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Lokführermangel

Das Leiden der Einteiler

Zwischen Hammer und Amboss. Immer überhitzt. So fühlen sich die Leute der Planung und Einteilung bei Lokpersonal und Rangier. Der Unterbestand überfordert und überlastet die Leute, die verfügbares Personal suchen müssen, um den Bahnverkehr Tag für Tag sicherzustellen.

Der Mangel beim Lokpersonal ist ein Dauerthema in den Medien; ständig kommt es zu Verspätungen und Zugsausfällen. Der Unterbestand betrifft auch andere Bereiche (Industriewerke, Zugbegleitung und Rangier), aber eine betroffene Berufsgattung bleibt unsichtbar: die Einteiler. Sie müssen jeden Tag das Unmögliche möglich machen, damit die Züge wirklich fahren. Das Personal der Ressourcenplanung arbeitet in vier Arbeitsbereichen: Die Planung erarbeitet die Jahresdienstpläne, die Steuerung passt die Planung des fahrenden Personals und des Rollmaterials an die jeweilige Situation mit Baustellen und anderen Ereignissen an. Aufgabe der Einteilung ist es schliesslich, alle geplanten Touren einem Lokführer/einer Lokführerin zuzuteilen. Das Traffic Control Center passt schliesslich bei Verspätungen und Störungen die Einsätze an und sucht nach Lösungen, um den Verkehr am Laufen zu halten.

Spannungen mit den Lokführern

Fehlt ein Lokführer oder eine Lokführerin, ist es auch Aufgabe der Einteilung, Touren aufzuteilen und die verschiedenen Leistungen anderen Lokführern zu übergeben. Der Personalunterbestand macht dies schwierig. «Manchmal haben die Reservelokführer am Morgen schon vollständige Touren zugeteilt erhalten», erzählt ein erfahrener Einteiler aus Lausanne. «Es fehlt an Personal und Rollmaterial. Wir müssen also schauen, wo ein Lokführer noch Luft in seiner Tour hat, und ob er auf einer bestimmten Strecke mit einem bestimmten Fahrzeug fahren darf. Die Auswahl ist nicht gross.» Hanny Weissmüller, Lokomotivführerin und künftige Präsidentin des LPV bestätigt: «Es ist nicht einfach für die Einteiler. Sie müssen uns immer häufiger anrufen und zudem viele Touren verlängern. Damit wird auch unser Arbeitstag länger. Wenn man nach der Arbeit einen Termin hat, wird es kompliziert. Alle haben eigentlich genug davon, und die Telefongespräche werden manchmal etwas heftig.» Ein Einteiler aus der Deutschschweiz findet, der Kontakt mit den Lokführern verlaufe «in der Regel gut, aber in seltenen Fällen wird es etwas laut».

Hohe Unzufriedenheit

Bis 16 Uhr am Vortag müssen die Einteiler einen fertigen Plan liefern, mit einem Lokführer oder einer Lokführerin für jede Fahrt. Aber ein Einteiler verrät: «Tatsächlich wird es oft zwei, drei Stunden später, bis der Plan steht. Wir sind dauernd unter Hochspannung. Diese Arbeit kann man nicht lange machen. Meine Kollegen sind oft nahe an einem Zusammenbruch.»

Die SBB-Personalumfrage von 2019 zeigt eine sehr hohe Unzufriedenheit bei den Einteiler/innen, verstärkt noch in der Deutschschweiz. Die Arbeitslast wird sehr schlecht bewertet. Sie erhält nur gerade 28 von 100 Punkten in Zürich (Region Ost), 43 in der Westschweiz; bei der SBB insgesamt liegt der Wert bei 66. Wenig überraschend, dass das Vertrauen in die Führung in Zürich bei gerade mal 20 Punkten liegt, in der Westschweiz bei 31, SBB-weit bei 46.

Gibt es Lösungen?

«Die Arbeitsbelastung bei den Einteilern hat zugenommen, und wir sind uns bewusst, dass die aktuelle Lage schwierig ist», bestätigt SBB-Sprecher Frédéric Revaz. «Aufgrund der Personalumfrage haben wir verschiedene Massnahmen zur Stabilisierung eingeleitet. Seit diesem Frühling verbessert die SBB laufend die Zusammenarbeit zwischen den Teams von Steuerung und Einteilung. Eine spürbare Entlastung erwarten wir, wenn die Lokführerbestände wieder ausgeglichen sind», hofft er. Um in der Zwischenzeit die Arbeit besser auf die verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzuteilen, kündigt er an, dass «das Team in Lausanne um vier Personen erweitert wird, um die Einführung von Sopre Rangier zu begleiten». Auch Hanny Weissmüller sieht Lösungen und empfiehlt «einen besseren Turnus innerhalb des Teams, damit alle eine bessere Sicht aufs Ganze haben, sowohl auf die lange als auch auf die kurze Planung. Es braucht eine gute Ausbildung, ein Verständnis für die Arbeit der Lokführer vor Ort sowie gute Kenntnisse der Gesetze und der BAR.»

Ein neuer Lehrgang für Spezialist/innen der Ressourcenplanung Personenverkehr hat im September mit Klassen in Bern und Zürich begonnen. «Wenn dieses Modell funktioniert, könnte im Sommer 2022 auch eine Klasse in der Westschweiz beginnen», kündigt Revaz an. Da die Ausbildung zehn Monate dauert, werde die Verstärkung allerdings erst im Frühling 2023 bereitstehen. Das ist erstaunlich spät, angesichts der Dringlichkeit und der Unterbestände bei der Planung. Wenn der neue SBB-Chef die Pünktlichkeit als Teil der SBB-DNA zuvorderst sieht, müsste es vordringlich sein, dort die erforderlichen Ressourcen bereitzustellen, wo sie nötig sind, um die schweren Folgen der Personalverknappung auszugleichen, die seit den 2000er-Jahren vorherrscht.

Yves Sancey / Übersetzung: Peter Moor
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Kommentare

  • Stefan Berger

    Stefan Berger12/12/2020 09:17:48

    Warum wird der Einteiler Zugpersonal vergessen?!

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