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Stellungnahme zum SBB-Abschluss 2006

SBB macht sich schlechter als sie ist

Die SBB präsentiert einen auf den ersten Blick tiefroten Jahresabschluss. Doch die Zahlen täuschen: Das SBB-Defizit ist zu einem grossen Teil hausgemacht und damit offensichtlich politisch begründet. Die Gewerkschaft SEV warnt vor falschen Schlüssen.

Die SBB hat offensichtlich ein Interesse daran, zurzeit wirtschaftlich schlecht dazustehen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die SBB will beim Güterverkehr gegen 1000 Stellen abbauen, und sie will vor allem die Arbeitsbedingungen ihres Personals in einem neuen Gesamtarbeitsvertrag massiv verschlechtern. Da hätte ein guter Jahresabschluss schlecht ins Bild gepasst – umso mehr, als bereits letzten Sommer ein Verlust im dreistelligen Millionenbereich angekündigt worden war. Nun, den legt die SBB jetzt vor – ausgelöst durch die Rückstellungen für Massnahmen, die damals mit diesem hohen absehbaren Verlust begründet worden waren...

Ohne die Rückstellungen für die fragwürdigen Abbaumassnahmen bei SBB Cargo liegt das SBB-Defizit bei 55 Millionen Franken und wäre zweifellos vertretbar; umso mehr, als darin auch noch die Pensionskassenrückstellungen von fast 100 Millionen Franken enthalten sind.

Der Schweizerische Eisenbahn- und Verkehrspersonalverband SEV warnt davor, diesen Jahresabschluss als Grundlage für weitere Abbauforderungen zu missbrauchen. Ganz im Gegenteil: Die SBB zeigt sich weiterhin als gesundes Unternehmen, das auch in der Lage ist, Probleme wie die Unwetter und die hausgemachte Strompanne des letzten Jahres zu verkraften. Die SBB kann aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation keine Forderungen stellen, die die Situation ihres Personals verschlechtern: Der Jahresabschluss mit gestiegenen Verkehrs- und Umsatzzahlen belegt, dass das Personal mit vollem Einsatz für ein gutes Ergebnis gewirkt hat. Soll es nun dafür noch bestraft werden?

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