Laut Statistiken der Invalidenversicherung haben psychische Erkrankungen bei Arbeitnehmenden in der Schweiz überproportional zugenommen

Der Faktor Mensch bei der Arbeit

Während die Sensibilisierung für Sicherheit am Arbeitsplatz gesteigert und die Unfallzahlen gesenkt werden, stecken Vorsorge oder Gegenmassnahmen für psychische Belastungen der Arbeitnehmenden noch in den Kinderschuhen. Arbeitgeber tun sich schwer, ihren Verpflichtungen im Bereich des Gesundheitsschutzes nachzukommen.

Die Geschichte aus dem SEV-Berufsrechtsschutz-Alltag ist schnell erzählt und recht häufig: Ein Mitarbeiter arbeitet seit 25 Jahren oder mehr im gleichen Betrieb, kennt den Laden und die Arbeiten. Ein neuer Vorgesetzter, neue Kollegen oder veränderte Arbeitsabläufe machen dem Mitarbeiter das Leben plötzlich schwer. Er ist den Veränderungen nicht gewachsen und ist plötzlich viel öfter krank.

Die Ergebnisse der Qualifikationsgespräche sind nicht mehr so gut wie früher. Der Vorgesetzte will mehr Leistung, aber unser Mitarbeiter hat das Gefühl, er mache doch schon so viel und mehr könne er nicht. Die Stimmung wird schlechter, gegenseitige Vorwürfe häufen sich. Es kommt zu Abmahnungen und weiteren Massnahmen. Unser Mitarbeiter hält die Situation nicht mehr aus und wird ernsthaft krank. Er muss der Arbeit fernbleiben.

Schleichendes Gift Überforderung

Es entspricht den Zeichen der Zeit, dass es vorbei ist mit Lebensarbeitsstellen. Heute sollte man sich permanent weiterbilden, und man muss sich auf ständige Veränderungen einstellen. Überlastung, Leistungsdruck, schlechter Führungsstil und fehlende Wertschätzung lassen für manche die Situation am Arbeitsplatz unerträglich werden. Es kommt zu Konflikten und zu Überbelastung, und zwar nicht nur im beruflichen Bereich, sondern oft auch im Privatleben.

Die rechtliche Seite ist nur die eine Hälfte

Bei einem Arbeitsplatzkonflikt geht es nicht primär um Rechtsfragen. Diese sind schnell geklärt: Der Arbeitgeber darf im Rahmen des Gesetzes Forderungen stellen und der Arbeitnehmer hat diese nach Massgabe seines Arbeitsvertrages zu erfüllen. Um einen Konflikt beizulegen und Verletzungen, die daraus entstanden sind, zu «heilen», braucht es mehr als das Gesetz. Es braucht eine kompetente Personalführung sowohl in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht.

Die teure Folge: steigende Krankheitskosten

Psychische Erkrankungen aufgrund einer Arbeitsplatzproblematik müssen meistens medizinisch behandelt werden. Dies hat nebst vermehrten Absenzen auch höhere Krankheitskosten zur Folge.

Prävention

Arbeitsplatzkonflikte wären, würden sie rechtzeitig thematisiert und angegangen, relativ schadlos zu lösen. Beide Seiten müssten das Ihre dazu beitragen. Vielleicht könnte hier ein Coaching helfen, einander wieder mit allen Stärken und Schwächen respektieren zu lernen.

Führungspersonen sollten ihre Mitarbeitenden nach ihrem Können beurteilen und nicht nach ihrem Unvermögen. Rechtzeitige Unterstützung, Lob und Hilfestellung könnten dazu beitragen, dass ein Konflikt gar nicht erst entsteht. Es ist Teil der Führungsverantwortung, Konflikte möglichst früh zu erkennen und anzugehen. Gefordert sind jedoch beide Seiten: die Arbeitnehmenden wie die Vorgesetzten.

Hilfe

Fachleute des SEV-Berufsrechtsschutzes bieten bei Arbeitsplatzkonflikten ihre Unterstützung an. Meldet euch rechtzeitig.

Rechtsschutzteam SEV

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