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General- und Delegiertenversammlung FSG

«Ein schmerzhafter Abschied von Samedan»

Die Ferien- und Skihausgenossenschaft der Eisenbahner (FSG) wird die Liegenschaft in Samedan verkaufen. Nach einer emotionalen Diskussion haben die Genossenschaftsmitglieder grossmehrheitlich den Delegierten das Vertrauen ausgesprochen. Die Delegierten hatten bereits 2025 den Beschluss gefasst, die Feriensiedlung zu verkaufen.

Eine deutliche Mehrheit spricht sich für den eingeschlagenen Weg aus: Verkauf von Samedan.

Über hundert Genossenschaftsmitglieder der FSG treffen sich am 23. April 2026 in der Linde Stettlen. Der grosse Saal ist voll, die Stimmung emotional, denn es geht um einen traurigen Abschied in der traditionsreichen Geschichte der FSG. Samedan, eines der drei Feriendomizile, soll verkauft werden. Die beiden anderen Domizile in Grindelwald und auf der Bettmeralp könnten durch diesen Verkauf gestärkt werden.

Genossenschaftspräsident Patrick Eicher führt durch die Versammlung, die zugleich die 28. Generalversammlung und die 63. Delegiertenversammlung der FSG ist. Er eröffnet gleich zu Beginn die Diskussion zum umstrittenen Thema. Auf Grund eines Prozesses, der bereits 2023 gestartet wurde, kam die Verwaltung zum Schluss, dass es sinnvoll ist, das Feriendomizil in Samedan zu verkaufen. Der Sanierungsbedarf der in die Tage gekommenen Siedlung ist enorm gross geworden. Sowohl die Renovation als auch ein allfälliger Neubau wären für die FSG finanziell nur sehr schwer zu stemmen. Allein die Dachsanierung würde über rund 600 000 Franken kosten. Eine Dachsanierung würde realistischerweise unausweichlich in einer Totalsanierung der ganzen Siedlung enden, was wiederum Millionen verschlingen würde. Auch bei einem Neubau müssten die Mietpreise für die Wohnungen massiv erhöht werden, um diese Kosten einigermassen zu amortisieren. Das wiederum würde dem Zweck der FSG widersprechen, nämlich preisgünstige Ferienangebote anzubieten. Ein Verkauf der Liegenschaft hingegen wäre eine Chance für die FSG. Das Geld könnte in die beiden verbleibenden Ferienangebote in Grindelwald und auf der Bettmeralp investiert werden, deren Unterhalt ebenfalls Kosten für die Genossenschaft verursacht.

Diamant oder Kostenfalle?

«Man sollte ein Diamant nicht aus der Hand geben», sagt ein Genossenschafter, der sich gegen den Verkauf wehrt. «Man muss Samedan retten, viele Familien sind seit Jahrzehnten stark verbunden mit der Feriensiedlung. Der Verkauf stellt die Existenz der FSG in Frage.» Tatsächlich ist die emotionale Bedeutung der Siedlung für viele Anwesende im Saal gross, die über Generationen Ferien in Samedan verbracht haben. «Mein Herz ist auch dagegen», erwidert ein anderer Genossenschafter, «aber die Vernunft spricht leider für den Verkauf.» Zwei Genossenschafter haben selbständig ein von der Verwaltung unabhängiges Gutachten verfasst. Sie wollten aufzeigen, dass es Möglichkeiten gibt, Samedan für die FSG zu retten. «Leider kamen auch wir zum Schluss, im Interesse der Genossenschaft muss Samedan verkauft werden.»

Die Delegierten hatten bereits am 3. September 2025 an einer ausserordentlichen DV einstimmig beschlossen, die Liegenschaft zu verkaufen. An der Generalversammlung wird deshalb nicht direkt über den Verkauf abgestimmt, sondern über Statutenänderungen. Diese würden der DV gewisse Entscheidungskompetenzen absprechen und sie an die GV übertragen. So könnte der Verkaufsentscheid nachträglich rückgängig gemacht werden. Die GV spricht sich schliesslich mit rund 80% Nein-Stimmen klar gegen diese Statutenänderungen aus. Somit bleibt der Entscheid der DV, Samedan zu verkaufen, bestehen. Mindestens bis Ende erstes Quartal 2028 bleibt Samedan im Besitz der FSG und kann weiterhin für Ferien gebucht werden.

Schliesslich verabschiedet die GV noch die Jahresrechnung 2025, die einen kleinen Gewinn vorweist, und den Voranschlag 2026. Sie wählt zwei neue Mitglieder in die Kontrollstelle: Urs Frank (Ersatz für Ronald Sidler) und Stefan Bruderer (Ersatz für Reto Lindegger). Ausserdem verabschiedet sich der Vorstand vom Sekretär Franz Rindlisbacher, dessen Nachfolge noch nicht geregelt ist. Beim anschliessenden Apéro ist die Stimmung gelassen und versöhnlich.

Michael Spahr

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