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NGO setzen sich ein

Wasser: ein wertvolles, gefährdetes Gut

Ein Gut, das allen zur Verfügung stehen müsste, das aber immer stärker gefährdet ist. Milliarden von Menschen weltweit leiden darunter, dass sie kaum Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen haben.

Einsatz eines Wasserfilters während der Dürre in Äthiopien von 2015/2016. Foto: Schweizerisches Rotes Kreuz.

Rund 2,2 Milliarden Menschen haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser, 4,2 Milliarden haben keinen regelmässigen Zugang zu einem Bad und 3 Milliarden haben keine Grundversorgung, um sich die Hände zu waschen. Dies geht aus einem neuen Bericht von Unicef und WHO hervor.

Jeder zehnte Mensch hat noch immerkeine Grundversorgung mit Wasser

Der Bericht stellt fest, dass seit 2000 rund 1,8 Milliarden Menschen Zugang zur Grundversorgung mit Trinkwasser erhalten haben, aber bezüglich Zugänglichkeit, Verfügbarkeit und Qualität dieser Versorgung gibt es grosse Unterschiede. Es wird geschätzt, dass immer noch 1 von 10 Personen – 785 Millionen – keine Grundversorgung mit Wasser hat, 144 Millionen trinken unbehandeltes Oberflächenwasser.

Täglich sterben mehr als 700 Kinder unter 5 Jahren an Durchfall aufgrund ungenügender Wasserversorgung und Hygiene. Das sind Zahlen der Unicef, die darauf hinweist, dass bis 2040 etwa jedes vierte Kind in Gegenden leben wird, wo ausgeprägter Wassermangel herrscht.

Wassermangel und Wasserverseuchung nehmen durch Klimawandel zu

Es ist aber nicht nur eine Gefahr für die Jüngsten. Weltweit leiden über 3,5 Milliarden Personen, also rund die Hälfte der Menschheit, während mindestens einem Monat im Jahr an schwerem Wassermangel. Und rund 2 Milliarden trifft es für mindestens sechs Monate im Jahr. Gemäss Unicef leben gegen 160 Millionen Kinder in Gegenden mit hoher oder extremer Trockenheit.Dazu kommen rund 500 Millionen Kinder, die in Gegenden leben, die stark von Überschwemmungen durch extreme Wettersituationen wie Zyklone, Orkane und Stürme oder den Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. All dies erschwert den sicheren Zugang zu Trinkwasser, besonders für die Schwächsten. «Verseuchtes Wasser», hält Unicef fest, «ist eine riesige Bedrohung für das Leben der Kinder. Wasser und Klimawandel sind untrennbar miteinander verbunden. Eine Klimaveränderung kündigt sich häufig durch eine Veränderung beim Wasser an: Das Wetter kann die Menge und die Qualität des Trinkwassers beeinflussen, das die Kinder zum Überleben brauchen.»

Zahlreiche Nichtregierungs-Organisationen (NGO) beteiligen sich an Projekten, die allen den Zugang zu Wasser ermöglichen sollen. Das Schweizerische Rote Kreuz weist beispielsweise darauf hin, dass «wir uns Tag für Tag weltweit dafür einsetzen, diese Ungerechtigkeit zu beenden. Mit dem Bau von Brunnen, einfachen Latrinen und Wasserhähnen, um sich die Hände zu waschen, verbessert unsere Organisation die Hygiene und ermöglicht immer mehr Menschen, sicher und sauber zu leben.»

Wassergrundversorgung rettet Kinder

Dank sauberem Wasser, sanitären Anlagen und besserer Hygiene könnte jährlich das Leben von über 360000 Kindern unter 5 Jahren gerettet werden. Das Rote Kreuz ist deshalb weltweit tätig, damit Menschen von Trinkwasser und besserer Hygiene profitieren können. «So informieren beispielsweise in Togo und in Bangladesch Freiwillige des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds die Bevölkerung über die Folgen mangelnder Hygiene und helfen ihnen beim Bau von Latrinen und beim Reinigen des Trinkwassers. Denn sauberes Wasser und Hygiene sind zwei Grundbedingungen, um gesund zu bleiben.»

Für Informationen zu den Projekten des Schweizerischen Roten Kreuzes: www.redcross.ch

Françoise Gehring/Communiqués; Übersetzung: Peter Moor
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Der Aktionsplan von Unicef

Wasser ist ein lebensrettender Grundstoff und muss entsprechend behandelt werden. Unicef hat eine Art Roadmap formuliert, um den Zugang zu Wasser und Hygiene zu verbessern:

1) Die Methoden verbessern, wie wir Wasser gewinnen, brauchen und verwalten, um die Gasemissionen zu reduzieren. Dies ist wichtig, um den Klimawandel abzuschwächen.

2) Die Wasserversorgung auf Systeme umstellen, die mit Solarenergie betrieben werden.

3) Die Zusammenarbeit über Landes- und Regionengrenzen hinweg fördern, um die Wasservorräte zu verwalten und Klimaveränderungen zu begegnen, die sich nicht an Landesgrenzen halten. Dazu braucht es ein koordiniertes Vorgehen der betroffenen Staaten.

4) Die Wasserversorgung und die sanitären Dienste der Städte, Gemeinden, Schulen undGesundheitseinrichtungen müssen widerstandsfähig gegen Klimaeinflüsse sein, um den Zugang zu Trinkwasser für alle Kinder langfristig zu sichern.

5) Alle Beteiligten müssen die Klimarisiken bei politischen Entscheiden und Entwicklungen im Zusammenhang mit Wasser und sanitären Anlagen einbeziehen, und es müssen Investitionen getätigt werden, um die am stärksten bedrohten Bevölkerungsgruppen zu erreichen.

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