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Projekt «Berufsbilder Operating» beim Personenverkehr SBB

Grosse Unzufriedenheit und Demotivation

Der SBB-Bereich P-Operating will auf Ende Jahr in den Berufsfeldern Kaizen, Instandhaltung, Reinigung, Rangier, Fahrzeugindustrie und Logistik neue Berufsbilder einführen. Der SEV und die Personalkommission fordern Korrekturen, doch P-OP setzt bisher einfach um.

Im Berufsfeld der Instandhaltung wirft die Abgrenzung der Technikerlevels 1 bis 4 viele Fragen auf.

HR hat sich bis heute geweigert, dem SEV die Stellenbeschriebe zuzustellen, doch kommt dieser natürlich inzwischen über die Mitglieder dazu. Was SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni darin zu sehen bekommt, wirft viele Fragen auf.

Chef darf alles befehlen

Insbesondere findet man in den meisten eine Lizenz für Sonderaufgaben, die so lautet: «Erledigt (Spezial-)Aufgaben im Auftrag des Linienvorgesetzten mit Sachverantwortung.» Jürg Hurni warnt: «So kann man alle für anspruchsvollere Aufgaben einsetzen, ohne ihnen ein höheres Anforderungsniveau zu geben.»

Manchmal wird der neue Stellenbeschrieb aber nicht abgegeben, und der bisherige häufig auch nicht. «Das ist völlig intransparent», moniert Jürg Hurni, «denn so bleibt unklar, was an den Aufgaben konkret ändert und warum das Anforderungsniveau sinkt.»

Deshalb fordern SEV und Peko die Mitarbeitenden auf, von den Vorgesetzten zu verlangen, dass sie ihnen beide Stellenbeschriebe aushändigen und ihnen aufzeigen, was in den entsprechenden Anforderungen geändert hat. Diese elementaren Informationen hat die SBB an der Sitzung des Begleitausschusses vom 3. August zugesichert.

Schlechte Information und Druckversuche

Der Besuch der Infoveranstaltungen, mit denen der Bereich Zugbereitstelllung (ZBS) am 7. August begann, war fakultativ, und sie fielen in die Ferienzeit, sodass viele Mitarbeitende gar nicht daran teilnehmen konnten. Die Peko Fläche ZBS führte Ende August im Raum Zürich, in Basel und Luzern ihrerseits Infoveranstaltungen durch, wo auch der SEV eingeladen war. Dort sagten viele Teilnehmende, sie hätten vom Projekt noch keine Ahnung.

Weiter berichteten die Teilnehmenden, dass ihre Teamleiter/innen bei den Einzelgesprächen viele Fragen nicht beantworten konnten. Und viele Mitarbeitende – aber auch Teamleiter/innen – wurden von den Vorgesetzten unter Druck gesetzt, sie müssten den Stellenbeschrieb sofort unterschreiben, sonst riskierten sie ihre Stelle. Oder wenn sie Aufgaben ablehnten, sei dies Arbeitsverweigerung, die zu arbeitsrechtlichen Schritten führe. Dabei hatte die SBB den Sozialpartnern im Begleitausschuss versichert, dass durch dieses Projekt niemand die Stelle verliert, dass die Frist für die Unterschrift der 30. September ist und dass alle das Recht haben, ihre neue Funktion anzufechten. Die SBB kann diese dann verfügen. Und gegen die Verfügung kann vor Bundesverwaltungsgericht geklagt werden, wobei SEV-Mitglieder über ein Rechtsschutzgesuch von der Gewerkschaft unterstützt werden. Beim SEV sind bereits viele Gesuche eingegangen, obwohl noch keine Verfügungen vorliegen.

Interne Ausbildungen und Erfahrung nicht berücksichtigt

Der SEV bekam auch zu hören, dass bei den Funktionszuweisungen langjährige Berufserfahrungen und interne Ausbildungen schlicht ignoriert wurden. Letztere scheinen in den Personaldossiers oft nicht dokumentiert zu sein. Gewichtet wurde vielfach einzig die ursprüngliche Grundausbildung, also das Eidgenössische Berufsattest, der Eidgenössische Fähigkeitsausweis oder eine andere landesweit anerkannte Ausbildung.

