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SBB-Zugbereitstellung: Standort Zürich-Herdern will Jahreseinteilung kippen

Monatsplanung weder nötig noch legal

Wegen unerwartet vieler Personalabgänge will die Instandhaltung Zürich-Herdern ab Mai die Jahresplanung durch die Monatsplanung ersetzen. Damit wird das Recht des Personals auf eine frühe, sichere Freizeitplanung übertrieben eingeengt, denn die von der SBB angegebenen Gründe rechtfertigen dies nicht. Deshalb geht der SEV dagegen vor.

Am 5. März teilte der Produktionsleiter der Instandhaltung Zürich den Mitarbeitenden in Herdern mit, dass ab 1.Mai die Jahresplanung durch eine Monatsplanung ersetzt werden müsse. Dies wegen Personalabgängen und dem damit verbundenen «Mangel an diversen Kompetenzen in folgenden Tätigkeiten: Ultraschallkontrolle UT, Arbeiten an den ICE der DB-Flotte, Wartungs- und Reparaturarbeiten an den ETCS-Systemen». Um diese Kompetenzen wieder zu erlangen sei eine Ausbildungsplanung nötig. Weitere Gründe seien der verspätete Einsatz des neuen Doppelstock-Fernverkehrszugs von Bombardier und daher ein Instruktionsrückstand auf diesem Zugtyp sowie zusätzliche Nachtumläufe der IC2000.

Kein valabler Grund für Verzicht auf die Jahresplanung

«Letztere zwei Probleme waren schon länger bekannt, sodass sie planbar waren», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni. «Auch Personalabgänge sind zu bewältigen, denn die Kündigungsfrist lässt Zeit für die Anstellung neuer Mitarbeiter, die notfalls vorübergehend auch Temporärangestellte sein können.»

SEV-Arbeitszeitspezialist Martin Allemann präzisiert: «In diesem Fall liegen keine dienstlichen Gründe im Sinne des Absatzes 3 des Artikels 19 der Verordnung zum Arbeitszeitgesetz (AZGV) vor, die ein Abweichen von der gesetzlich vorgeschriebenen Jahresplanung erlauben würden. Denn die Voraussetzungen für die Produktion und Planung haben sich nicht grundsätzlich verändert.»

Allemann verweist auch auf eine Verfügung des Bundesamtes für Verkehr von 2010, welche nach einer Aufsichtsbeschwerde des SEV die SBB dazu zwang, bei der Zugvorbereitung Chur wieder die Jahreseinteilung einzuführen. Darin steht: «Die Monatseinteilung stellt eine bedeutende Einschränkung in der längerfristigen Freizeitplanung des Arbeitnehmers dar. Dies rechtfertigt sich nur dann, wenn aus dienstlichen Gründen eine derartige Einschränkung in Kauf genommen werden muss.» Die von der SBB als Gründe vorgebrachten «etlichen personellen Ausfälle infolge Unfalls und Krankheit» und die «zunehmende Dynamisierung des operativen Geschäftes» genügten nicht, hielt das BAV damals fest.

Unterschrift der Peko entbindet nicht von Gesetzespflicht

Eine Absage erteilte das BAV damals auch dem Versuch der SBB, die Monatseinteilung durch eine Umfrage bei den Betroffenen zu legitimieren (wobei die Mehrheit dagegen votierte): «Ob eine Jahres- oder eine Monatseinteilung erstellt wird, steht nicht zur Disposition der Sozialpartner. Grundsätzlich besteht die gesetzliche Vorgabe zur Erstellung einer Jahresplanung.»

Im aktuellen Fall versucht die SBB, die Monatseinteilung in Herdern durch die Unterschrift der Peko Fläche zu legitimieren. Doch Gesetz bleibt Gesetz…

Das Präsidium der Peko Division P hat den Leiter Zugbereitstellung, Claudio Pellettieri, in dieser Sache bereits kontaktiert. Von seiner Reaktion hängt das weitere Vorgehen nun ab.

