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Auf den Spuren von …

Sylvian Sahli, Elektroniker

Sylvian Sahli ist ein sehr aktiver SEV-Gewerkschafter im SBB-Werk Yverdon-les-Bains und gehört dem Vorstand des TS Romandie an. Der 40-jährige Elektroniker mit dem ständigen Lächeln im Gesicht gibt Einblick in seinen Beruf und erzählt über die Wurzeln seines Engagements.

Sylvian Sahli bei der Reparatur einer automatischen Flirt-Kupplung.

«Mein GAV – ein Geschenk des Himmels» steht auf dem Button, den Sylvian Sahli Anfang Jahr an sein Überkleid geheftet hat und der dort auch weiter dranbleibt. «Dieses Jahr war das Interesse für den GAV im Werk Yverdon sehr gross», erzählt er. «Die starke Präsenz der Sektion TS Romandie und der SEV-Profis hat sich gelohnt. Bei der Demo vom 18. Juni in Lausanne sah ich Kollegen, von denen ich nie erwartet hätte, dass sie auf die Strasse gehen.»

Aktive SEV-Sektion in Yverdon

Sylvian Sahli spricht gewandt, mit überzeugtem Blick und einem gewinnenden Lächeln. Die diesjährige Kampagne für den GAV ist für ihn vorbildlich für die weitere Gewerkschaftsarbeit, «auch wenn es nicht immer so starke Themen gibt, mit denen man mobilisieren kann.» Zurzeit gibt im Werk ein anderes Thema viel zu reden: Das Personal ärgert sich über den Stadtrat, der die Karte für das Parkieren in der Stadt von 270 auf 1200 Franken im Jahr erhöht hat. «Die Kollegen sind empört. Die Personalkommission hat interveniert und hält uns von der Sektion TS dank unserer guten Zusammenarbeit ständig auf dem Laufenden. Diese enge Kooperation ist an einem Standort mit rund 600 Mitarbeitenden unverzichtbar.»

Das Werk Yverdon ist ein weites Feld: Welchen Platz hat darin der TS Romandie? «Zurzeit sind wir im Werk etwa zehn SEV-Aktivisten, darunter die beiden Vorstandsmitglieder Maurizio Di Blasi und ich. Durch die GAV-Aktionen sind wir bekannter geworden, doch wir suchen den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen auch oft ausserhalb des Betriebs.»

Seit zwölf Jahren im Werk

Sylvian Sahli kommt bei der Gewerkschaftsarbeit entgegen, dass er schon seit zwölf Jahren im Werk arbeitet. «2006 wurde ich als temporärer Elektroniker angestellt. Nach drei Jahren gab mir die SBB einen auf fünf Jahre befristeten Arbeitsvertrag. Inzwischen bin ich seit vier Jahren unbefristet angestellt.» Er zerlegt gerade eine automatische Flirt-Kupplung, um herauszufinden, warum sie nicht mehr funktioniert. «Es gab einen Kurzschluss. Das kommt beim ständigen An- und Abkuppeln vor. Ich muss die Kontakte und Verbindungselemente auswechseln.» Gewöhnlich dauert die Reparatur einer solchen Kupplung einen bis über zwei Arbeitstage, je nach Komplexität der nötigen Arbeiten. «Wenn wir die vorgesehenen Arbeitszeiten überschreiten, müssen wir das begründen.»

Hat er Angst vor drohenden Auslagerungen?» Gewisse Arbeiten, die ich mit Kollegen zusammen erledige, wurden ausgelagert, um zu schauen, ob sich das lohnt. Die Versuche entpuppten sich als fruchtlos, denn die Arbeit wurde schlechter gemacht als bei uns, und der Preis war nicht tiefer. Es besteht sehr wohl die Gefahr, dass es beim Unterhalt weitere Auslagerungen gibt. Doch die SBB hat auch viele Vorteile, wenn sie diese Arbeiten im Haus behält. Vor allem bleibt ihr so das Knowhow erhalten. Wir reparieren im Werk Yverdon Komponenten, unser Stolz sind die Laufwerke. Eindrücklich ist, wie bei uns die Züge – vor allem die ICN – auseinandergenommen und wieder wie neu gemacht werden.» Im Werk Yverdon wird Qualitätsarbeit geleistet.

Vom Kellner zum Greenpeace-Aktivisten

Dabei dachte Sylvian Sahli nach seinem EFZ als Elektroniker überhaupt nicht an eine Karriere bei der SBB. «Ich hatte diesen Beruf gelernt, weil meine Kollegen ähnliche Wege gingen. Danach kam sozusagen eine Übergangsphase, in der ich verschiedene Berufe ausübte: Kellner, sozial-kultureller Animator… Ich begann Ausbildungen und schloss sie nicht ab. Kurz: Ich war auf der Suche und engagierte mich. Vor allem war ich auch Mitgründer einer Neuenburger Sektion von Greenpeace.

Und was hat das gewerkschaftliche Engagement mit all dem zu tun? Eine Familiengeschichte? «Überhaupt nicht, es war eher das Resultat meines Willens zum Teilnehmen und Mitmachen. Ich will dem Umfeld, in dem ich mich entwickle, einen Sinn geben. Das gibt mir die Möglichkeit darauf Einfluss zu nehmen, was ich tue. So sehe ich das Leben. Es ist für mich nötig, dass ich mich einbringe. Ich bin ein neugieriger Mensch.»

Sein gewerkschaftliches Engagement basiert auch auf einer Offenherzigkeit, mit der er sich nicht nur Freunde gemacht hat. «Ich sage, was ich denke, und argumentiere immer mit Respekt. Das gefällt nicht immer, was ich verstehe. Doch zu schweigen und mich zu verstellen würde nicht zu mir passen», sagt er beim Reparieren der elektrischen Flirt-Kupplung.

Vivian Bologna / Fi

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