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Abbau bei SBB Cargo: «G-enesis» gefährdet Zukunft und Verlagerung – Wird Notbremsung verpasst?

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV ist konsterniert. «Allen unseren Warnungen zum Trotz setzt SBB Cargo ihren Totalumbau fort und gefährdet damit ihre Zukunft und eine erfolgreiche Verlagerung», stellt Philipp Hadorn fest, der verantwortliche SEV-Gewerkschaftssekretär für SBB Cargo. Die aktuelle sechste Tranche der Reorganisation «G-enesis» betrifft rund 200 Mitarbeitende.

Seit Monaten (!) warnt die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, dass mit dem geplanten «G-enesis»-Totalumbau von SBB Cargo die Millioneninvestition des Bundes zur Förderung des Einzelwagenladungsverkehrs (EWLV) in den Jahren 2026 bis 2029 ohne nachhaltigen Erfolg zu verpuffen droht. «Dies widerspricht dem Willen des Parlamentes, das mit dem Leistungspaket für den EWLV von 260 Mio. Franken die Verlagerung sichern wollte», sagt Philipp Hadorn, der bei der Revision des Gütertransportgesetzes 2015 selbst noch Mitglied des Nationalrates war.

Der SEV ist verärgert darüber, dass frühere und aktuelle Manager:innen von SBB und SBB Cargo jeweils die geforderte Eigenwirtschaftlichkeit des EWLV als erreichbar deklarierten, was die Politik mit Genugtuung in die Gesetzgebung einfliessen liess. Für den SEV ist klar: Der laufende Totalumbau kann den EWLV ebenso wenig eigenwirtschaftlich machen wie die bisherigen Reorganisationen wie bspw. der «WLV 2017», solange die Rahmenbedingungen den Strassentransporteuren eine kostengünstigere Produktion ermöglichen.

«Statt der bisherigen ‘Pflästerli-Politik’, die trotz Lippenbekenntnis zur Eigenwirtschaftlichkeit Hunderte Millionen Franken an Steuergeldern gekostet und den Niedergang des EWLV mit entsprechender Verlagerung auf die Strasse nicht verhindert hat, braucht es endlich den Mut, den Güterverkehr als Service public zu deklarieren und auf dieser Basis neu zu organisieren, wie es beim Personenverkehr und der Infrastruktur schon längstens der Fall ist», fordert Philipp Hadorn.

«Mit einer ehrlichen Zusage an SBB Cargo, den EWLV ohne die unerreichbare Eigenwirtschaftlichkeit weiterzuentwickeln, könnte eine Verlagerung erfolgreich aufgegleist werden. Die SBB könnte ihre Fehlentscheidungen korrigieren und für die Mitarbeitenden eine Zukunft in dieser systemrelevanten Branche sichern – systemrelevant für die Versorgung des Landes und das Klima! Es darf nicht sein, dass die engagierte, aber durch die ständigen Reorganisationen verunsicherte Belegschaft erneut einen hohen Preis für Fehlleistungen bezahlen muss, die nicht in ihrem Einflussbereich stehen!»

Auf jeden Fall muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass alle Direktbetroffenen gute berufliche Perspektiven behalten.

Letzter Moment für die Notbremse

Es braucht jetzt eine Neupositionierung und Neubeurteilung zugunsten der Verlagerung! Eine Notbremsung von «G-enesis» könnte immerhin noch einen Teil des bereits provozierten Schadens eindämmen, nämlich eine weitere Verkehrsverlagerung auf die Strasse und den Abbau Dutzender Stellen in der Cargo-Produktion verhindern, verbunden mit beruflicher Neuorientierung und Unsicherheit für die Betroffenen – sowie Know-how-Verlust und absehbaren Fachkräftemangel für das Unternehmen. Denn nach der aktuellen Konjunkturflaute wird die Nachfrage nach Bahntransporten bald wieder wachsen und SBB Cargo dann händeringend Fachkräfte suchen.
 

Für Auskünfte steht zur Verfügung:

Philipp Hadorn, Gewerkschaftssekretär und Leiter SEV-Team Cargo, 
 

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