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Euroschwäche im Fokus

BLS-GAV-Verhandlungen verlängert

Aufgrund der Frankenstärke will die BLS im Personalbereich vorübergehende Massnahmen aushandeln. Deshalb, und weil sich die im Februar begonnenen GAV-Verhandlungen als sehr zäh erwiesen haben, wollen sich BLS und Gewerkschaften für die GAV-Erneuerung ein Jahr mehr Zeit lassen.

Rund 150 Personen nahmen am 26. Mai an der Personalversammlung in Bern teil, organisiert von den Gewerkschaften SEV, Transfair und VSLF zum Thema der BLS-Forderungen wegen dem starken Franken.

Die Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015 zeitigt Auswirkungen auf die BLS. Diese betreffen nicht nur die im Euroraum tätige BLS Cargo, sondern das Gesamtunternehmen, wie die BLS am 11. Mai bei einer Aussprache mit dem SEV betonte.

BLS wünscht Massnahmen wegen des starken Frankens

Aufgrund dieser aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind die Sozialpartner – die BLS und die Verhandlungsgemeinschaft (VG) der Gewerkschaften SEV, Transfair und VSLF – übereingekommen, in erster Priorität in einer separaten Vereinbarung kurzfristige Massnahmen zur Abfederung der Auswirkungen der Euroschwäche festzulegen.
Erste Gespräche über eine solche Vereinbarung fanden am 20. Mai statt. Die BLS zeigte der VG auf, warum sie solche Massnahmen wünscht und wie sie sich diese vorstellt. Eine weitere Verhandlungsrunde mit der BLS ist am 19. Juni geplant.

Neuer GAV erst per 1. Januar 2017

Hinzu kommt, dass sich bei den im Februar aufgenommenen Verhandlungen zur Weiterentwicklung des GAV der BLS rasch abgezeichnet hat, dass die zu verhandelnden Themenbereiche komplex sind – besonders das neue Lohnsystem, das die BLS 2016 einführen wollte. Ein Abschluss bis 30. Juni 2015 wurde zunehmend unwahrscheinlich. «Die BLS hat das Fuder etwas überladen», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Michael Buletti, der für die BLS zuständig ist.
Deshalb haben die Verhandlungspartner am 11. Mai beschlossen, sich ein Jahr mehr Zeit zu geben. Der GAV soll neu im Juni 2016 zur Unterschrift vorliegen und per 1. Januar 2017 umgesetzt werden. Weil das Lohnsystem Teil der GAV-Verhandlungen ist, ist seine allfällige Einführung nun ebenfalls ein Jahr später, im April 2017, geplant.
Der Neustart der GAV-Verhandlungen ist im zweiten Halbjahr 2015 vorgesehen. Als Auftakt dazu ist ein gemeinsamer Workshop geplant, wo die Anliegen und Positionen gegenseitig nochmals verdeutlicht werden sollen.

Besorgnis, Ratlosigkeit und Skepsis

Der SEV organisierte am 25. Mai in Bellinzona und am 26. Mai in Bern (siehe Box) Personalversammlungen für alle Mitarbeitenden der BLS, inklusive BLS Cargo, die dem GAV unterstehen, um mit ihnen über die Beweggründe und Forderungen der BLS wegen dem starken Franken zu diskutieren, ihre Meinungen und Bedürfnisse abzuholen und sich von ihnen ein Verhandlungsmandat geben zu lassen.
In Bellinzona wurde die Situation von SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger und dem neuen Gewerkschaftssekretär Toni Feuz beleuchtet, unterstützt von den beiden Regionalsekretären Angelo Stroppini und Pietro Gianolli. Das Gehörte stiess bei den Anwesenden verständlicherweise nicht auf grosse Begeisterung, um die Stimmung sehr beschönigend auszudrücken.
«Die gleichen Überlegungen haben wir schon gehört, als der Eurokurs von 1.50 auf 1.20 fiel. Damals sagte uns die BLS-Führung, dass alles Notwendige unternommen werde, um die jetzt geforderten Massnahmen zu vermeiden», rief ein Kollege in Erinnerung. Die Rechtfertigung mit der weiteren Senkung des Eurokurses vermochte nicht zu überzeugen: «Ein wichtiger Kostenfaktor ist der Trassenpreis, und dieser ist in Franken festgelegt und muss auch von den Konkurrenten aus dem Euroraum bezahlt werden», sekundierte ein anderer. Weitere Erläuterungen der unklaren Situation sind gefragt. Dennoch wollte niemand kategorisch ausschliessen, dass weitere Anstrengungen zugunsten der Unternehmung gemacht werden. Ein Lokführer bemerkte, dass die schon getroffenen Massnahmen sich bereits negativ auf die Attraktivität des Berufs auswirken – und dies in einem Moment, wo die BLS unter Personalmangel leidet.
Die Anstrengungen können deshalb nicht allein von den an der Front in Touren Arbeitenden getragen werden. Verschlechterungen der Zulagen oder der Zeitgutschriften müssten ausgeschlossen werden. Die Versammelten wandten sich auch gegen Lohnkürzungen, da diese kaum mehr rückgängig zu machen wären. Es bleibt also nur die Möglichkeit – wenn einmal die tatsächlichen Bedürfnisse klar sind –, über die Arbeitszeit zu diskutieren. Eine angemessene Beteiligung des Kaders ist aber nötig. Damit war das Mandat für die Verhandlungsdelegation des SEV klar.

