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Auf den Spuren von …

Peter Bernet, Busfahrer

Morgen ist Peter Bernets letzter Arbeitstag. Er hat 31 Jahre bei den TPL gearbeitet, im Verkehr von Lugano, der grössten Stadt im Tessin.

Peter Bernet hat diesen Freitag seinen letzten Arbeitstag bei den Verkehrsbetrieben von Lugano.

10 Uhr 15, Linie 1: Peter Bernet startet pünktlich Richtung Le Fornaci. Die Seepromenade erstrahlt in wunderbarem Licht, wir fahren vor dem Kulturzentrum Lac vorbei nach Paradiso. Ein rascher Blick und ein Lächeln: «Du hast den begehrtesten Platz gewählt.» (Nahe beim Fahrer.) Um diese Zeit gibt es nicht viel Verkehr, die Leute steigen in Ruhe ein und aus, und Peter Bernet kann seine Fahrt ohne Hindernisse fortsetzen, mit aufmerksamem Blick auf Strasse, Autos und Fussgänger, besonders jene, die die Strasse überqueren, ohne sich umzuschauen. «Wir fahren präventiv, das heisst, wir versuchen, die Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer möglichst vorauszusehen.»

Peter Bernet kam in den 70er-Jahren ins Tessin, um Italienisch zu lernen, und lebte sich in der lateinischen Kultur schnell ein. Er machte eine Lehre in einer Giesserei, arbeitete als Fahrer bei einer Mineralwasserfirma und landete bald im öV, wo er nun seit 31 Jahren tätig ist. Er hat das Fahren dermassen im Blut, dass er höflich ablehnte, als ihm die Luganeser Verkehrsbetriebe (TPL) anboten, in die Billettkontrolle zu wechseln: «Ich liebe das Fahren, bin gern unter den Leuten und im Stadtgewühl.» Kann dieses Gewühl nicht auch stressig sein, fragen wir. «Das stimmt», antwortet Peter Bernet. «Deshalb brauchen wir Chauffeure viel Geduld und kühlen Kopf. Im Stadtverkehr gilt es unzählige Dinge zu beachten. Da muss man Ruhe bewahren, um den Überblick zu behalten.»

Das ist leichter gesagt als getan, besonders in den Stosszeiten, wenn alle raschmöglichst nach Hause wollen und viele müde sind von der Arbeit. Da gleichen die Strassen voller Autos, Fussgängerinnen und Velofahrer einem Ameisenhaufen. Hinter jedem dieser Menschen stehen unzählige Geschichten, Erfahrungen und Alltagserlebnisse. Bei all dem muss der Fahrer voll konzentriert bleiben, um die ihm anvertrauten Passagiere sicher ans Ziel zu bringen. Und aggressives Verhalten der Fahrgäste wegstecken können, wenn Staus zu Verspätungen führen. «Gerade da müssen wir Fahrer/innen geduldig sein. Das gehört zu unserem Beruf. Ich muss aber auch sagen, dass viele Fahrgäste unsere Arbeit schätzen und uns beim Ein- und Aussteigen grüssen. Besonders die heutigen Jungen, die oft schlechtgeredet werden.»

Wir fahren auf der Linie 1 weiter. Das Licht ist nicht mehr gleich. Peter Bernet grüsst die vorbeifahrenden Kolleg/innen. «Um diese Tageszeit haben wir kaum Probleme. Doch im Strassenverkehr weisst du nie, was als Nächstes geschieht. Hinter jeder Ecke lauert Unvorhergesehenes. Die Erfahrung hilft uns Fahrern, eine Situation rasch zu beurteilen und sofort die erforderlichen Massnahmen zu treffen. Es wäre auch schön, wenn wir in Lugano an den Ampeln systematisch Vorfahrt hätten, so wie in den meisten Schweizer Städten. Doch dem ist leider nicht so.» Da spricht der Gewerkschafter Peter Bernet: nationaler Vizezentralpräsident des SEV-Unterverbands VPT und – nur noch für kurze Zeit – Präsident der VPT-Sektion Sottoceneri, eine Funktion, in der er seit vielen Jahren hohes Ansehen geniesst.

«Die Gewerkschaft ist sehr wichtig, gerade jetzt, wo Wettbewerb und Liberalisierung die Unternehmen immer stärker unter Druck setzen und damit auch das Personal. Deshalb ist es wichtig, die Arbeits- und Anstellungsbedingungen zu schützen. Gute Arbeitsbedingungen sind die Voraussetzung dafür, dass wir die erwarteten Dienstleistungen erbringen können, in guter Qualität und für alle Leute. Nur mit einem hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad können wir eine solide vertragliche Sicherheit aufbauen. Gute Arbeitsbedingungen sind auch für das Unternehmen ein Plus, denn es kann so auf treue Mitarbeitende zählen.»

Freut sich Peter Bernet auf die Pensionierung? «Ja. Ich habe meinen Beruf wirklich geliebt. Dank ihm habe ich viele wunderbare Menschen kennen gelernt, und ein paar andere dazu (er lacht). Nun will ich auch ein bisschen an mich selber denken.» Das vergönnt ihm sicher niemand. Wobei er im SEV weiter aktiv bleibt, als Vizezentralpräsident des VPT und im SEV-Vorstand. «So rasch werdet ihr mich nicht los», sagt er lachend. Zum Glück, denn Peter Bernet leistet einiges für unsere Gewerkschaft. «Doch die VPT-Sektion Sottoceneri ist in guten Händen», fügt er an, «die Vorstandsmitglieder sind hoch motiviert und bestens geeignet, der Sektion ihren eigenen Stempel aufzudrücken, so wie es sich gehört.»

Wir fahren wieder der Seepromenade entlang. Ein Plakat wirbt für eine Magritte-Ausstellung. «Magritte, die Lebenslinie», steht darauf. Das Leben von Peter Bernet wird künftig anderen Linien folgen. Bestimmt wird es ihn öfters in seine geliebten Berge ziehen, wo er immer wieder gerne Ruhe sucht. Denn der Mann, der das Stadtgewühl liebt, liebt auch die Orte, wo man die Sterne besser sieht.

Françoise Gehring/Fi

Kommentare

  • Gay-crosier marc

    Gay-crosier marc 27/09/2018 09:03:29

    Bravo chers collgues, bonne retraite et profite bien
    Cordiales salutations.
    Gay-Crosier Marc retraite tl Lausanne depuis 15 ans après 41 ans de service

  • Bernard MILLIOUD

    Bernard MILLIOUD 27/09/2018 15:23:38

    Cher Peter,
    Bravo et félicitation pour cette magnifique carrière aux transports publics Je n'oublie pas ta participation au SEV. et particulièrement à la VPT. Avec mes meilleurs souvenirs du Comité
    Central et tous mes voeux pour ta retraite et ta santé. Amitié.

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