| Aktuell / SEV Zeitung, Aggression und Gewalt gegen Personal

Matthias Hartwich trifft René Schnegg

«Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif»

Am Kongress 2025 wurde René Schnegg zum Vorstandspräsidenten des SEV für die nächsten vier Jahre gewählt. Er ist Vizepräsident des Unterverbands des Personals der privaten Transportunternehmen VPT. Beruflich ist er Teamleiter im Kontrolldienst des Regionalverkehr Bern–Solothurn RBS. SEV-Präsident Matthias Hartwich hat René Schnegg zu einem Gespräch getroffen.

Matthias Hartwich: René, seit gut einem halben Jahr bist du Vorstandspräsident des SEV – als erster Präsident seit Langem, der nicht von der SBB kommt. Wie hat dich dein Weg in dieses Amt geführt?

René Schnegg: Ich arbeite seit vielen Jahren bei der RBS, einem konzessionierten Transportunternehmen (KTU). Gewerkschaftlich aktiv bin ich schon lange: zuerst als Präsident der Sektion RBS, später als Vizepräsident des Unterverbands VPT und nun als Präsident des Vorstands des SEV. Der SEV war immer ein zentraler Teil meines beruflichen Lebens.

Was sind deine wichtigsten Ziele für die laufende Amtsperiode?

Mein zentrales Ziel ist klar: Wir müssen wachsen. Der SEV ist eine starke Gewerkschaft, aber Stärke muss gepflegt und ausgebaut werden. Je mehr Mitglieder wir haben, desto mehr Gewicht haben wir in der Öffentlichkeit, in Verhandlungen und bei politischen Diskussionen. Die Zeiten sind schwieriger geworden – deshalb müssen wir alles daransetzen, unsere Arbeitsbedingungen langfristig zu sichern. Das gelingt nur, wenn wir als Organisation grösser und sichtbarer werden.

Oft werden wir in der Öffentlichkeit noch immer «als Gewerkschaft der SBB» wahrgenommen, obwohl wir viel breiter aufgestellt. Du bist Vizepräsident des Unterverbands, der die KTU vertritt, also nicht die SBB. Sowohl Gewerkschaftssekretäre und Gewerkschaftssekretärinnen der KTU als auch der SBB kämpfen damit, dass Verhandlungen mit Arbeitergebern rauer geworden sind. Wie siehst du das?

Tatsächlich ist es wichtig zu betonen, dass der SEV eben nicht nur SBB ist, sondern auch viel mehr. Im Unterverband VPT haben wir 52 Sektionen. Wir vertreten Kolleginnen und Kollegen von Bahn-, Bus- und Tramunternehmen, aber auch von der Schifffahrt und dem touristischen Verkehr. Ein Drittel der SEV-Mitglieder kommt aus diesen Bereichen. Ich bin stolz, dass ich die KTU vertreten darf. Dass die Verhandlungen rauer geworden sind, spüren wir überall. Der Druck - oft ein Spardruck - kommt von der Politik, von Gemeinden, Kantonen und dem Bund. Und er landet direkt beim Personal. Unsere Gewerkschaftssekretärinnen und -sekretäre leisten einen sehr guten Job, indem sie unter diesen Umständen für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Dafür möchte ich ihnen ausdrücklich danken. Um gegen den Druck von aussen zu bestehen, müssen wir zusammenstehen - egal ob SBB oder KTU.

Ein Thema beschäftigt uns besonders: die zunehmende Gewalt gegen das Personal. Der Tod eines Kundenbegleiters in Deutschland kürzlich hat uns sehr betroffen gemacht. Wie nimmst du die Situation wahr?

Die Lage ist ernst – sehr ernst. Viele Mitarbeitende gehen mit einem unguten Gefühl zur Arbeit, weil sie nicht wissen, ob sie gesund nach Hause kommen. Das betrifft nicht nur die Eisenbahn, sondern auch Buschauffeure, Kontrolleurinnen, Schalterpersonal. Ich bin dem SEV dankbar, dass er sich in diesem Thema so stark engagiert. Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif. Sie kostet – und sie muss Priorität haben. Mit der Neuunterzeichnung der Charta gegen Gewalt letzten November haben wir ein starkes Zeichen gesetzt. Politik und Arbeitgeber müssen den Handlungsbedarf klar erkennen. Wir dürfen nicht lockerlassen, bis das Thema wirklich ernst genommen wird.

Wenn wir über Sicherheit, Spardruck und Mitgliedergewinnung sprechen: Brauchen wir als Gewerkschaft eine neue Lautstärke?

Ja. Wir müssen lauter werden. Wir müssen gleichzeitig verlässlicher Sozialpartner sein, aber auch kämpferisch sein, wenn es nötig ist. Wenn wir stark sind, können wir laut sein. Die Politik soll uns hören, die Öffentlichkeit soll uns sehen. Gerade beim Thema Sicherheit müssen wir uns zeigen, auch auf der Strasse. Vielleicht müssen wir als SEV wieder etwas kraftvoller auftreten. Möglicherweise sind wir manchmal ein bisschen zu lieb.

Ein Lichtblick für mich war der Erfolg bei der TPG: Bei den Genfer Verkehrsbetrieben konnten wir kürzlich unser tausendstes Mitglied feiern. Gibt dir das Rückenwind?

Absolut. Das zeigt, dass wir wachsen können, wenn wir dranbleiben. Diese Erfolge müssen Strahlkraft bekommen – in die ganze Organisation hinein. Je stärker wir werden, desto erfolgreicher sind wir in Kampagnen und desto besser können wir unsere Kolleginnen und Kollegen schützen.

Aufgezeichnet von Michael Spahr

 

1. Vorstandssitzung 2026

Am 20. Februar haben sich die SEV-Vorstandsmitglieder getroffen. Unter der Leitung von René Schnegg und Hanny Weissmüller gab es lebhafte Diskussionen zu aktuellen Themen. Besonders zu reden gab das Thema «Gesundheit am Arbeitsplatz». Leider gibt es hier in allen Verkehrsbranchen Handlungsbedarf.

Themen, die den SEV und den Vorstand 2026 ebenfalls beschäftigen werden, sind die Chaos-Initiative der SVP, Europapolitik und selbstverständlich der Kampf für besser Arbeitsbedingungen in allen Bereichen.