargo-Spitze Zusagen an die Sozialpartner. Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn erklärt, was der SEV nun von SBB Cargo erwartet.

Falls Bedienpunkte überstürzt geschlossen werden, ist die Gefahr gross, dass Mitarbeitende unter die Räder kommen.

SEV-Zeitung: Warum verletzt SBB Cargo mit der Überprüfung von weiteren 140 Bedienpunkten des Wagenladungsverkehrs (WLV) die Sozialpartnerschaft?

Philipp Hadorn: SBB Cargo hat dem Personal am 19. Februar 2019 in einem Newsletter mitgeteilt, dass die bis 2023 vorgesehene Phase 2 der Überprüfung der Bedienpunkte vorgezogen und per Dezember 2020 umgesetzt werde. Wir Sozialpartner aber wurden erst zwei Tage später im Rahmen eines ordentlichen Begleitausschusses informiert. Dort hielt ich seitens SEV klar fest, dass im Konsultationsverfahren, das im Frühjahr 2018 zur «Weiterentwicklung» von SBB Cargo stattfand, diese Phase 2 noch nicht enthalten war. Damals bezeichnete SBB Cargo in ihrer Präsentation vom 26. Januar 2018 die «weitere Fokussierung des Bedienrasters», mit der «bis 2023 insgesamt die Hälfte der Bedienpunkte überprüft» werden solle, ausdrücklich als «zusätzliche Massnahme, die nicht Bestandteil des Leitfadenverfahrens» sei. Das damalige Verfahren betraf also nur die Phase 1 des Projektes, d. h. die Überprüfung von 35 Bedienpunkten im Berner Oberland und im Jura. Vor der Lancierung der Phase 2 hätte SBB Cargo gemäss der Leitfaden-Vereinbarung, die sie mit uns Gewerkschaften ergänzend zum GAV abgeschlossen hat, ein weiteres Konsultationsverfahren durchführen müssen. Indem SBB Cargo das unterliess, hat sie die Leitfaden-Vereinbarung gravierend verletzt – und damit die Sozialpartnerschaft.

Was fordert der SEV nun?

SBB Cargo muss sämtliche Massnahmen der Projektphase 2 sistieren und mit uns Gewerkschaften ein ordentliches Leitfadenverfahren durchführen. Dazu gehört auch eine gemeinsame Bilanzierung der bisherigen Bedienpunkte-Überprüfung.

Würde die Verkürzung der Phase 2 bewirken, dass Mitarbeitende rascher ihre Stelle verlieren und dass für sie mangels Zeit keine gute Lösungen gefunden würden?

Der SEV wird auf jeden Fall für gute Lösungen fürs Personal kämpfen. Zuerst aber kämpfen wir dafür, dass es gar nicht so weit kommt, dass Bedienpunkte des WLV nur noch unregelmässig oder nicht mehr bedient werden. Weder Knowhow noch Infrastruktur dürfen jetzt «zurückgebaut» werden. Eine zukunftsträchtige Strategie soll wieder zu neuen Kunden führen, und dann werden wohl viele Bedienpunkte wieder gebraucht.  

Fragen: Markus Fischer

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