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Eine Revolution im öV

Stadt Tessin zwischen Chance und Risiko

Einweihung des Ceneri-Basistunnels am 4. September. Foto: www.alptransit.ch

Die Eröffnung des Ceneri-Basistunnels im Dezember ist zweifellos historisch fürs Tessin, das nach innen und aussen immer mehr verbunden wird. Die Reisezeiten zwischen Bellinzona und Lugano sowie zwischen Lugano und Locarno zu halbieren bedeutet, dass die Bahn damit voll konkurrenzfähig zur Strasse wird. Wenn man ergänzt, dass der Kanton Tessin 461 Mio. Franken in die Förderung des öffentlichen Verkehrs investiert, darf zweifellos von einer Revolution im öffentlichen Verkehr im Tessin gesprochen werden. Wie der anerkannte Verkehrsexperte Professor Remigio Ratti erklärt: «Der Ceneri-Tunnel ist wichtig für den innerkantonalen Verkehr, aber er ist vor allem die Voraussetzung für eine neue Raumentwicklung. Es ist eine Herausforderung für Unternehmerlust und Investitionsbereitschaft, die in einer Zeit grosser Veränderungen und Unsicherheiten noch schwieriger ist», schreibt er im Corriere del Ticino (CdT).

Indes, in einer Welt, in der wir alle immer in Eile sind, gilt es auch darüber nachzudenken, weshalb und wie wir uns bewegen. Der Vorsteher des kantonalen Baudepartements Claudio Zali provoziert: «Alle unterwegs in der Stadt Tessin? Man kann auch anders leben». Im CdT erklärt er: «Persönlich bevorzuge ich eine Raumentwicklung, die das Reisen der Pendler vereinfacht, aber nicht fördert. Als Staat rennen wir einer stetig wachsenden, riesigen Mobilitätsnachfrage hinterher.»

Wenn es stimmt, dass der Ceneri Türen öffnet, heisst das nicht, dass diese Türen alle in eine einzige Richtung gehen: «Der Gotthard-Basistunnel», erläutert Ratti, «hat auch zwiespältige Sogwirkungen der Zentren Zürich, Zug und Luzern, die noch schwierig zu verstehen sind. Zusätzliche Möglichkeiten für die Jungen, aber auch Abwanderung der besten Kräfte. Eine besserer Zusammenhang mit der Schweiz, aber auch grössere Abhängigkeit von den Entscheidungsträgern jenseits der Alpen.»

Zur Bedeutung des Bauwerks sprach auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und erinnerte an den Auftrag der Alpeninitiative: «Der Güterverkehr gehört auf die Schienen. Deshalb ist der Ceneri-Tunnel nicht nur wichtig fürs Tessin, sondern für die ganze Schweiz.» Nach der Tunneleröffnung fordern die Tessiner nun die Weiterführung des Alptransits südlich von Lugano.

Françoise Gehring/Übers. Peter Moor

GAV weiterentwickeln, Basisarbeit verstärken

Kommentar von Angelo Stroppini, Gewerkschaftssekretär SEV

Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels im Dezember macht der öffentliche Verkehr im Tessin einen grossen Sprung nach vorn. Im Bahn- und im Busbereich bauen die Betriebe ihr Angebot aus und wachsen. In dieser historischen Entwicklungsphase ist es wichtig, für gute Anstellungs- und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Dabei hilft uns, dass es heute schon bei fast all diesen Betrieben einen stabilen GAV gibt. Dies ist vor allem dem SEV zu verdanken. Er hat in den letzten Jahren bei den Mitarbeitenden viel Vertrauen aufgebaut und viele Mitglieder geworben und spielt in der Sozialpartnerschaft mit all diesen Unternehmen die Hauptrolle. Um diese Rolle weiterspielen zu können, müssen wir unsere Basisarbeit weiterführen und noch verstärken.

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