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GAV-Konferenz SBB/SBB Cargo

Die SBB muss zum Kerngeschäft zurückkehren!

Am 7. November fand die GAV-Konferenz SBB/SBB Cargo in Bern statt. Sie verlangt ein Moratorium für die betriebsstörenden Reorganisationen, mehr Personal und ein echtes Zuhören der Geschäftsleitung. Zudem hat sie den Rahmen für die künftigen Verhandlungen zum Lohnsystem geschaffen und das Management von Cargo scharf kritisiert.

Vor der Abstimmung über die Resolution haben SEV-Präsident Giorgio Tuti und die für die SBB-Dossiers zuständige Vizepräsidentin Barbara Spalinger einen genauen Blick auf die Funktionsweise des Unternehmens geworfen. «Man sieht gut, dass die Situation bei der SBB seit August und dem tragischen Tod unseres Kundenbegleiter-Kollegen völlig anders ist. Vor dieser Tragödie, als wir wegen der Verschlechterungen der Leistungen, als Folge des Personalmangels und der ständigen Reorganisationen, die Alarmglocken schlugen, hat man uns geantwortet: ‹Das ist auf den Anstieg des Verkehrs zurückzuführen. Ihr müsst uns verstehen.› Aber Verständnis ist nun nicht mehr angebracht. Es ist nicht akzeptabel, dass man bei der Arbeit sein Leben verliert.» Giorgio Tuti betonte die beispielhafte Solidarität, welche die Kolleg/innen am 9.August zum Gedenken an Bruno R. gezeigt haben.

Während die SBB zwei Wochen lang in ihrer katastrophalen Kommunikation gefangen war, «konnten wir uns seriös positionieren und Vorschläge machen, um den Betrieb der SBB zu verbessern», analysierte Giorgio Tuti. «Die SBB muss sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren: Qualität und Sicherheit bei den Leistungen, gute Arbeitsbedingungen und Löhne für die Mitarbeitenden und angemessene Preise. Darum geht es beim Service public.» Um das zu erreichen, muss die SBB ihre Reorganisationen stoppen, welche den Bahnbetrieb stören; sie muss genügend Personal einstellen und die interne Kommunikation verbessern – sprich: authentisch kommunzieren. Die Delegierten verlangen auch, dass ihr Arbeitgeber zuhört. Dies soll aber keine Alibi-Übung sein: Die SBB muss auch berücksichtigen, was das Personal zu sagen hat. «Wenn die SBB die Bahn wirklich im Griff haben will, ist ein Kulturwandel unerlässlich», betonte Giorgio Tuti. Er wies darauf hin, dass die SBB schon längst hätte wissen können, dass in den nächsten 4 bis 6 Jahren eine Pensionierungswelle auf sie zukommt. Etwa 10000 Mitarbeitende müssen dabei ersetzt werden. «Die SBB steht hier vor einer Herausforderung, die vorhersehbar war.»

Barbara Spalinger verwies ihrerseits auf die jüngsten Diskussionen, «wo wir Powerpoint-Präsentationen erhielten. Aber am Ende habe ich den Eindruck, dass das Management sein Unternehmen nicht kennt. Ich habe dort noch nie gearbeitet und es scheint mir, dass ich mich besser auskenne als einige Kader, dank der Informationen, die ihr uns gebt.» Sie fügte eine Anekdote an, die manchen schmunzeln lässt, aber eigentlich nicht lustig ist. «Ich wollte die genaue Liste der aktuellen Reorganisationen beim Personenverkehr erhalten. Ich habe sie noch immer nicht bekommen…»

Die Vizepräsidentin nutzte auch die Gelegenheit, Manual Avallone zu danken. «Er hat mehrere GAV verhandelt. Die letzte Verhandlung dauerte 9 statt 6 Monate. Sie war anspruchsvoll. Er hat es geschafft. Er ist eingetaucht. In ein paar Monaten hat er vielleicht wieder Lust, ins Ambiente der SBB einzutauchen.» Deshalb erhielt Avallone eine Flasche «Dicke Luft von der Hilfikerstrasse». Die Delegierten gaben ihm eine wohlverdiente Standing Ovation.

