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Auf den Spuren von…

Pascal Eichenberger, Automatiker

Bei der Aargau Verkehr AG kümmert sich Pascal Eichenberger um die Fahrzeugelektronik der Bremgarten–Dietikon–Wohlen–Meisterschwanden-Bahn (BDWM). Und vertritt als Präsident des SEV-VPT BDWM das Personal.

Die Kamera montieren könnte mancher, doch zum Konfigurieren und Bildfeldrichten braucht’s mehr.

Der Dreissigjährige arbeitet seit vier Jahren in der Werkstatt in Bremgarten, nur zehn Gehminuten von seiner Wohnung entfernt. Im elfköpfigen Team – inklusive Leiter und zwei Auszubildende – ist er mit einem Kollegen für die Elektronik zuständig, repariert auch etwa Steuerungen von Depotmaschinen (wie der Unterflurdrehbank für Radsätze) oder hilft den Mechanikern. Er arbeitet zu 80% und besucht am Freitagabend und Samstag die Schweizerische Technische Fachschule Winterthur (SFB). 2019 will er die eidgenössische höhere Fachprüfung in Automation machen. Diese Weiterbildung bringt ihn auf den neusten Stand der Technik, was ihm in der Praxis schon mehrfach geholfen hat.

Öfters im Führerstand

Normalerweise arbeitet Pascal Eichenberger von 7 Uhr bis 16.45. Längere Tage hat er zum Beispiel, wenn er am Morgen und Abend als Schnellzuglokführer einspringt. An manchen Wochenenden hat er Pikettdienst. Das bedeutet Alkoholverzicht, was ihn persönlich aber nicht gross stört.

Vor unserem Besuch hat er den Schnellzug längst abgestellt und die Störungsberichte und Mails gelesen. Der Cheflokführer bittet um die Sicherungsdaten eines Zuges, der auf ein Signal falsch reagiert. Daher begleiten wir Pascal Eichenberger in den Führerstand, wo er die Daten auf seinen Laptop lädt. Dabei fällt ihm auf, dass eine der 14 Kameras im Zug nicht funktioniert. Also holt er Werkzeug, ein Kabel, eine Leiter und eine neue Kamera und setzt diese für die kaputte ein. Für das Konfigurieren und Einstellen legt er das Kabel vom Führerstand bis zur Kamera, schliesst seinen Laptop an und kann darauf nun den Bildausschnitt sehen und an der Kamera einstellen. Zum Schluss führt er am Büro-PC das Zuglogbuch und die Lagerbuchhaltung nach.

Vielseitige Arbeit

Am meisten zu tun gibt zurzeit die Revision der achtjährigen DIAMANT-Züge: Einbau neuer Antennen für den Fahrgast-WLAN, Ausbau und Reinigung der Controller (für Geschwindigkeit und Fahrtrichtung), Revision der ganzen Zugelektronik, Neuladen der Software und Kontrolle aller Aggregate vor der Wiederinbetriebnahme, Probefahrten mit Bremsproben, Unterstützung der Mechaniker beim Aus- und Einbau der Drehgestelle.

Doch an unserem Besuchstag kümmert sich Pascal Eichenberger nochmals um den neuen Tacho, den er vor ein paar Wochen in ein Diesel-Notfahrzeug von 1967 eingebaut hat: Er plant und installiert eine direkte Verbindung zur Batterie, damit der Tacho beim Ausschalten des Hauptschalters weiterhin Strom hat. Bei diesen Arbeiten wollen wir nicht länger im Weg sein. Doch vor dem Abschied trinken wir zusammen noch einen Kaffee.

«Die Eisenbahn hat mich schon immer fasziniert,», erzählt Pascal Eichenberger, der im kleinen Dorf Uezwil westlich von Bremgarten aufgewachsen ist. «Wir hatten zu Hause eine Modellbahn.» Ursprünglich wollte er Lokführer werden, doch wegen dem Brillenhandicap lernte er Automatiker. 2009 wechselte er von der ABB ins Tramdepot Irchel der Verkehrsbetriebe Zürich. 2014 sah er in einem Zug der BDWM seine aktuelle Stelle ausgeschrieben, die ihm bis heute ausgezeichnet gefällt. «Unsere Arbeit ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Am Morgen weiss man nie, was einen erwartet. Die Wege in unserem kleinen Team sind kurz und unkompliziert: Wenn ich etwas brauche, dann bestelle ich es.» Daran werde die soeben erfolgte Fusion der Bremgarten-Dietikon-Bahn mit der Wynental- und Suhrental-Bahn zur Aargau Verkehr AG kaum viel ändern, zumal ihre Schienennetze nicht verbunden seien. Zusammengearbeitet hätten sie schon bisher, etwa bei der Radsatzrevision. Mehr Erfahrungsaustausch und Kooperation, vor allem bei Investitionen, seien positiv, auch fürs Personal.

Gute Sozialpartnerschaft

2016 wurde Pascal Eichenberger Co-Präsident der SEV-VPT-Sektion BDWM, mit Alt-Präsident Fritz Winterberger an seiner Seite, 2017 dann Präsident. Die Unternehmensleitung wünsche eine Sozialpartnerschaft, diese sei konstruktiv und fair. «Der neue Firmen-Arbeitsvertrag ist überraschend gut gelungen und die Leitung offen, allfällige Fehlüberlegungen zu korrigieren.» Auszuhandeln bleibt noch eine gemeinsame Pensionskassenlösung. «Bei der BDWM haben wir sehr viel in die BVK investiert und möchten das nicht verlieren.» In der Freizeit fährt Pascal Eichenberger Töff und macht im Vereinsvorstand des Kellertheaters Bremgarten mit. Er ist in festen Händen.

Markus Fischer
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