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Viermal Ja

Vier Stimmen aus der SEV-Verhandlungsdelegation zu den neuen BAR

SEV, Unterverbände und Sektionen haben an zahlreichen SBB-Standorten Info-Anlässe zu den neuen BAR durchgeführt – hier in Basel am 19. Februar. Weitere Anlässe sind noch am 30. März in Biel sowie am 2. April in Chur und Freiburg geplant.

SEV-Mitglieder beim Personenverkehr SBB, die von den vier neuen bereichsspezifischen Arbeitszeitregelungen betroffen sind, erhalten vom SEV demnächst die Unterlagen zum Abstimmen über die BAR ihrer Berufskategorie. Je ein Vertreter der vier Berufskategorien, die in der zehnköpfigen Verhandlungsdelegation des SEV mitverhandelt haben, nehmen hier Stellung zum Verhandlungsresultat für ihre Kategorie.

Christof Brülhart.

Vom Rangierpersonal beantwortet Christof Brülhart unsere Fragen. Er ist Vizepräsident des RPV Winterthur-Schaffhausen.

Vom Reinigungspersonal nimmt Juan José Colomer Stellung. Er gehört dem Vorstand des RPV Zürich an.

Wie habt ihr persönlich diese BAR-Verhandlungen erlebt?

Christof Brülhart: Die Verhandlung zog sich in die Länge, da sie sehr komplex war und deutlich mehr Zeit beanspruchte als vorgesehen. Da sich die Fronten vor allem gegen Ende verhärteten, wurde es sehr anstrengend und nervenaufreibend, aber am Ende gab es eine vernünftige Lösung.

Juan José Colomer: Am Anfang war ich neugierig darauf, wie die Verhandlungen sein würden. Nachher, sobald wir damit anfingen, erlebte ich sie als etwas sehr Belastendes, auch wegen des Inhalts.

Juan José Colomer.

Was sind positive Verhandlungsresultate für eure Berufskategorien Cleaning und Rangier?

J. J. Colomer: Der grösste Erfolg für mich ist die Festlegung der Mindestruheschicht auf 11 Stunden sowie die Beschränkung der Nachtarbeit auf maximal 5 Tage hintereinander.

C. Brülhart: Die rollierende Wocheneinteilung, durchgehende Schichten und die 11-Stunden-Regel.

Was sind negative Punkte?

C. Brülhart: Die genaue Umsetzung vor allem an kleineren Standorten könnte sehr herausfordernd werden.

J. J. Colomer: Ich bin skeptisch gegenüber dem Wunsch/Präferenz-System, , dass die Wünsche umgesetzt werden. Aus diesem Grund hoffe ich, dass aus dem Wunschsystem nicht ein Frustrationssystem wird.

Überwiegt für eure Berufskategorien das Positive oder das Negative?

C. Brülhart: Ich denke, wenn das neue System richtig und sinnvoll umgesetzt wird, ist es besser als das alte.

J. J. Colomer: Für die Clean-Mitarbeitenden gibt es aus meiner Sicht mehr positive als negative Punkte in der neuen BAR.

Eure Gesamtbeurteilung?

C. Brülhart: Wir haben einige gute Pflöcke eingeschlagen, aber es ist wichtig, sie richtig umzusetzen, damit es keine Schlupflöcher gibt.

J. J. Colomer: Seitens Clean war eine neue BAR dringend nötig, weil wir aktuell mit veralteten Regelungen arbeiten, z.B. was die Kommunikationsfristen der Monatseinteilung und der Jahreseinteilung betrifft, welche 2013 festgelegt und bis heute nicht geändert wurden. Mit der Erneuerung der BAR Clean und der Integration der neuen Kommunikationsfristen sind diese für die Clean-Mitarbeitenden wieder aktualisiert und im Einklang mit den neuen Zeiten, die auf uns zukommen. Für die Balance zwischen Privat- und Berufsleben, die in unserem Beruf durch die Schichtarbeit erschwert wird, ist dies ein kleiner Schritt nach vorne, auch wenn ich mir bewusst bin, dass es noch viel Verbesserungspotenzial gibt.

Eure Abstimmungsempfehlung?

J. J. Colomer: Ich empfehle meinen Kolleginnen und Kollegen ein klares Ja.

C. Brülhart: Ich empfehle ein Ja, da ein Nein verheerend bis katastrophal wäre.

 

Christoph Erker.

Christoph Erker, Co-Ressortleiter Personenverkehr im Unterverband LPV, sagt als Vertreter des Lokpersonals:

«Seit dem Abschluss der BAR-Verhandlungen wird die neue BAR heiss diskutiert und hat einiges an Kontroversen ausgelöst. Beginnend mit der Einteilungsphilosophie. Diese hat Positives als auch Negatives. Positiv ist, dass wir Leitplanken für das neue System setzen konnten und diese bei genauer Betrachtung strikter sind als zuvor. Die Rotationen können persönlich beeinflusst und jährlich verändert werden. Die Schichtlagen sind über das ganze Jahr fix, viele Vorlieben können eingestellt werden und die Fristen für Monats- und Tageseinteilung sind weiter in der Zukunft als bisher.

Unabhängig von der Einteilungsphilosophie machen folgende fünf positiven Punkte die neuen BAR aus:

1. Die Freitage an den Weihnachts- und Neujahrsfeiertagen sind im Jahr vorher bereits bekannt, so kann endlich früh geplant werden und nicht erst kurz vor Fahrplanwechsel.

2. Die Arbeitsschicht dauert zukünftig maximal 10,5 Stunden, wir haben eine halbe Stunde für uns gewonnen.

3. Neben-Arbeitsunterbrechungen müssen zukünftig grundsätzlich an Orten stattfinden, an denen eine nicht öffentliche sanitäre Anlage erreichbar ist.