Vivian Bologna / Übersetzung: ela

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Tiefe Verunsicherung bei SBB Cargo

Kritisch ist auch die Situation bei Cargo. Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn erinnerte daran, dass Cargo 1999 noch 4000 Mitarbeitende beschäftige, 2003 noch 3000 – und das Ziel des Unternehmens sei es, die Belegschaft bis 2023 weiter auf 1450 Mitarbeitende zu reduzieren. «Cargo kann nicht so weitermachen, während der Markt für Güterverkehr wächst. Cargo verliert Kunden, weil die Dienstleistungen als ungenügend angesehen werden. Es ist daher mehr als notwendig, die permanenten Reorganisationen zu stoppen, die nichts Nachhaltiges gebracht haben, ausser tiefer Verunsicherung.» Mit der Beteiligung von vier Aktionären aus der Privatwirtschaft könnte die Sozialpartnerschaft komplizierter werden. Aber die Forderungen des SEV sind klar. «Der GAV Cargo darf sich nicht verschlechtern. Und es gibt keinen Grund, den GAV Cargo vom GAV SBB zu trennen. Die Mitarbeitenden stehen unter Druck, ihre Fähigkeiten werden nicht geschätzt und sie wissen nicht, wie ihre Zukunft aussieht. Der Widerstand der Cargo-Mitarbeitenden wird notwendig sein – mit der Unterstützung von Kolleg/innen aus anderen Bereichen», so Hadorn weiter.

Barbara Spalinger wies ihrerseits darauf hin, dass bei Cargo seit bald 20 Jahren eine Reorganisation die andere jagt, offensichtlich ohne Erfolg. «Wir werden daher nicht nur genau hinschauen, wenn man die Stellen erfahrener Kollegen abbaut, sondern auch deutlich äussern, was wir davon halten».Schliesslich betonte Giorgio Tuti, dass es die Mitarbeitenden sind, die das Unternehmen erfolgreich machen und nicht umgekehrt. Ob bei Cargo oder der SBB.

Mehr Lohn

Patrick Kummer, zuständig für die SBB- Konzernbereiche und Immobilien sowie Mitglied des Lohnteams, präsentierte den Stand der Diskussionen zur Überarbeitung des Lohnsystems. «Wir hatten Ende September eine erste Sitzung, aber die SBB präsentierte bis auf ein paar grundlegende Ansätze nichts Konkretes. Die Verhandlungen werden voraussichtlich im zweiten Quartal 2020 beginnen. Der SEV wird eigene Vorschläge zur Verbesserung des Vergütungssystems ausarbeiten.»

Die GAV-Konferenz brachte klar zum Ausdruck, dass es keine getrennte Lohnkurve zwischen dem Lokpersonal und anderen Mitarbeitenden mehr geben soll. Der Anstieg vom Minimum zum Maximum der Lohnklasse muss schneller sein. Die Berufe müssen wertgeschätzt werden. In gewissen Bereichen – wie etwa dem Verkauf oder der Kundenbegleitung – machen die Entwicklungen den Anschein, man wolle diese Berufe abwerten. Dies wirft Fragen auf: «Der Arbeitgeber scheint zu wissen, dass es mehr Personal braucht und erwägt gleichzeitig, gewisse Berufsgruppen abzuwerten. Das verstehe ich nicht…» Darüber hinaus muss Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die Löhne der Lernenden bei Login zu erhöhen, die seit über 15 Jahren stagnieren. Die Bahnberufe müssen im Hinblick auf den Lohn attraktiver werden.

Über das Lohnsystem hinaus fordern die Delegierten eine generelle Erhöhung der Gehälter, um die Anstiege der Krankenkassenprämien sowie der Mieten auszugleichen.

Kommentare

  • Christian Buetschli

    Christian Buetschli22/11/2019 11:43:18

    Guten Tag
    Ich war 35.Jahre bei der SBB
    Ich liebte den Job, ich hatte 2 Burn out
    Wurde von meinen Vorgesetzten gedrückt seit 2014 arbeitete ich noch 50% hatte eine IV Rente heute fehlt mir das Geld .
    Das ist Bitter wie Die SBB mit dem Personal umspringt.
    Freundliche Grüsse
    Christian Bütschli

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