Neue Studie Gesundheit Buspersonal
Erkenntnisse sind besorgniserregend
Welche Faktoren beeinflussen die Arbeitsbedingungen und die Gesundheit von Busfahrerinnen und Busfahrern in der Schweiz? Mit dieser Frage befasste sich eine Konferenz am Institut für öffentliche Verwaltung in Lausanne. Erfahrungsberichte aus der Praxis, wissenschaftliche Ergebnisse der von Unisanté durchgeführten Trapheac-Studie sowie Reaktionen des SEV und der Behörden zeichnen ein besorgniserregendes Bild.

Bereits in der ersten Podiumsrunde der Konferenz vom 24. April machen die Busfahrerinnen und Busfahrer deutlich, was in ihrem Berufsalltag nicht stimmt: lange Dienstzeiten, chronische Müdigkeit, permanenter Stress, unzureichende Pausen. Die geschilderten Schwierigkeiten decken sich mit jenen, auf die die Gewerkschaften seit Jahren hinweisen.
«Die Dienstpläne sind nicht mehr an die Realität von 2026 angepasst», erklärt Malika Meyrat, Busfahrerin bei TransN, und betont die Auswirkungen auf Privatleben und Erholung. René Tercier, der dreissig Jahre Berufserfahrung hat, hebt die wachsende Erschöpfung hervor: «Man muss ständig alles im Blick haben. Lange und unregelmässige Arbeitstage zermürben.»

Gilbert D’Alessandro, Busfahrer bei den TPF und Zentralpräsident des Unterverbands VPT, der die Interessen des Buspersonals vertritt, bringt die Situation auf den Punkt: «Die Logik der Sparpolitik verschlechtert die Arbeitsbedingungen. Zwischen zwei Diensten bleiben manchmal nur sechs bis sieben Stunden effektiver Schlaf.» Seiner Ansicht nach ist die heutige Gesetzgebung zur Arbeitszeit (AZG) «nicht mehr an die realen Bedingungen des Berufs angepasst». Diese Aussagen verleihen den anschliessend von Unisanté präsentierten Zahlen ein konkretes Gesicht und machen deutlich, dass es sich bei der Trapheac-Studie nicht um eine abstrakte Erhebung, sondern um eine seriöse wissenschaftliche Forschungsarbeit handelt. Diese wurde mit und für die Betroffenen durchgeführt.
Erschöpfung, Stress, Muskel- und Skeletterkrankungen: Zahlen sprechen für sich
Zu den Ergebnissen zur Erschöpfung erklärt eine Referentin: «Jeder zusätzliche Tag mit einer Tagesamplitude von mehr als zehn Stunden erhöht das Erschöpfungsrisiko um 13 %, bei erlebten Aggressionen gar um 36 %.» Besonders alarmierend ist, dass 13 % der Befragten angeben, täglich Übergriffe von Fahrgästen zu erleben, und dass 44 % täglich der Aggressivität anderer Verkehrsteilnehmer:innen ausgesetzt sind.

Die Präsentation von Gesundheitsforscherin Viviane Remy macht die zentrale Rolle des Stressmanagements klar. Arbeitsbelastung, Bedrohungen und Ängste – insbesondere im Zusammenhang mit Aggressionen – lassen den beruflichen Stress stark steigen. Die Studie zeigt auch einen konkreten Hebel auf: Pausen. «Ausreichend lange Pausen an einem ruhigen Ort haben eine klare Schutzwirkung», betont Remy. Dennoch verfügt nur eine Minderheit der Fahrer:innen über angemessene Pausenangebote.
Muskel- und Skeletterkrankungen vervollständigen dieses Bild. Dušan Petrović erinnert daran, dass 67 % der Teilnehmenden unter Nackenschmerzen leiden und fast 60 % unter Schmerzen im unteren Rücken – deutlich höhere Anteile als in der Allgemeinbevölkerung (11 %). Vibrationen, Stress und eine nicht optimal genutzte Ergonomie zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren. «Selbst moderne Ausrüstung kann problematisch werden, wenn die Zeit fehlt, sie korrekt einzustellen», erklärt er.
Politische Versprechen und gewerk-schaftliche Erwartungen
Angesichts dieser wissenschaftlich fundierten Befunde erkennen die Vertreter der Behörden die Schwere der Situation an. Martin von Känel, Direktor des Bundesamts für Verkehr, zeigt sich «beeindruckt von der Tiefe der Analysen» und räumt ein, dass «Dienstpläne und Erholung besser berücksichtigt werden müssen». Er spricht von der Notwendigkeit eines Drei-Parteien-Dialogs sowie von Pilotprojekten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Für die Gewerkschaften bleiben diese Zusagen jedoch noch zu vage. Pablo Guarino, Vizepräsident des SEV, stellt klar: «Diese Studie gemeinsam mit der Wissenschaft ist entscheidend, weil sie unseren Forderungen eine objektive und solide Grundlage gibt. Jetzt müssen den Erkenntnissen Taten folgen.»

Ein weiterer Punkt prägt die Debatte: die Absenzen, die häufig über 10 % liegen. Dies entspricht Kosten in Höhe von mehreren Dutzend Millionen Franken als Folge gesundheitlicher Beeinträchtigungen. Die Unternehmen hätten ein unmittelbares Interesse daran, die Gesundheit ihres Personals zu verbessern, etwa durch den Einsatz bezahlter Reservekräfte, die den Druck auf die bestehenden Teams mindern könnten.
Weitere Sorgen betreffen Schlafstörungen sowie Verdauungs- oder Harnwegsprobleme, die direkt mit unregelmässigen Arbeitszeiten, unzureichenden Pausen und einer Störung des zirkadianen biologischen Rhythmus zusammenhängen. Das Team von Unisanté kündigte hierzu bereits eine laufende Folgestudie an.
Der Kontrast zwischen dem Handlungsbedarf, den die Trapheac-Studie aufzeigt, und der Langsamkeit der politischen Reaktionen ist frappant. Wie ein Teilnehmer zusammenfasst, müsste «die Investition in die Gesundheit des Personals genauso prioritär werden wie die Investition in die Infrastruktur».
Die Konferenz zeigt eines eindeutig: Die Probleme sind klar dokumentiert, beziffert und analysiert. Die Frage ist nicht mehr, ob die Arbeitsbedingungen der Busfahrerinnen und Busfahrer ihrer Gesundheit schaden, sondern wann und wie die Entscheidungsträger ihre Versprechen einlösen werden, den Gesundheitsschutz zu verbessern. Für den SEV stellt die Trapheac-Studie einen entscheidenden Hebel dar: ein robustes wissenschaftliches Instrument, um die Anerkennung der festgestellten Probleme und konkrete Verbesserungen zu fordern.
Yves Sancey
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