| Aktuell / SEV Zeitung, 1. Mai

1. Mai 2026

Löhne und Renten verteidigen – keine Abschottung

Der Tag der Arbeit stand dieses Jahr im Zeichen des Abstimmungskampfs gegen die Chaos-Initiative der SVP, die den Lohnschutz aushebeln will und Arbeitsrechte in Gefahr bringt. Der SEV war schweizweit auf der Strasse und forderte mehr Sicherheit und einen besseren Gesundheitsschutz.

«Der 1. Mai erinnert uns jedes Jahr aufs Neue daran, dass uns nichts geschenkt wird. Für jeden – auch noch so kleinen - Fortschritt bedurfte es langer und zäher Verhandlungen und Auseinandersetzungen, oft harter und entbehrungsreicher Kämpfe», sagt SEV-Präsident Matthias Hartwich in Olten vor einem vollen Saal in der Schützi. «Wir verlangen: Keine längeren Arbeitstage, keine Ausdehnung der Sonntagsarbeit, kein Angriff auf Mindestlöhne, kein Angriff auf GAV, keine Verschlechterungen beim Arbeits- und Gesundheitsschutz, kein Angriff auf die flankierenden Massnahmen, auf Lohnschutz und Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmer-Rechte.» Ein Angriff auf diese Rechte sei die Chaos-Initiative, betont er. Die Initiative für eine 10-Millionen-Schweiz habe nämlich nicht das Ziel, die Schweiz nachhaltiger zu machen, sondern die Rechte der arbeitenden Bevölkerung einzuschränken.

Auch Barbara Keller, Vizepräsidentin des SEV, warnt auf dem Berner Bundesplatz: «Die Chaos-Initiative schafft keine Stabilität, sie schafft Unsicherheit – am Ende trifft es genau die Menschen, die jeden Tag arbeiten gehen. Dieses Land funktioniert nicht wegen der wenigen ganz oben. Dieses Land funktioniert, weil Millionen Menschen jeden Tag arbeiten, pflegen, fahren, produzieren, organisieren und Verantwortung übernehmen.» Sie prangert auch den wachsenden Spardruck an: «Der öffentliche Verkehr funktioniert nicht von selbst. Ohne genügend Personal, faire Arbeitsbedingungen und stabile Finanzierung gerät das ganze System ins Wanken: weniger Verbindungen, längere Wartezeiten, gestrichene Linien – so sieht die Zukunft aus, wenn wir den öffentlichen Verkehr kaputtsparen.»

Barbara Keller, Vizepräsidentin des SEV, spricht in Bern.

SEV-Vizepräsident Pablo Guarino spricht in Freiburg und fordert einen besseren Gesundheitsschutz für das Personal: «Ein Drittel des Buspersonals ist von Burnout bedroht. Es besteht dringender Handlunsgbedarf. Gesundheit ist keine Frage der Eigenverantwortung, sondern setzt anständige Arbeistbedingungen voraus.»

Janine Truttmann, SBB-Kundenbegleiterin und SEV-Vorstandsmitglied, hält eine Rede in Biel über den wachsenden Druck, weil Bund, Kantone und Gemeinden zunehmend sparen: «Weniger Investitionen bedeuten schlechtere Arbeitsbedingungen. Weniger Personal bedeutet höhere Belastung für das verbleibende Personal. Sicherheit entsteht nicht von allein. Sicherheit braucht gut ausgebildetes Personal, genügend Zeit, funktionierende Systeme und Abläufe. Wenn hier gespart wird, dann sparen wir am falschen Ort.» Sie erzählt, wie ihr Traumberuf immer mehr in Schieflage gerät, weil Aggressionen gegenüber dem Personal zunehmen: «Ich wurde schon bespuckt. Das ist etwas vom schlimmsten, was ein Mensch erfahren muss … aber ich übe meinen Beruf immer noch sehr gerne aus, obwohl die Umstände immer schwieriger werden.»

In Brig spricht Lokführerin und LPV-Präsidentin Hanny Weissmüller. Auch sie berichtet, dass ihr Beruf immer mehr unter Druck steht, weil die SBB sogenannte «Effizienz»-Vorgaben über das Wohl des Bahnpersonals stellt. Auch sie sieht eine grosse Bedrohung in der Chaos-Initiative, über die am 14. Juni abgestimmt wird: «Diese extreme Initiative will die Personenfreizügigkeit kippen und damit die Brücken zu unseren engsten europäischen Partnern abbrechen. Das klingt nach sogenannter Souveränität, bedeutet aber: Bilaterale Verträge fallen, Arbeitsplätze sind bedroht, Lohnschutz wird geschwächt, Lohndumping erleichtert. Abschottung treibt die Teuerung an, die Kaufkraft sinkt. Wer arbeitet, spürt die Rechnung – im Portemonnaie, im Betrieb, an der Kasse.»

Lokführerin und LPV-Zentralpräsidentin Hanny Weissmüller spricht in Brig.

Der SEV war auch in anderen Städten stark präsent - unter anderem in Chur, Genf, Lausanne, Lugano, Neuenburg, Solothurn, St. Gallen und in Zürich, wo insgesamt rund 15000 Menschen auf die Strasse gingen.

Michael Spahr

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