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Delegiertenversammlung des Unterverbandes TS

Zu Gast: drei Cargo-Vertreter

Wie beim RPV war SBB Cargo auch an der Delegiertenversammlung des Unterverbands Technisches Servicepersonal (TS) Thema des Tages. Drei Vertreter der Unternehmung legten die neuesten Reorganisationspläne dar – und stiessen auf Unverständnis und fragende Gesichter.

Urs Gähwiler (hinten rechts) und Markus Streckeisen (links) im Gespräch mit den Mitgliedern.

«Performance-Programm», «Partnerstrategie», «Minderheitsaktionäre» – mit diesen Schlagwörtern eröffnen die Vertreter von SBB Cargo ihr Referat an der Delegiertenversammlung des Unterverbands TS in Winterthur. Es sind Urs Gähwiler (Leiter Regionale Cargo Produktion), Roland Seidel (Leiter SBB Cargo Instandhaltung) und Markus Streckeisen (Chief Transformation Officer und GL-Mitglied von SBB Cargo). Die Stossrichtung: SBB Cargo ist im finanziellen Sumpf. «Wir müssen sanieren», sagt Streckeisen, «das wissen wir alle.» Aus diesem Grund läuft zurzeit ein Performance-Programm, bei welchem ca. 170 der aktuell 344 Bedienpunkte überprüft werden. Urs Gähwiler betont, dass man bei dieser «Überprüfung» gemeinsame Lösungen mit den Kunden sucht. «Es geht nicht darum, Bedienpunkte einfach zu schliessen», sagt er. In Fällen, wo es doch zu Schliessungen kommt, sollen die Kunden auf stärkere Bedienpunkte umgeleitet werden …

SBB Cargo auf Partnersuche

Urs Gähwiler entwickelt momentan eine Partnerstrategie für SBB Cargo, die im August vor den Verwaltungsrat kommen soll. Konkret ist SBB Cargo auf der Suche nach einem oder mehreren Minderheitsaktionären, um die Logistikkette besser bewirtschaften und Synergien zwischen Strasse und Schiene nutzen zu können.

Unter dem Ziel der Effizienzsteigerung laufen bei SBB Cargo aktuell auch verschiedene Projekte hin zur Automatisation. Markus Streckeisen fasst einige dieser Neuerungen zusammen: «Ein wichtiger Teil ist zum Beispiel die automatische Kupplung». Davon erhofft er sich ein attraktiveres Berufsbild und besseren Gesundheitsschutz für die Mitarbeitenden, die zum Kuppeln nicht länger hinuntersteigen müssten. Die automatische Kupplung ist allerdings seit 1975 ein Thema, doch bis heute ist nicht viel passiert – ein Sinnbild für die meist leeren Versprechungen von SBB Cargo?

Service public

Versprechen machte auch Roland Seidel, Leiter Instandhaltung bei SBB Cargo. «Wir sind heute ein wichtiger Servicepartner für den Schienengüterverkehr in der Schweiz, und das werden wir auch bleiben», lautet seine Überzeugung. Um die Stützpunkte zu stärken, will Seidel vor allem die mobilen Equipen ausbauen, die bei Problemen schnell zur Stelle sind. Zum Schluss der Diskussion gibt Christoph Geissbühler, Gewerkschaftssekretär SEV und ehemaliger Vizepräsident des UV TS, den drei Vertretern von SBB Cargo in Anbetracht aller kommenden Änderungen einen Tipp mit auf den Weg: «Nehmt eure Mitarbeitenden mit und hört ihnen zu, sonst werdet ihr sie verlieren!»

Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn, der im SEV für SBB Cargo zuständig ist, erhält das letzte Wort. Er prangert die massiven Abbaureorganisationen bei SBB Cargo über die letzten Jahre an, von denen keine zum eigentlichen Ziel der schwarzen Null geführt hat, und warnt, dass eine Abbaustrategie Zukunftschancen verhindert. Für den SEV gehört der Schienengüterverkehr zum Service public und ist als solcher schützens- und unterstützenswert. 

