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BLS Cargo muss auf Mitarbeiter aus Domodossola zurückgreifen

Verstärkung aus Italien

Seit einigen Monaten werden die BLS-Rangierer im Tessin durch italienische Kollegen aus Domodossola verstärkt. Der SEV verfolgt die Angelegenheit sehr genau.

Auf Schweizer Schienen müssen Schweizer Löhne gelten.

Seit Längerem klagen Kollegen von BLS Cargo, die im Tessin Güterzüge rangieren und vorbereiten, über viele rückständige Freitage. BLS Cargo versprach eine Normalisierung bis Ende 2015 und zog zu diesem Zweck in den letzten Monaten Angestellte ihrer italienischen Tochter, die in Domo II arbeiten, für Nachtschichten beim Rangierteam in Castione bei.

Korrekt gemeldet

Der SEV ging der Sache nach und erfuhr von den kantonalen Kontrollbehörden, dass sie über den Einsatz der italienischen Kollegen mit einer Meldung für entsandtes Personal informiert wurden. Die Meldung wurde mit korrekten Angaben zu den Modalitäten des Einsatzes in der Schweiz und zu den italienischen Anstellungsbedingungen weitergeleitet. Sie erlaubt einen Einsatz von maximal 90 Tagen im Jahr. Bisher haben die kantonalen Behörden also nichts daran auszusetzen gehabt, auch wenn noch ein paar Abklärungen laufen.

Verlängerung nicht bewilligt

Die 90 Tage scheinen nicht zu genügen, denn BLS Cargo hat eine Verlängerung des Einsatzes italienischer Mitarbeiter beantragt. Doch die tripartite Kontrollkommission hat das Gesuch abgelehnt und BLS Cargo aufgefordert, den GAV BLS einzuhalten. Der SEV steht voll hinter dieser Haltung, denn sie bekräftigt das Prinzip, dass für Arbeit auf Schweizer Schienen (und darum herum) Schweizer Löhne bezahlt werden müssen.

Fragwürdige Arbeitszeiten

Neben den Zweifeln, ob italienische Anstellungsbedingungen in der Schweiz opportun sind, geben auch die Arbeitszeiten der italienischen Kollegen zu denken. Ihre Rotation Nachmittagsschicht – Morgenschicht – Nachtschicht, wie sie in Italien gängig ist, bedeutet, dass sie nach zwei Schichten innerhalb von 24 Stunden und einer nachmittäglichen Ruheschicht mit dem Dienstauto nach Castione fahren, ihre Nachtschicht leisten und gegen 3 Uhr früh wieder hinters Steuer sitzen, um nach Domodossola zurückzufahren. Eine Grauzone in den Arbeitszeitvorschriften scheint für solche Dienstpläne einen Spalt offen zu lassen, aber ob dies vernünftig ist, ist eine andere Frage.

Pietro Gianolli / Fi

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