Markus Fischer

Quittung für Frust über Berufsbilderfiasko

«Die Personalabgänge bei der Instandhaltung Herdern sind offensichtlich die Reaktion der Mitarbeiter auf das Projekt ‹Berufsbilder Operating›, das schlecht aufgegleist und umgesetzt wurde», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Christoph Geissbühler. Hauptmängel waren eine ungenügende Analyse, welche Kompetenzen und Leute an den einzelnen Standorten wirklich benötigt werden, fehlende Realitätsnähe und Klarheit der Berufsbilder, Intransparenz bei der Zuweisung der Funktionen an die Mitarbeitenden, Nichtberücksichtigung beruflicher Erfahrungen und interner Ausbildungen sowie demotivierende Rückstufungen. Nächster Projekt-Begleitausschuss ist am 18. April.

Fi

Kommentare

  • Kaufi

    Kaufi 06/04/2018 17:24:49

    Jahreseinteilung ist ok - für die Planung im Hintergrund! Als Mitarbeiter pfeife ich darauf - es reicht doch völlig aus, wenn die Monatseinteilung drei oder von mir aus vier Monate im voraus da ist! Was muss ich im Februar wissen, ob ich am 23. oder 24. Oktober frei habe? Wenn ich da frei brauche, gehe ich zum Einteiler und wünsche es. Die Ferien und allfällige sonstige gewünschten Tage werden ja sowieso berücksichtigt. Und alles, was nicht gewünscht ist, ist flexible Masse für den Einteiler! Mehr braucht es nicht als "Jahreseinteilung".
    Wir haben weiss der Geier andere - grössere! - Sorgen bei den SBB!
    MfG
    Kaufi, Fahrdienstleiter

  • Thomas Iten

    Thomas Iten 14/04/2018 12:11:51

    Die Jahreseinteilung ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten und unterstreicht heute eigentlich nur noch das Senioritätsprinzip. Es privilegiert einen Teil des Personals währen der andere Teil des Personals als Reserve oder auf temporärer Basis arbeitet. Würden alle Mitarbeiter eines Transportunternehmens mit einer Jahreseinteilung bedient käme das definitiv nicht gut raus. Die Gewerkschaften tun gut daran genau zu überlegen, ob sich das wirklich für seine Mitglieder auszahlt? Eine Verjüngung der Gewerkschaftsmitglieder lässt sich mit solchen Forderungen in der heutigen Zeit nicht mehr gewinnen und die Verkehrsunternehmen werden vermehrt auf temporäre Mitarbeiter setzen. Die Freizeit plant heute auch niemand mehr auf Monate hinaus und in Zeiten von Last-Minute-Entscheidungen sogar nicht einmal mehr die Ferien. Die gewerkschaftlichen Prioritäten sollten deshalb anders gesetzt werden.
    Thomas Iten

  • Claude Meier

    Claude Meier 19/04/2018 09:45:20

    Geschätzter Thomas Iten
    Dass dieses Votum von Seite der Personalplanung kommt, verwundert mich überhaupt nicht. Zum Glück haben wir noch Leitplanken, welche den Kolleginnen und Kollegen im unterdessen sehr strengen Schichtbetrieb die zugestandenen Freitage garantieren. Zudem schätzen auch die jüngeren Kolleginnen und Kollegen die Jahreseinteilung, um Ausflüge zu planen und sich so von der Schichtarbeit zu erholen.
    Es kann absolut nicht sein, dass Standorte aus Bequemlichkeit die selbstverschuldeten Personalrekrutierungsprobleme auf den Schultern der Mitarbeiter/-innen abfedern!
    Zentralpräsident Unterverband TS / Claude Meier

  • Kaufi

    Kaufi 19/04/2018 17:06:45

    Geschätzter Claude Meier
    Auch ich arbeite im Schichtdienst, genauso wie mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen in unserer Abteilung. Und die grosse Mehrheit davon will keine Jahreseinteilung! Speziell die Jungen nicht - es sind eher ältere Semester, die noch auf der JE bestehen.
    Das Argument mit dem "Erholen von der Schichtarbeit" ist im Zusammenhang mit einer Jahreseinteilung schlicht lächerlich. Denn diese Erholung ist durchaus auch gegeben mit einer Monatseinteilung!
    Nochmals: Jahreseinteilung als Planungsinstrument ok, für das Personal selbst jedoch überflüssig und veraltet.
    MfG
    Kaufi

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