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Ich will einfach mal hier raus!

Max ist verzweifelt. Schon seit drei Monaten sitzt er nach seinem Burn-Out nun zu Hause. Raus geht er nur für die Therapie. Am Anfang ging es ja noch, aber jetzt fällt ihm schon langsam die Decke auf den Kopf. Berta geht es auch nicht besser. Seit dem Unfall vor zwei Monaten kennt sie nun das ganze Fernsehprogramm auswendig und kann die Fragen der Moderatoren schon vor diesen stellen. Die Physiotherapie tut gut, bringt aber auch nicht so viel Abwechslung. Beide sind aus unterschiedlichen Gründen langzeitarbeitsunfähig. Dürfen die zwei denn auch mal aus der Wohnung gehen?

Wer krank ist, gehört ins Bett!

Bei einer Grippe ist das kein Thema. Da ist jeder froh, wenn er oder sie im Bett bleiben darf. Bei Langzeitkrankheiten oder längerer Arbeitsunfähigkeit wegen einem Unfall ist es etwas anders.

Grundsätzlich hat die betroffene Person alles zu tun um ihren Zustand zu verbessern und alles zu unterlassen, was ihren Zustand wieder verschlechtert. Das heisst, es sind alle medizinischen Anweisungen zu befolgen (Medikamente einnehmen, Therapien mitzumachen, vielleicht sogar eine Operation über sich ergehen lassen). Aktivitäten, die der Gesundheit in diesem Moment schaden, sind zu vermeiden (Überbelastung, zu viel Gewicht heben, zu lange stehen etc.) Sobald aber die betroffene Person das Spital verlassen hat, verbleibt neben den Therapien und den Arztbesuchen noch viel freie Zeit. Diese muss auf der einen Seite ausgehalten werden, aber sie darf, immer im Rahmen des medizinisch Zulässigen, auch gefüllt werden.

Hausarbeiten sind erlaubt

Max und Berta müssen auch essen. Selbstverständlich dürfen beide auch einkaufen gehen. Max muss sehen, dass er die Eindrücke beim Einkaufen ertragen kann und nicht überfordert wird. Berta darf nur so viel einkaufen, wie es die Gewichtslimite des Arztes vorschreibt. Sie müssen auch nicht gleich wieder nach Hause, ein Kaffee liegt drin. Spaziergänge an der Sonne haben einen therapeutischen Nutzen und dürfen selbstverständlich unternommen werden, auch Treffen bei und mit Freunden und Familie. Normale (Haushalts-) Aktivitäten unter Tags sind für beide unproblematisch, wenn sie sich nicht überfordern.

Mit Gipsfuss in die Disco?

Bei Aktivitäten am Abend wird es schon etwas schwieriger. Ein Abendessen bei Freunden oder der Familie darf sein. Beim Vereinsanlass kommt es auf die Gesamtsituation an. Ein Discobesuch mit Gips eher nicht. Dafür vertragen sich Gips und Kino relativ gut, wenn es nicht zu spät wird am Abend. Je nach Diagnose und der daraus festgestellten Einschränkungen kann etwas gehen und etwas Anderes nicht. Das gilt auch für das Autofahren. Gewisse Medikamente lassen das Fahren nicht zu, auch wenn es körperlich gehen würde. Ein Gipsfuss rechts verunmöglicht das Autofahren völlig, während einer links das Fahren mit einem Automaten noch möglich machen würde. Im Falle eines Autounfalls wird die Polizei aber keine Freude daran haben.

Dauernd krankgeschrieben, aber in die Ferien!?!

Auch wenn Mitarbeitende langzeitkrank sind, bleibt der Ferienanspruch bestehen. Die Ferientage werden aber gekürzt. Diese Ferien können durchaus bezogen werden. Wichtig ist, dass die Ferien den Therapieerfolg nicht hindern. Oft haben sie aber gerade einen therapeutischen Effekt. Tapetenwechsel tut immer gut. Wenn also der behandelnde Arzt einverstanden ist mit den Ferien, muss dieser ein sogenanntes Ferienfähigkeitszeugnis ausstellen, dann steht der Reise nichts mehr im Weg.

Solange die betroffene Person weiterhin in einem Anstellungsverhältnis steht, sind die Ferien unproblematisch, da in der Regel auch weiterhin Lohn oder Taggeld bezahlt wird. Besteht kein Anstellungsverhältnis mehr, ist mit der Taggeldversicherung abzuklären, ob für diese Zeit auch ein Anspruch besteht.

Freunde befördern die Heilung

Berta und Max dürfen also auch mal aus den eigenen vier Wänden, ohne dass etwas passiert oder die andern gleich komisch reagieren. Es geht den beiden nun schon viel besser. Max trifft sich regelmässig mit seinem Bruder. Zusammen haben sie angefangen Tennis zu spielen. Das und die Therapie haben ihm die Kraft gegeben, wieder mit einem kleinen Pensum in die Arbeit einzusteigen. Auch Berta ist nun den Gips los und läuft jeden Tag draussen ihre Runden zusammen mit ihren Freudinnen. Auch sie steigt langsam wieder in die Arbeit ein.

Medizin, frische Luft, Freunde

Eine Arbeitsunfähigkeit heisst also nicht einfach nur im Bett liegen. Um wieder gesund zu werden, braucht es die Medizin, aber eben auch das Umfeld und frische Luft und Freunde.

Rechtsschutzteam SEV

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