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Eurobus Swiss Express

Eurobus oder Flixbus: Wer fährt denn nun wirklich?

Die Haltestelle Bern Neufeld gleicht eher einem Rastplatz.

Es ist Freitagmorgen, zehn vor acht. Normalerweise steige ich just um diese Uhrzeit mit einem Kaffee in der Hand in den IC, und eine Stunde später bin ich in Bern. Doch heute stehe ich etwas verloren auf dem Busbahnhof am Zürcher Sihlquai und suche ihn: den Fernbus, der mich nach Bern bringen soll. Swiss Express heisst er, und wird vom Schweizer Unternehmen Eurobus betrieben. Pünktlich rollt der Bus durch die Schranken auf den Parkplatz und kommt kurz darauf zum Stillstand. Aussen prangt der Schriftzug «Eurobus», dahinter – etwas kleiner – auf einer grünen Ecke steht auch «Flixbus». Vor dem Bus bildet sich eine kleine Traube von 15 Leuten, der Fahrer steigt aus und kontrolliert die Billette. Ich halte ihm meine Reservierung hin, er sagt nichts. Zögerlich krame ich nach meinem Swisspass und halte ihn ihm unter die Nase. Wieder nichts. Der Fahrer kneift die Augen zusammen und starrt kurz auf das rote Kärtchen, dann winkt er mich achselzuckend durch.

Der Fahrer steigt ein, schliesst die Tür und fährt los. Richtung Bern, nehme ich an, schliesslich hing draussen an der Scheibe ein Zettel, auf dem die Zielorte standen. Aber gesagt wird nichts, keine Begrüssung, kein nächster Halt, kein Aufruf, sich anzuschnallen. Nichts. Stattdessen dröhnt aus den Lautsprechern klassische Musik, dann eine Talkshow über Krieg, Kunst und Gesellschaft. Ich stecke mir meine Kopfhörer in die Ohren und schaue mich um: Meine Mitreisenden haben das Gleiche getan.

Nur eine «Vertriebspartnerschaft»

Im Bus ist vom Betreiber Eurobus nichts mehr zu sehen. Die freien Sitzplätze sind im klassischen Giftgrün von Flixbus markiert, am Fenster hängt ein laminierter Zettel von Flixbus, der das Sitzplatzsystem erklärt. Meine Reservierung halte ich noch in den Händen. Auch dem Ticket sieht man nicht an, dass es sich nicht um eine Flixbus-Linie handelt, auf der ich gerade reise. Langsam werde ich misstrauisch, was die Kooperation zwischen Eurobus und Flixbus betrifft. Laut der Medienmitteilung beider Unternehmen vom 5. Juni 2018 handelt es sich lediglich um eine Vertriebspartnerschaft: «Das Schweizer Busunternehmen wird für den Vertrieb der konzessionierten Fernbuslinien das erprobte Buchungssystem des Mobilitätsanbieters FlixBus nutzen. Die Konzession, das Angebot, die Linienführung und das Pricing werden von Eurobus gehalten und bestimmt.» Auf der neu eingerichteten Webseite www.flixbus.ch klingt das etwas anders: «Mit unseren grünen Fernbussen von FlixBus kannst Du günstig, bequem und umweltfreundlich durch die Schweiz reisen», steht da. Und «nun gibt es FlixBus auch innerhalb der Schweiz». Vergeblich suche ich auf der Webseite einen Hinweis auf den tatsächlichen Betreiber der Schweizer Fernbuslinien. So wundere ich mich auch nicht, als ich am Ende der Reise eine giftgrüne E-Mail von Flixbus erhalte, mit der Bitte, meine Reise mit Flixbus zu bewerten …

Eine benutzerfreundliche Alternative?