«So wurden Kollegen ins Level 1 oder 2 des Instandhaltungstechnikers eingeordnet, obwohl sie aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit in Werkstätten und Serviceanlagen der SBB sicher eine höhere Einreihung verdient hätten», berichtet Jürg Hurni. «Dies empfanden sie zurecht als willkürlich und respektlos. Auch hier gilt es, sich von den Vorgesetzten aufzeigen zu lassen, welche Ausbildungen und Qualifikationen berücksichtigt wurden.»

Oberflächliche Berufsbilder

«Offensichtlich ist unklar, wie die Levels genau abgegrenzt sind», sagt Christoph Geissbühler, Mitglied der Peko Fläche ZBS. «Jeder Standort muss nun schauen, wie er sie bei sich umsetzt, und tut dies auf seine Weise, was der beabsichtigten Standardisierung zuwiderläuft. Ins Level 4 wurden nur wenige Mitarbeiter eingereiht, da man auch deren Aufgaben zuerst noch definieren muss. Ursprung des Übels ist, dass HR nicht gut genug analysiert hat, welche Funktionen und Kompetenzen vor Ort gebraucht werden.»

HR scheint auch nicht mit dem Ausbildungsverbund Login gesprochen zu haben. Von dort kamen überraschte Reaktionen, weil die Berufserfahrung, welche die Login-Lernenden in den Bahnwerkstätten erwerben, nichts wert sein soll.

Vor allem ein Sparprojekt?

«Aufgrund der Art, wie das Projekt angegangen wurde, haben wir den Eindruck, dass dieses nicht wie behauptet in erster Linie auf eine Anpassung der Personalkompetenzen an die gestiegenen Anforderungen abzielt, sondern vor allem auf die Einsparung von Personalkosten», sagt SEV-Vizepräsident Manuel Avallone. «Darum wurden beim Instandhaltungstechniker Level 1 die Anforderungen bewusst tief gehalten und möglichst viele Mitarbeitende hier eingereiht.»

Ins Kapitel Sparen und Kleinlichkeit gehört auch die Weigerung der SBB, die Teilnahme an den Infoveranstaltungen der Peko Fläche ZBS als Arbeitszeit anzurechnen.

Der SEV wird auch noch genau prüfen, ob einige Mitarbeitende durch die neuen Berufsbilder die Möglichkeit verlieren, sich nach dem Modell «Valida» vorzeitig pensionieren zu lassen. Dies könnten gewisse Aufgabenänderungen und die 727 Höhereinreihungen bewirken.

Letztere führen übrigens nicht automatisch zu einer Lohnerhöhung auf Anfang 2018, weil die Anforderungsniveaus sehr breite Lohnbänder haben.

Wie weiter?

Manuel Avallone hofft, dass die SBB doch noch den Mut findet, die geforderte Transparenz herzustellen und auch Korrekturen vorzunehmen.

Markus Fischer

Infoanlässe der Peko Fläche ZBS mit SEV-Präsenz:
Nach den Regionen Zürich, Basel und Luzern sollen wenn möglich auch noch Genf und das Tessin abgedeckt werden.

Kontaktpersonen:
, Zentralsekretariat SEV;
, Mitglied Peko Fläche ZBS und Vizezentralpräsident TS

Projektleitung bisher stur

In die Erarbeitung der Berufsbilder wurde die Personalkommission (Peko) im Herbst 2016 miteinbezogen, doch ihre Inputs blieben unberücksichtigt. Überhaupt nicht mehr mitreden konnte die Peko bei der folgenden Umsetzung: Im Frühling 2017 verfasste HR die Stellenbeschriebe, legte deren Anforderungsniveaus (AN) fest und teilte zuerst die Teamleiter/innen und danach die Mitarbeitenden den Stellenbeschrieben bzw. Funktionen zu. Im Begleitausschuss kritisierte der SEV im Juli 2017 vor allem

  • die fehlende Klarheit und Realitätsnähe mancher Berufsbilder, beispielsweise was die Abgrenzung der neuen vier Levels der Instandhaltungstechniker betrifft;
  • die fehlende Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Einreihung der Funktionen wie auch der Zuteilung der Funktionen an die Mitarbeitenden;
  • die Rückstufung von 227 der 2774 betroffenen Mitarbeitenden, weil der Verdacht nahe liegt, dass die Anforderungen an sie gar nicht sinken.

Unbeeindruckt von der Kritik von SEV und Peko begann der Bereich Zugbereitstellung (ZBS) am 7. August mit Infoveranstaltungen und dann mit den Einzelgesprächen.

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