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Branchentagung Bahn und Touristik

Über 60 Mitglieder versammelten sich am 7. März im Hotel Olten zur Branchentagung Bahn und Touristik. Trotz einer kurzfristigen Absage eines Referenten bot der Tag vielseitige Themen und Platz für den Austausch unter den Anwesenden.

Aufmerksame Zuhörer bei der komplexen Präsentation des neuen Arbeitszeitgesetzes.

Christoph Locher, Lokführer SOB, führt durch den Tag, der unter anderem geprägt ist durch die Wahlen in den Branchenvorstand. Mit der einstimmigen Wahl von Willi Steiner, MGB, Bellinda Bärtsch, RhB und Cataldo Anzalone, FLP, kann der Branchenvorstand endlich vervollständigt werden. Erfreulicherweise sind neu alle Regionen vertreten, von der Romandie übers Tessin und die Deutschschweiz bis zum Bündnerland. Als Ersatzmitglied konnte Nicola Capoferri, FLP gewonnen werden.

Die bisherige Branche Bahn und die Branche Touristik schliessen sich zusammen. Die bisherigen Vorstandsmitglieder beider Branchen werden in den neuen Vorstand übernommen.

Mitteilungen VPT

VPT-Zentralpräsident Gilbert d’Alessandro betont, wie wichtig die Branche Bahn ist, und dankt allen Sektionspräsidien herzlich für ihren Einsatz: «Der SEV funktioniert nur, weil ihr da seid und euch engagiert.» Der Zentralpräsident streicht zudem hervor, dass alle Bahnen die gleichen Probleme haben und deshalb auch zusammenhalten müssen.

Der ZP informiert auch über die «Notfallkarte» des SEV: Bei einem Unfall an der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg, bei dem eine strafrechtliche Anklage droht, können Mitglieder einen sogenannten «Anwalt der ersten Stunde» beiziehen. SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger ergänzt, dass ein Anwalt der ersten Stunde besonders wichtig ist, wenn Personen zu Schaden gekommen sind. Die Karte im Kreditkartenformat beschreibt klar das Vorgehen in einem solchen Fall. Diese Dienstleistung ist ein «wichtiges Element zum Schutz der SEV-Mitglieder».

Resolution in der Ostschweiz

Die VPT-Sektionen bei den drei Ostschweizer Bahnunternehmen Südostbahn, Appenzeller Bahnen und Frauenfeld-Wil-Bahn setzen sich mit einer gemeinsamen Resolution ein für faire und generelle Lohnerhöhungen, denn in den drei Unternehmen ist es letztmals per Januar 2012 zu einer generellen Lohnerhöhung gekommen. Im 2018 ist die Stimmung beim Personal nun gekippt, in einem Jahr mit einer Teuerung von 0,9%, den stetig ansteigenden Krankenkassenprämien und Mieten. Roland Huber von den Appenzeller Bahnen und Bruno Gamper von der SOB führen aus, wie sich die Löhne in ihren Unternehmen entwickeln. Die Branchenversammlung verabschiedet die Resolution und unterstützt die Kolleginnen und Kollegen bei den drei Unternehmen in ihrem Einsatz. «Die wichtigste Zukunftsinvestition ist diejenige in motiviertes und fair bezahltes Personal. Denn ohne fährt keine Bahn!»

Gewerkschaftliche Brennpunkte

SEV-Präsident Giorgio Tuti nutzt die Tagung, um über die aktuellsten Gewerkschaftsthemen zu informieren. Er weist darauf hin, dass die «SonntagsZeitung» einen wohl kritischen Beitrag zum GA-FVP plane. Der SEV und der Verband öffentlicher Verkehr haben sich ausführlich mit dem Journalisten unterhalten und versucht, ihm die Sachlage zu erklären. Wichtig sei insbesondere zu betonen, dass die Fahrvergünstigungen kein Geschenk sind, sondern ein Lohnbestandteil, der versteuert wird. (Siehe Beitrag auf Seite 6.)

Eine Mitteilung der BLS hat den SEV am Morgen der Branchentagung erreicht: BLS Cargo übernimmt Crossrail, mit welcher der SEV vor einiger Zeit einen Konflikt ausgetragen hat. Es ging um Dumpinglöhne bei Lokführern – Crossrail hatte sich in der Folge weitgehend aus der Schweiz zurückgezogen. Der SEV wird die Übernahme genau analysieren und sicher Forderungen ableiten. «Wir müssen dafür sorgen, dass im Cargo-Bereich gleichlange Spiesse herrschen», schliesst der SEV-Präsident seine Ausführungen zur BLS. (Siehe Beitrag auf Seite 6.)