Information der Verhandlungsgemeinschaft BLS vom 27. Mai 2015

Vollversammlung des Personals der BLS AG sowie der BLS Cargo AG


Rund 150 BLS-Mitarbeitende sind am Dienstagabend, 26. Mai, der Einladung von SEV, transfair und VSLF ins Hotel Kreuz in Bern gefolgt. Das von der Geschäftsleitung der BLS AG angedachte Massnahmenpaket zur Abfederung der Einkommensverluste durch die Euroschwäche führte dazu, dass die Verhandlungsgemeinschaft (VG) umgehend mit ihren Mitgliedern in den Dialog treten musste. 
 

Die anwesenden BLS-Angestellten äusserten sich zum Teil heftig über die von der Geschäftsleitung der BLS vorgebrachten Beweggründe sowie die vorgeschlagenen Massnahmen. Der Missmut, neben dem bereits laufenden Sparprogramm Gipfelsturm noch weitere Sparmassnahmen zu tragen und das fehlende Vertrauen in die Geschäftsleitung kamen in den Voten sehr deutlich zur Geltung.  

Letztlich wurde in einer Konsultativabstimmung der Verhandlungsdelegation nur unter folgenden Bedingungen ein Verhandlungsmandat erteilt: 

  • kündbare und befristete Vereinbarung;

  • Löhne sind tabu;

  • absolute Transparenz und die zwingende Notwendigkeit solcher Massnahmen muss zweifellos nachgewiesen sein;

  • Das hohe Kader inklusive Verwaltungsrat geht mit einer substanziellen Lohnverzichtsmassnahme (nicht Boni!) mit gutem Beispiel voran.

Die weiteren von der VG als zwingend erachteten Rahmenbedingungen wie der absolute Kündigungsschutz aus wirtschaftlichen Gründen während der Laufzeit, die periodischen Überprüfungen des Nutzens der gegebenenfalls getroffenen Massnahmen sowie abgeleitet davon deren Notwendigkeit, müssen in die Vereinbarung aufgenommen werden. Zudem muss eine allfällige Vereinbarung zwingend auch von der BLS Cargo AG unterschrieben werden. Dass rund ein Viertel der Teilnehmenden jegliches Personalopfer ablehnten, zeigt, wie gross das Misstrauen gegenüber der BLS-Führung nach den unablässigen Spar- und Restrukturierungsrunden der letzten Jahre heute ist. 

Die Verhandlungsdelegation, vertreten durch die Delegationsleiterin Barbara Spalinger SEV, Michael Buletti SEV, Andreas Dellenbach VSLF und Bruno Zeller transfair dankt den Mitarbeitenden der BLS für ihr zahlreiches Erscheinen. Die wertvollen Eingaben und Anmerkungen aus den diversen Voten werden in den weiteren Verhandlungsverlauf einfliessen.

Auskünfte:

Barbara Spalinger, Leiterin Verhandlungsgemeinschaft 079 642 82 64

Michael Buletti, Gewerkschaftssekretär SEV 079 345 40 05

Andreas Dellenbach, Vizepräsident VSLF-Sektion BLS 078 833 55 21

Bruno Zeller, Branchenleiter öffentlicher Verkehr transfair  079 884 13 16

Kommentare

  • Markus Wenger

    Markus Wenger 27/05/2015 12:43:54

    Anstatt die Löhne und Zulagen zu reduzieren, wäre es angebracht, in einem 9-Stunden-Dienst zweimal Spiez-DOMO zu fahren und produtiv zu sein, als auf Züge und Manövristen zu warten. Es ist noch Optimierungspotential vorhanden! Bin gerne bereit zu helfen!

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