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SBB Personenverkehr

SBB stoppt SAP-Projekt RE 2 bei PP-UHR – SEV fordert Klarheit und mehr Sorgfalt

«Das beim SAP-Projekt RE 2 verlorene Geld darf nicht mit zusätzlichen Sparübungen auf dem Buckel des Personals wieder hereingeholt werden», fordert SEV-Gewerkschaftssekretär René Zürcher.

Die SBB hat bei der Produktion Personenverkehr die sogenannte Realisierungseinheit 2 (RE 2) zur Weiterentwicklung des Programms SAP per Mitte Juli gestoppt. Insgesamt verlieren fast 100 Mitarbeiter:innen ihre bisherigen Aufgaben, acht verlieren ihre Stelle und für rund 40 gibt es Pensenverschiebungen von Digital Solution Rollmaterial (DSO ROS) zurück zu ihrer angestammten Stelle im Geschäftsbereich Unterhalt Rollmaterial bei Produktion Personenverkehr (PP-UHR).

Textupdate vom 20. August 2026 aufgrund von Erklärungen der SBB vom 10. August

Hintergrund: In allen SBB-Bereichen muss von der aktuellen SAP-Version R/3 auf die neue Version S/4 umgestellt werden, weil SAP den Unterhaltssupport für R/3 Ende 2030 einstellt. Diese Umstellung erfolgt in separaten Realisierungseinheiten Bereich für Bereich: RE 1 bei I-EN (Energie) zum Beispiel wurde schon Ende 2023 umgesetzt, RE 3 bei Immobilien Anfang 2025, RE 4 bei Infrastruktur soll Anfang 2027 umgesetzt werden und RE 2 bei PP eigentlich 2029.

Gründe für den Stopp von RE 2 gemäss SBB: Die Konzernleitung will die SAP-Weiterentwicklung bei der Division Infrastruktur (RE 4) fokussieren und in den übrigen SBB-Bereichen vorübergehend reduzieren oder einstellen. Bei RE 2 hat sich gezeigt, dass die ursprünglich geplante Nutzung der zusätzlichen Möglichkeiten, welche die SAP-Version S/4 gegenüber der heute verwendeten Version R/3 bietet, mit entsprechender Anpassung der Geschäftsprozesse schwieriger ist als vorgesehen und mehr Zeit benötigt. Deshalb soll nun in einem ersten Schitt nur mal die neue SAP-Version S/4 für die heutigen Geschäftsprozesse eingeführt werden, ohne diese Prozesse weiterzuentwickeln.

Rund 100 Mitarbeiter:innen betroffen

Der Stopp des SAP-Projekts RE 2 bedeutet, dass per Mitte Juli viele Mitarbeiter:innen ihre bisherigen Aufgaben verloren haben. Betroffen sind die 96 Mitarbeiter:innen, welche von verschiedenen Bereichen von PP-UHR zu DSO ROS zu gewissen Pensen detachiert worden sind, um am Projekt RE 2 zu arbeiten. Davon bleiben 55 weiterhin in der DSO ROS, denn eine Migration in die SAP-Version S/4 wird ja trotzdem stattfinden, jedoch nicht im geplanten Ausmass. Für 41 Mitarbeiter:innen ist eine Rückkehr an ihre angestammte Stelle bei PP-UHR angesagt, trotzdem bleiben sie noch mit einem Bein in der DSO ROS, zum Beispiel für die zukünftige Inbetriebnahme des neuen Unterhaltswerks in Castione (NSIF). Diese Rückkehr in die Linie von PP-UHR produziert dort einen Personalüberschuss, weil die Stellen unterdessen neu besetzt wurden. Das bedeutet, dass weitere Mitarbeiter:innen auf diesen sogenannten «Back-fill-Stellen» ebenfalls betroffen sind und zum Teil sogar ihre Stelle verlieren.

Insgesamt verlieren bei PP-UHR sieben GAV-unterstellte Mitarbeiter:innen ihre Stelle, und ein OR-Mitarbeiter wird die SBB nach Ablauf der viermonatigen Kündigungsfrist per 30. November 2026 verlassen müssen.

Den SEV überraschte die Kurzfristigkeit, mit der die SBB den Abbruch des RE 2-Projektes beschlossen hat. Dies hatte zur Folge, dass für die – eigentlich vorgeschriebene – Konsultation der Sozialpartner keine Zeit blieb. Zum Wohl der betroffenen Mitarbeiter:innen verzichtete der SEV auf das Konsultationsverfahren, weil dieses die Information der Mitarbeiter:innen um mehrere Wochen hinausgeschoben und für sie zu einer langen unklaren Situation geführt hätte.

Der SEV fordert Transparenz darüber, wie weit die Ergebnisse der bisherigen Arbeiten am Projekt RE 2 für dessen künftige Realisierung wirklich von Nutzen sind und wie viel Arbeit und Geld bei diesem IT-Projekt in den Sand gesetzt wurde. Dies in einer Zeit, in der die SBB allen Bereichen Sparvorgaben macht, mit negativen Auswirkungen für das Personal (M6K /Boost M6K).

Verschwendung von Ressourcen nicht beim Personal kompensieren

«Der SEV erwartet von der SBB, dass sie die Kosten, die durch die Probleme bei diesem Projekt und den kurzfristigen Abbruch entstanden sind, offenlegt», sagt Gewerkschaftssekretär René Zürcher, der beim SEV für das Dossier SBB Personenverkehr zuständig ist. «Das verlorene Geld darf nicht mit zusätzlichen Sparübungen auf dem Buckel des Personals wieder hereingeholt werden. Das Personal hat nicht für Fehlentscheide der SBB zu bezahlen.» Die SBB sicherte dem SEV in einem Brief vom 10. August zu, dass aufgrund des Projektabbruchs keine weiteren personellen Auswirkungen in der Division PP zu erwarten seien.

Dieser Fall zeigt auch: Beim Einbezug von Personen aus der Linie in Projekten muss bei der Nachbesetzung ihrer Stellen sorgfältiger vorgegangen werden. «Die Mitarbeiter:innen auf ‹Back-fill-Stellen› dürfen nicht als Bauernopfer missbraucht werden, sobald ein Projekt gestoppt oder abgeschlossen wird», fordert René Zürcher. «Zum Beispiel wären Stages eine bessere Lösung.»

Die SBB erklärt im Brief vom 10. August: «Die Migration auf SAP S/4 ist ein langjähriges Projekt. (...) Wäre alles wie geplant gelaufen, wäre die Rückkehr der Programmmitarbeitenden in die Linie mit einer Vorlaufzeit geplant worden. Die natürliche Fluktuation wäre genutzt worden, um Platz für die Rückkehr zu schaffen. In anderen Projekten mit einer Dauer von 1–2 Jahren werden zur Vermeidung von Stellenverlusten bereits befristete Anstellungsverhältnisse und Stages angewandt.»

Markus Fischer

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