Als drittes Thema nimmt sich Giorgio Tuti dem viel diskutierten Lohnschutz in der Schweiz an. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) habe seine Position zum institutionellen Rahmenabkommen mit der EU noch einmal gefestigt, erklärt der interimistische SGB-Co-Präsident: «Wir werden beim Lohnschutz nicht nachgeben.» Wird am Lohnschutz geschraubt mit weniger Sanktionen und Kontrollen, so öffnet man dem amtlich bewilligten Lohndumping Tür und Tor. Es laufen nun viele Gespräche, auch mit Bundesräten.

Viele Informationen und eine Absage

Der VPT-Werbeverantwortliche René Schnegg berichtet über die Mitgliederwerbung und betont, dass der VPT die Sektionen bei Werbeaktionen finanziell unterstützt. Im SEV-Jubiläumsjahr erfolgt die Unterstützung im Rahmen der Busausstellung: Jede Sektion, die dem Bus eine Plattform bietet, erhält einen finanziellen Zustupf. Ziel der Aktionen soll sein, dass pro Sektion mindestens drei Neumitglieder geworben werden, dass im VPT die Anzahl Neumitglieder um 10% zunimmt und die Austritte um 10% reduziert werden können.

René Schnegg informiert zudem über die wichtigsten Termine im SEV-Jubiläumsjahr.

SEV-Gewerkschaftssekretär und AZG-Spezialist Martin Allemann klärt anschliessend die Anwesenden über die Änderungen auf, welche die Revision des Arbeitszeitgesetzes im 2018 mit sich brachte. Nach seinen umfassenden Ausführungen kommt die Branchentagung Bahn und Touristik bereits zum Ende, da Referent Christoph Egger, Direktor der Schilthornbahn AG sich leider kurzfristig abmelden musste.

Die nächste Branchentagung Bahn und Touristik findet am Dienstag, 3. März 2020 wiederum im Hotel Olten statt.

Chantal Fischer

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Resolution zur Unterstützung und Fortführung der Proteste in den Ostschweizer Bahnunternehmen Südostbahn, Appenzeller Bahnen und Frauenfeld-Wil-Bahn  

In den drei Unternehmen ist es letztmals per 1. Januar 2012 zu einer generellen Lohnerhöhung gekommen. Trotzdem verliefen die Lohnverhandlungen in diesen Jahren mehrheitlich konfliktfrei ab. Der Grund dafür: über viele Jahre bestand keine Teuerung und die GAV-Lohnsysteme für individuelle Lohnerhöhungen wurden einigermassen anständig finanziert. Trotzdem: Für die langjährigsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutete dies sechs Nullrunden beim Lohn.   

Im 2018 ist die Stimmung beim Personal endgültig gekippt. Die Unternehmen brüsten sich in der Öffentlichkeit mit innovativen Ideen, neuem Rollmaterial und Ausbaugelüsten. Es werden Millionen verbaut und investiert. Nur ans Personal denkt offenbar niemand in diesen Unternehmen! 

2018 betrug die Jahresteuerung 0.9%. Ganz zu schweigen von den Krankenkassenprämien, die über die Jahre um zig Prozente gestiegen sind. Nichts als Anstand also, dass die Teuerung ausgeglichen und die vom SEV geforderte generelle Lohnerhöhung um 1.0% gewährt wird? Von wegen! Die Verwaltungsräte von SOB, AB und FWB haben eine generelle Lohnerhöhung bis zum Schluss verweigert und dafür sogar eine Aufkündigung der Friedenspflicht in Kauf genommen. 

Die Branchenversammlung unterstützt die Kolleginnen und Kollegen bei der Südostbahn, den Appenzeller Bahnen und der Frauenfeld-Wil-Bahn in ihrem Einsatz für faire und generelle Lohnerhöhungen. Sie ermutigt sie, ihren Kampf fortzuführen und diesen auf die politisch und unternehmerisch verantwortlichen Kreise auszuweiten. Es wird Zeit, dass auch den Ostschweizer Bahnunternehmen bewusst wird: Die wichtigste Zukunftsinvestition ist diejenige in motiviertes und fair bezahltes Personal. Denn ohne fährt keine Bahn!

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