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Stellenabbau in SBB-Depots

Einigung SBB–BLS im Fernverkehr: Das Lokpersonal ist besorgt

Lokführer gegeneinander ausspielen? Dieses Spiel macht der SEV nicht mit.

Die Einigung von SBB und BLS hinsichtlich der Fernverkehrskonzession bereitet dem Lokpersonal in Biel und Neuenburg Sorgen, vor allem, was den Abbau von je 11 Stellen in ihren Depots betrifft. Auch in Olten werden 11 Stellen gestrichen, sowie in Bern und La Chaux-de-Fonds je 5 – also 43 Stellen insgesamt.

Für die Betroffenen bringt dies Veränderungen, ja möglicherweise einen Dienstortwechsel. «Die Besorgnis in den Depots ist verständlich», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni, der für die betroffenen LPV-Sektionen zuständig ist. «Die Linienübernahmen durch die BLS führen übrigens auch zu Veränderungen für das Zug-, Reinigungs- und Verkaufspersonal. Die SBB ist verpflichtet, den Betroffenen eine annehmbare andere Stelle anzubieten. Der SEV kann die betroffenen Kolleg/innen dabei unterstützen, einen Forderungskatalog aufzustellen, falls sie dies wünschen. Wir verfolgen diese Angelegenheit sehr aufmerksam und verlangen von der SBB zusätzliche Informationen. Ein Treffen ist Anfang Oktober geplant.»

Trotz der Besorgnis über die jetzige Situation ist sich das Lokpersonal bewusst, dass eine eigentliche Aufteilung der Fernverkehrskonzession mittelfristig schmerzlichere Auswirkungen hätte, falls z.B. die SNCF oder die Deutsche Bahn die Linien übernehmen würde. «Diese Einigung ist insofern eine gute Sache, weil sie in den nächsten zehn Jahren eine komplette Öffnung des Fernverkehrs für den Wettbewerb verhindert, was für das Personal verhängnisvoll wäre», sagen die Lokführer Sélim Taboubi und Patrick Humair. «Doch die aktuelle Situation zeigt, dass es auch ohne einen solchen totalen Wettbewerb schon einen Wettbewerb zwischen Schweizer Bahnen gibt, der für das Personal negative Folgen hat. Müssten wir deshalb nicht auf jeder Ebene – auch auf nationaler – den Wettbewerb bekämpfen, wenn dieser für das Personal zu Verunsicherung und schlechteren Arbeitsbedingungen führt? Diesen wilden Wettbewerb, der uns dazu treibt, Kollegen niederzutrampeln, um selbst zu überleben.»

«Das sehen wir im SEV schon seit vielen Jahren so», sagt Daniela Lehmann, Koordinatorin Verkehrspolitik beim SEV. «Deshalb haben wir uns gegen den Wettbewerb im Regionalverkehr immer ebenso gewehrt wie beim Fernverkehr.»

In den Regionen arbeiten SBB und KTU oft zusammen. Wenn sich die SBB zurückzieht, kann davon eine KTU profitieren, deren Personal auch einen guten GAV hat. «Doch es besteht das Risiko, dass Mitarbeitende von Unternehmen gegeneinander ausgespielt werden», sagt Jürg Hurni. «Dieses Spiel machen wir nicht mit. Unser Hauptziel sind sichere Arbeitsplätze und gute Arbeitsbedingungen. Der SEV steht den Mitarbeitenden zur Seite.»

Vivian Bologna/Übersetzung: Markus Fischer

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