Aber gehen wir der Reihe nach: Ich sitze also in einem Bus und hoffe, dass er Richtung Bern fährt. Zugegeben, modern und relativ komfortabel ist er, aber auch nur, weil der doppelstöckige Bus mit seinen 15 Passagieren völlig unterbelegt ist. 16 Franken und 10 Rappen würde die Fahrt von Zürich nach Bern ohne GA oder Halbtax kosten. Somit beliefen sich die Roheinnahmen auf maximal 241.50 Franken. Man merkt: Die Tiefstpreispolitik ist das wichtigste Element der Marktpositionierung von Flixbus. Was der Chauffeur dabei noch verdient, sei dahingestellt. Genau in dieser Preispolitik sieht das Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) eine grosse Chance, vor allem für den Schweizer Tourismus, nutzen doch vor allem ausländische Reisende die inländischen Fernbuslinien: «Diese Fernbusse bieten einem preissensiblen Publikum attraktive Verbindungen an. Für das Tourismusland Schweiz sind diese Verbindungen von grosser Bedeutung. Sie bringen zusätzliche Gäste ins Land.» Dies schrieb das BAV in den BAV-News von Februar 2018. Tourist/innen sind also eine der Hauptzielgruppen, die das BAV für den nationalen Fernbusverkehr anvisiert. Dumm nur, dass das Angebot für genau diese Zielgruppe nicht wirklich geeignet ist. Preisgünstig ja, benutzerfreundlich eher nein.

Als der Bus nämlich mit zwanzig Minuten Verspätung in Bern ankommt, bleibt eine Durchsage des Fahrers wieder aus. Und dies, obwohl das Car-Terminal Neufeld in Bern kaum als Haltestelle zu erkennen ist. Der Parkplatz befindet sich direkt an einer Autobahnausfahrt, nicht etwa im Stadtzentrum. Der Bus hält also an und im ersten Moment denke ich, der Fahrer legt nur eine WC-Pause ein. Das WC-Häuschen ist schliesslich das Einzige, was mir auf dem leeren Parkplatz ins Auge sticht. Ich steige trotzdem aus, schliesslich kenne ich mich aus und weiss, dass das Bern sein muss. Den Tourist/innen im Bus geht es anders. Verloren bleiben sie vor dem Bus stehen, unsicher, wo sie gelandet sind. Ob das Bern sei, fragen sie mich, nur um dann an der Bushaltestelle von Bernmobil erneut verloren dazustehen – diesmal vor dem Billettautomaten. Was daran wohl benutzerfreundlich sein soll?

Rund anderthalb Stunden später als sonst komme ich schliesslich am Berner Hauptbahnhof an und mache mich auf den Weg ins Büro – froh um mein GA und darum, dass ich am Abend wieder den IC nehmen kann. Der Fernbus von Flix–, äh, Eurobus ist nichts für mich und für Tourist/innen auch nicht.

Karin Taglang

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Kommentare

  • Rolf Peter

    Rolf Peter 13/09/2018 00:39:56

    Ich bin Rollstuhlfahrer, besitze nebst dem Rollstuhl noch einen Swiss-Trac (batteriebetriebenes Rollstuhlzuggerät) und frage mich, ob die Fernbusse rollstuhltauglich sind. Habe Domo-Reisen ein Mail geschickt mit genau dieser Frage und als Antwort erhalten: "Sobald die Reisen buchbar sind, werde die Frage beantwortet." Ich habe bis heute keine Antwort erhalten.

    Rolf Peter

    Wangen bei Dübendorf

  • Martina Kuchar

    Martina Kuchar 13/09/2018 01:22:44

    Erstmals landete ich ohne es voher zu wissen, im EURO/FLIXBUS in Stans. Ich war eigentlich der Meinung, es sei der Winkelriedbus.
    Ich fand es allerdings schon sehr komisch, dass der Abfahrort so weit weg vom Bahnhof war. Ich lief etwa 15 min - mit Gepäck und war froh, ihn gerade noch zu erwischen. Ich musste Reservation bezahlen, obwohl es nicht mal 10 Fahrgäste gesamthaft hatte. Schlechte bzw verschleierte Info im Online Fahrplan, was ich völlig daneben finde. Man wird getäuscht und so in den Bus gelockt, mit dem ich sonst freiwillig nicht gefahren wäre....
    Weiter:
    Vor etwa zwei Wochen wurde mir der EURO (oder FLIXBUS?) im online Fahrplan der SBB angezeigt als einzige Verbindung von Luzern nach Flüelen. Der normal um die Zeit fahrende IR um 20:18 wurde NICHT angezeigt (!!) Ich lief also zum Inseli. Die Abfahrt war 20:13 angegeben. Es war nirgendwo angeschrieben und es kam kein Bus. Nur Reisecars von allen möglichen anderen Unternehmen. Ich lief etwa 20 min nach der angezeigten Abfahrt zurück zum Bahnhof und fuhr um 21:18 dann heim. Stinksauer!!!!
    Wieso steht der Bus überhaupt im Fahrplan? Wenn das keine direkte Konkurrenz ist, was dann?????? Eine ganze Stunde verloren!!!!!!

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