4. Selbst die umstrittene Einsatzvorbereitungszeit hat den Vorteil, dass nun ganze 20 Minuten anerkannt werden und die 16 Minuten stets en bloc stattfinden.

5. Verständigungsfristen und diverse andere Regeln werden in die BAR überführt und neu verhandelt.

Die umstrittensten Punkte der neuen BAR haben mit der Einsatzvorbereitung und der Einteilungsphilosophie zu tun. Die 4 Minuten zu Dienstbeginn sind knapp, aber ausreichend. Die grossen Arbeiten werden pauschal abgegolten und in der Tour geplant, sollte dies nicht möglich sein, rutschen diese an den Schluss. Selbstverständlich bleibt es uns frei, wann wir diese Arbeiten erledigen.

Die bekannten Rotationen, welche wir die letzten Jahre hatten, fallen weg zugunsten einer individuellen Jahresrotation. Diese kommt nun jedes Jahr neu am 15. November. Da die Eingabe von Ferien bereits Mitte Jahr beginnt, können somit die Ferien nicht mehr gleich günstig gesetzt werden wie bis anhin.

Würde die neue BAR nicht angenommen, bliebe die jetzige BAR bestehen und die Einteilungsphilosophie würde trotzdem umgesetzt.

Die fünf positiven Punkte plus die Möglichkeit, die eigenen Vorlieben besser einbringen zu können, sind meine Punkte, um die BAR anzunehmen.»

 

Ralph Kessler.

Ralph Kessler, Zentralpräsident des Unterverbands ZPV, sagt als Vertreter des Kundenbegleitpersonals:

«Im Jahr 2025 wurden die bereichsspezifischen Arbeitszeitregelungen (BAR) für den Bereich Kundenbegleitung neu verhandelt. Unsere berechtigten Forderungen wurden im Jahr 2024 an mehreren Zentralvorstandssitzungen des ZPV ausgearbeitet. In diesen Forderungen wurden auch die vorhandenen Anträge der Delegiertenversammlungen ZPV miteinbezogen.

Bei den SBB standen die Verhandlungen von Anfang an unter dem Zeichen ‹Sparen›. So wollten die SBB beispielsweise bestehende Regelungen bei der maximalen, unterbrochenen Arbeitszeit von heute 4 ½ auf 5 Stunden erhöhen.

Die Verhandlungen beinhalteten auch die Regelungen für das neue Einteilungsprogramm IVU.rail, welches sich in den neuen BAR unter dem Titel «Einteilungsphilosophie» widerspiegelt. Auch hier wollten die SBB eine möglichst grosse Flexibilität des Personals haben und Monats- und Tagesplanungen möglichst am effektiven Bedarf abbilden. Dies hätte dazu geführt, dass das Personal in gewissen Monaten mehr als 6 Tage am Stück und mit weniger als 9 arbeitsfreien Tagen pro Monat eingeteilt worden wäre. Solche Ideen sind in der heutigen Zeit, wo das Personal so hohen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt ist, schlicht nicht nachvollziehbar. Im aktuellen GAV der SBB (Anhang 4 Ziffer 2) ist klar vermerkt, dass auch für das unregelmässig arbeitende Personal gleichwertige Lösungen analog einer 5-Tage-Woche zu realisieren sind:

Die betriebliche Fünf-Tagewoche wird realisiert, indem die Ruhetage und Ausgleichstage so zugeteilt werden, dass eine gegenüber der durchgehenden Fünf-Tagewoche gleichwertige Lösung besteht.

Leider helfen uns hier das Arbeitszeitgesetz (AZG) und die dazugehörende Verordnung auch nicht: das AZG lässt beispielsweise 13 Arbeitstage am Stück zu – in der heutigen Zeit schlicht unvorstellbar!

So konnten wir die volle Flexibilität der SBB entsprechend eingrenzen, indem maximal 6 Arbeitstage am Stück eingeteilt werden dürfen, sofern die entsprechende Präferenz im System hinterlegt ist. Ebenfalls sollen als Zielwert mindestens 9 arbeitsfreie Tage pro Monat eingeteilt werden. Die maximale Dienstschicht ist auf 11 Stunden begrenzt – Ausnahmen gibt es im internationalen Verkehr sowie für Fantransporte.

Verhandlungen sind immer ein Geben und Nehmen: Grossmehrheitlich konnten wir aktuell geltende Regelungen in die neuen BAR überführen und auch mit der neuen Einteilungsphilosophie klare Regelungen und Grenzwerte mit entsprechenden Fristen in der Einteilung definieren. Der grösste Vorteil ergibt sich für die SBB ganz klar aus den neuen Regeln für Nebenarbeiten. Hingegen gibt es neu einen Selbstlerntag zur Vorbereitung auf die periodische Prüfung gemäss ZSTEBV, der alle 5 Jahre einmal gewährt wird.

Mit der SBB wurde vereinbart, dass bezüglich Doppelbegleitungen, Schlusskontrollen bei Doppelstockzügen und Teilzeitmodellen neue Regelungen ausgearbeitet werden sollen. Und darunter verstehen wir nicht, die heutigen teilweise unbefriedigenden Zustände einfach niederzuschreiben!

Die Mitglieder der Verhandlungsdelegation SEV-ZPV sind klar der Meinung, bei den BAR-Verhandlungen unter der aktuellen Lage der SBB das Maximum für die Mitarbeitenden der Kundenbegleitungen herausgeholt zu haben, und empfehlen euch daher, das Resultat anzunehmen.»

Fragen: Markus Fischer