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Auf den Spuren von…

Denise Engel, Projektassistentin

Sie ist keine Blenderin und Vielrednerin, sondern eine zuverlässige Teamplayerin, die lieber im Hintergrund bleibt. Doch ihre Meinung sagt sie durchaus, auch im SEV.

Als Bahnbetriebsdisponentin hatte Denise Engel mehr Bewegung zwischen Schalter, Stellpult und Perron als heute am PC. Doch auch als Projektassistentin hat sie vielfältige Aufgaben.

Der SEV-GAV-Konferenz gehört Denise Engel an, seit bei der SBB das GAV-Zeitalter begann, und der Delegiertenversammlung des Unterverbands AS, seit SBV und VPV vor fünf Jahren fusionierten. Vorher schon war sie SBV-Delegierte, zuvor viele Jahre Protokollführerin ihrer SBV-Sektion und Leiterin des SEV-Jugendforums Zürich. Seit sechs Jahren arbeitet sie in der Peko Division Infrastruktur mit (und befürchtet, dass deren Verkleinerung zum Verlust von Knowhow und vermehrtem Koordinationsbedarf führt). Auch an den Kundgebungen und Aktionen des SEV ist sie stets präsent. Trotzdem wundert sie sich über die Interviewanfrage: «Warum gerade ich?»

Einige Tage später treffen wir uns im Westlink-Verwaltungsgebäude der SBB in Zürich-Altstetten. An einem Fenstertisch der Bar im Erdgeschoss, mit Blick auf Hochhäuser und Trams, zeichnet sie ihren Berufsweg nach.

Eisenbahnerin von der Pike auf

Nach Schnupperlehren im Hotelfach und bei der Bahn steigt die Zürcherin 1989 in Horgen in die dreijährige Betriebsdisponentenlehre ein. Nach wenigen Wochen wirbt der Bahnhofvorstand-Stellvertreter die 16-Jährige für den SEV: «Man muss in einer Gewerkschaft sein», findet sie schon damals – wie ihr Vater, ein Lokführer bei der SZU. Warum? «Um einen guten GAV zu erreichen braucht es einen hohen Organisationsgrad und zahlende Mitglieder. Wichtig ist auch der Berufsrechtsschutz. Dazu kommen der günstige Privatrechtsschutz und weitere Vergünstigungen. Und die Weiterbildungskurse.» Davon besucht sie einige.

Auch im Beruf bildet sie sich laufend weiter: Nach der Lehre macht sie in ihren sieben Jahren auf dem Bahnhof Birmensdorf lange Stages in einer Betriebsleitzentrale und in einem Reisezentrum. Vor der Schliessung des Bahnhofs wechselt sie nach Rapperswil. Dort übernimmt sie administrative Aufgaben und leitet das Clean-Team, das aber bald zu SBB Immobilien kommt. Ihre Stelle wird aufgehoben. Sie vertritt eine Langzeitkranke in der Betriebszentrale und tritt ins Arbeitsmarktcenter (AMC) ein. Sieben Monate später hat sie wieder eine Stelle: Bei SBB Cargo in Muttenz verantwortet sie vor allem Arbeitszeitabrechnungen. Um sich den Weg von Au/Wädenswil zu sparen, schläft sie manchmal bei einer Verwandten in Füllinsdorf. Nach 18 Monaten ist diese Stelle wieder weg, doch am Tag des AMC-Eintritts beginnt sie schon als Projektassistentin bei Infrastruktur im Sihlpostgebäude in Zürich.

Bis heute unterstützt sie in der gleichen Geschäftseinheit Projektleiter bei der Administration der Bauprojekte in der Region Ost mit Programmen wie SAP. Sie koordiniert und dokumentiert auch die Auflageverfahren aller Projekte der Region beim Bundesamt für Verkehr und führt Sitzungsprotokolle. Daneben ist sie Coach für den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP).

Keine Angst vor der Digitalisierung

Befürchtet Denise Engel, dass ihre Arbeit bald automatisiert wird? Nein, ihre Aufgaben sind zu vielfältig und die Abläufe so kompliziert, dass nicht einfach der Computer sie ersetzen kann: «Zuerst lernt dieser noch laufen.» Doch die Entwicklung der Informatik ist für alle eine ständige Herausforderung – wie z.B. dieses Jahr die Einführung der serverbasierten Datenablage. Learning by doing heisst die Devise. Darum kauft Denise Engel neue Betriebssysteme und Programme auch privat.

Wie erlebt sie das Grossraumbüro, wo sie nun seit fünf Jahren arbeitet? «Man muss lernen wegzuhören, auch wenn ein Gespräch interessant ist.» Telefonkabinen sind geplant. Arbeitsplätze hat es meistens genug, auch wenn es davon neu nur 10 für 15 Mitarbeitende statt wie bisher für 12 gibt. Möglich ist dies dank Teilzeitpensen und Homeworking. Denise Engel arbeitet bei einem Pensum von 90% einen Tag pro Woche zu Hause – vor allem für die Peko, wofür sie nicht zwei Bildschirme braucht. In gewissen Bürozonen ist es manchmal kalt und zügig, «doch in der Sihlpost hatten wir im Sommer oft schon am Morgen 30 Grad.» Insgesamt hat der Umzug ins Westlink mehr Komfort gebracht: eine gute Kantine im Haus, eine Bar, eine Terrasse, Ruheräume…

Zu kurz kommt beim ständigen Sitzen am PC die Bewegung. Darum geht Denise Engel jede Woche eine Stunde mit einer Kollegin walken, macht Aquafit und einen Kurs für Tanz und Bewegung. Mit ihrem Freund sucht sie oft Ausgleich in der Sauna oder bei Städtereisen.

Manche SBB-Mitarbeitende in Zürich-Altstetten haben nicht den gleichen Bezug zur Bahn wie Denise Engel, sehen die SBB eher als Zwischenstation und sind daher nur schwer für die Verkehrsgewerkschaft zu gewinnen.

Markus Fischer
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