Datenschutz bei P-OP-ZBS

Die Delegierten verabschiedeten ausserdem eine Resolution mit dem Titel «Der Unterverband SEV TS duldet keinen Datenschutzverstoss!» Seit dem 19. März verlangt die Leitung von P-OP-ZBS von den Mitarbeitenden, dass sie ihre produktive Arbeitszeit eintragen und Abweichungen zur unproduktiven Arbeitszeit begründen – unter Angabe des vollständigen Namens. Die Fachstelle Datenschutz bestätigte, dass dies ein Datenschutzverstoss sei und eine solche Aufzeichnung nur ohne Name stattfinden darf, doch die SBB blieb untätig. Die Resolution verlangt von der Leitung ZBS eine Einstellung der Zeiterfassung an den Steuerbords an allen Standorten, bis eine Lösung vorliegt, die nicht gegen den Datenschutz verstösst.

Karin Taglang


Personen

Wie an solchen Versammlungen üblich, wählten auch die Delegierten des Technischen Servicepersonals neue Vertreter/innen in verschiedene Gremien und Funktionen:

Daniel Huber (Sekretär) und Sandro Kälin (Werbeobmann) wurden in den Zentralausschuss gewählt. In den SEV-Vorstand gewählt wurde TS-Vizezentralpräsident Sandro Kälin (als Ersatzmitglied). Markus Schnüriger, Präsident der Sektion TS Ostschweiz, gehört neu dem TS-Zentralvorstand an.

Als Delegierte der GAV-Konferenz SBB/SBB Cargo wurden Sylvian Sahli, Laurent Cuennet, Venhar Qerimi sowie Daniel Huber gewählt. Sylvian Sahli wurde zudem als TS-Delegierter in den GAV-Ausschuss gewählt.

Zu verabschieden war dieses Jahr Christoph Geissbühler, ehemaliger Vizezentralpräsident und Delegierter sowohl der GAV-Konferenz als auch des GAV-Ausschusses. Neu fungiert er als SEV-Gewerkschaftssekretär bzw. als «TS-eigener-Sekretär im Hause SEV», wie es TS-Zentralpräsident Claude Meier schmunzelnd nennt.

Auch verabschiedet wurde Reinhard Grünenfelder, ehemaliger Präsident der Sektion TS Ostschweiz.

TS-Delegierte pochen auf Datenschutz

Seit 19. März verlangt die Leitung ZBS von den Mitarbeitenden der Serviceanlagen, dass sie mit Name, Vorname und Tourennummer ihre produktive Arbeitszeit auf «Steuerboards» eintragen und die unproduktive Arbeitszeit begründen. Weil noch immer keine tragbare Lösung in Sicht ist, reagierten die Delegierten TS mit einer Resolution.

Wie in kontakt.sev Nr. 6/2018 berichtet, konsultierte die Personalkommission Personenverkehr die SBB-Fachstelle Datenschutz. Diese antwortete am 30.April, solche Steuerboards seien grundsätzlich erlaubt, aber ohne Angabe von Namen, da der Standort der Boards halböffentlich sei. Sie schlug einen Standortwechsel und Pseudonyme vor.

Am 2.Mai schlug die PeKo P der Leitung ZBS den Kompromiss vor, die produktiven Arbeitszeiten über die Tourennummer zu erfassen. Doch war bisher keine Einigung auf eine tragbare Lösung möglich. Zudem ergab eine Umfrage in den Serviceanlagen, dass die Erfassung der Arbeitszeiten nicht einheitlich gehandhabt wird. An den Standorten Oberwinterthur, Luzern und RICO müssen an den Steuerboards keine Namen aufgeführt werden.

Resolution des SEV-TS

«Wir sind klar der Meinung, dass hier die Leitung P-OP-ZBS die Lösungsfindung bewusst verschleppt! Und diese Taktik akzeptieren wir nicht!», hielt letzten Freitag die Delegiertenversammlung SEV-TS in einer Resolution fest. «Von der Leitung ZBS verlangen wir eine Einstellung der Zeiterfassung an den Steuerboards an allen Standorten, bis eine für beide Parteien gangbare Lösung vorliegt, die sich im Rahmen der Datenschutzbestimmungen bewegt. Denn wir dulden keine vorsätzlichen und bewussten Datenschutzverstösse. (...) Sollte die Leitung ZBS die Zeitaufschreibung an den Steuerboards weiterhin fordern, hat jeder Mitarbeitende das Recht, die Angabe seines Namens oder seiner Personalnummer zu verweigern!»

SEV-TS/Fi

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