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70 jahre Menschenrechte

Ein Lohn, der zum Leben reicht

Arbeiter/innen, die in chinesischen Fabriken Pfannen für den Schweizer Markt herstellen, kommen nur mit massiven Überstunden auf einen angemessenen Lohn.

Ein Arbeiter poliert eine Pfanne in der Fabrik Xinhui Ri Xing, die unter anderen die Schweizer Unternehmen Ikea und Kuhn Rikon beliefert.

Ohne angemessenen Lohn kein menschenwürdiges Leben. Im heutigen Wirtschaftsmodell, das die Produktion vieler Güter in Länder mit tieferen Löhnen auslagert, gehört das Thema ganz oben auf die Agenda von Solidar Suisse.

Extreme Überstunden

«Made in China» steht auf den meisten Pfannen in Schweizer Läden. Sie kosten oft nicht mehr als 30 Franken. 2016 hat Solidar Suisse in einer investigativen Recherche die prekären Arbeitsbedingungen in chinesischen Pfannenfabriken aufgedeckt. Tiefstlöhne sind an der Tagesordnung. So sind FabrikarbeiterInnen gezwungen, «freiwillig» exzessive Überstunden zu leisten – elf Stunden täglich am Fliessband, damit der Lohn zum Leben reicht. Das Phänomen ist in China weit verbreitet: Die Fabriken bezahlen zwar den staatlich vorgeschriebenen Mindestlohn, doch davon kann keine Einzelperson leben – geschweige denn eine ganze Familie. Eine erneute verdeckte Recherche von 2018 zeigt: Hinschauen nützt. Die Löhne sind deutlich höher als zwei Jahre zuvor. Trotzdem ist die Pfannenindustrie noch immer weit entfernt davon, existenzsichernde Löhne zu bezahlen.

Starke Lohnschwankungen

Im Durchschnitt verdienen die Arbeiter/innen in den 2018 untersuchten Fabriken 4000 Renminbi (umgerechnet 570 Franken) pro Monat, während es 2016 noch ungefähr 3000 Renminbi waren (425 Franken). Das reicht gerade zum Überleben. Doch nur dank vieler Überstunden. Sie machen mehr als die Hälfte des Einkommens aus – der ordentliche Lohn für eine 40-Stunden-Woche beträgt nämlich gerade mal 250 Franken, was leicht über dem Mindestlohn liegt. In der wirtschaftlichen Hochburg Guangdong in Südchina, wo die Pfannen produziert werden, braucht eine dreiköpfige Familie laut der Hongkonger NGO Worker Empowerment jedoch rund 1000 Franken, um überleben zu können. Die meisten Arbeiter/innen unterstützen ausserdem ihre Eltern mit mindestens 140 Franken pro Monat, da die staatliche Altersvorsorge noch immer rudimentär ist. Bei zwei Einkommen pro Haushalt, was dem Normalfall entspricht, müsste der Lohn ohne Überstunden etwa 500 Franken betragen. Die realen Löhne sind also weit davon entfernt, existenzsichernd zu sein, obwohl bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 festgehalten ist: «Jeder Mensch, der arbeitet, hat das Recht auf angemessene und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert.»

Schweizer Pfannenabnehmer müssen ausreichende Preise bezahlen

Solidar Suisse fordert deshalb, dass ein Lohn auch ohne Überstunden die Grundbedürfnisse einer Familie abdecken muss. Um dies zu erreichen, müssten die Arbeiter/innen in den Pfannenfabriken in China also mindestens das Doppelte verdienen. Es ist daher entscheidend, dass die Abnehmer den Fabriken ausreichende Preise zahlen und darauf achten, dass dies auch an die Arbeiter/innen weitergegeben wird. Dafür setzt sich Solidar Suisse bei Schweizer Unternehmen ein.

Simone Wassmann, Kampagnenleiterin Faire Arbeit, Solidar Suisse
(bis 2011 «Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH»)

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