| Aktuell / SEV Zeitung

Thurbo: neue BAR

Der SEV hat bei Thurbo neue Bereichsspezifische Arbeitszeitregeln (BAR) für das Zug- und das Lokpersonal ausgehandelt.

Die BAR des Lokpersonals verhandelte der SEV gemeinsam mit VSLF und Transfair (siehe Gruppenbild). Die neuen BAR enthalten massgebliche Verbesserungen bei Pausenregelungen und Wegzeiten und kommen damit vielfach geäusserten Anliegen des Lokpersonals entgegen. Das Verhandlungsergebnis steht auch im Zusammenhang mit dem Wegfall der 20-Minuten-Zeitgutschrift bei Pausen unter einer Stunde im Rahmen der AZG-Revision und dem Zeitzuschlag von 30% bei Auswärtspausen.

Von links: Urs Sennhauser, Leiter Lokpersonal Thurbo; Hubert Giger, Präsident VSLF; Christian Saxer, Leiter Finanzen Thurbo; Werner Rüegg, Gewerkschaftssekretär Transfair; Claudia Bossert, Geschäftsführerin Thurbo; Martin Allemann, Arbeitszeitspezialist SEV; Michael Burri, Lokführer VSLF; Felix Birchler, Gew.-Sekr. SEV; Res Grimm, Lokführer SEV-VPT Thurbo.

Die wichtigsten neuen Punkte sind:

  • Pro Dienstschicht ist die Summe aller unbezahlten Pausen auf maximal 60 Minuten beschränkt. Die über die ersten 60 Minuten hinausgehenden Pausenzeiten werden bezahlt.
  • Pro Dienstschicht werden pauschal 6 Minuten Wegzeit gewährt, unabhängig von der Anzahl Pausen oder Arbeitsunterbrechungen im Dienst.
  • Anstelle der bestehenden Regelung, an maximal drei aufeinanderfolgenden Sonn- und Feiertagen zu arbeiten, haben die Sozialpartner alternativ einen Vorschlag erarbeitet, den Mitarbeitenden alle vier Wochen ein ganzes freies Wochenende einzuteilen. Da damit Änderungen im Ablauf der Jahresrotation erforderlich sind, wird der Vorschlag im November 2019 dem gesamten Lokpersonal zur Abstimmung unterbreitet.

Letztere neue Regelung wurde auch für das Zugpersonal ausgehandelt und muss diesem ebenfalls noch zur Abstimmung vorgelegt werden.

BAR Zugpersonal

Neu sind darin insbesondere bisher nicht vereinbarte, aber gewährte Leistungen verbindlich festgehalten:

  • Arbeitsbeginn und -ende sind bei Stichkontrollen innerhalb definierter Zeiträume und Sektoren frei wählbar.
  • Ort, Dauer und Zeitpunkt von Arbeitsunterbrechungen und Pausen sind bei Stichkontrollen frei wählbar.
  • Für Pausen werden pro Dienstschicht sowohl bei Stichkontrollen als auch bei FQ-Touren 30 Minuten als Arbeitszeit angerechnet.
  • Für kundendienstliche Tätigkeiten wird pro Dienstschicht eine Pauschale von 12 Minuten zur Arbeitszeit angerechnet.

Genehmigung und Inkraftsetzung

Den neuen BAR Lok- und Zugpersonal muss der Verwaltungsrat von Thurbo noch zustimmen, und es gibt dazu je eine Urabstimmung des Lok- und Zugpersonals. Nur wenn dabei bei allen Verbänden ein Ja herauskommt, werden die beiden Varianten der Wochenendregelung dem gesamten Thurbo-Personal zur Abstimmung unterbreitet.

Die neuen BAR gelten – bedingt durch die notwendigen Systemanpassungen in SOPRE – ab dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2020. Auf diesen Zeitpunkt hin wird auch ein «Weissbuch» für das Zugpersonal erstellt. Für das Fahrplanjahr 2020 gelten die bisherigen BAR.

Markus Fischer mit SEV-Infos
Enable JavaScript to view protected content.

Felix Birchler zu den BAR-Verhandlungen

Wie hat der für die SEV-VPT-Sektion bei Thurbo zuständige Gewerkschaftssekretär die BAR-Verhandlungen erlebt? Und wie beurteilt er die Ergebnisse?

SEV-Zeitung: Wie sind die BAR-Verhandlungen verlaufen?

Felix Birchler: Sie begannen Ende April, und es brauchte je vier Verhandlungsrunden für die BAR Lokpersonal und die BAR Zugpersonal. Wir haben von Anfang an gespürt, dass es Thurbo ernst ist mit den Verhandlungen und sie gewisse Dinge auch neu zu denken bereit sind. In diesem Sinne waren die Gespräche sehr konstruktiv.

Was waren die Knackpunkte?

Eine jahrealte Forderung der Gewerkschaften war die Anerkennung von Wegzeiten als Arbeitszeit. Dagegen hat Thurbo stets gemauert. Dass hier ein Durchbruch erzielt werden konnte, hat sicher den Weg zu einer Einigung geebnet. Der zweite grosse Themenbereich waren die Pausenregelungen. Dort haben wir vor allem das Anliegen des Personals aufgenommen, besser vor sehr langen unbezahlten Pausen geschützt zu werden. Auch dort haben wir eine Verbesserung erreicht, mussten aber in anderen Bereichen der Pausenregelung Zugeständnisse machen.

Wie beurteilst du die Ergebnisse?

Diese Beurteilung müssen letztlich unsere Mitglieder vornehmen: «Unsere» Lokführer/innen und Zugbegleiter/innen können in einer schriftlichen SEV-Mitgliederabstimmung über die Verhandlungsergebnisse befinden. Wir als Verhandlungsdelegation sind mit den Ergebnissen aber zufrieden und sehen sie als wichtige Meilensteine.

Fi

Kommentar schreiben