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FHG-Delegierte beschliessen Verkauf des SEV-Hotels Brenscino

Reka-Genossenschaft kauft Brenscino

Die Delegierten der Ferienheimgenossenschaft (FHG) haben letzten Freitag dem Verkauf des Hotels Brenscino in Brissago/TI per 1. Januar 2017 an die Reka-Genossenschaft zugestimmt. Für SEV-Präsident Giorgio Tuti ist dies die bestmögliche Lösung, denn die Schweizer-Reisekasse-Genossenschaft sichert dem Brenscino eine touristische Zukunft: zuerst bis mindestens Ende 2018 weiterhin als Hotel, und dann als Reka-Feriendorf. Bis Ende 2018 sind auch den Hotelangestellten ihre Stellen zu den jetzigen Bedingungen garantiert.

Auch nach dem Verkauf per 1. Januar 2017 wird das Brenscino mindestens bis Ende 2018 als Parkhotel weitergeführt und danach in ein Reka-Feriendorf umgewandelt.

Letztlich war an der FHG- Delegiertenversammlung (die personell mit dem Vorstand SEV identisch ist) der Verkauf des Hotels Brenscino an die Reka eine klare Sache: Die grosse Mehrheit der 38 Delegierten stimmte in ruhigem Klima zu. Keine Überraschung war die Skepsis des PV, dessen Basis mehrfach die Beibehaltung des Brenscino gewünscht hatte. Gemäss PV hätte die finanzielle Sanierung früher erfolgen sollen, und das Hotel hätte dank der neuen Gotthard-Basislinie wieder konkurrenzfähig werden können. Ja, die Sanierung sei zu spät erfolgt, sagte Aroldo Cambi, FHG- Verwalter und SEV-Finanzchef, doch hätte Sanieren allein nicht genügt: «Wir hätten Millionen in Infrastruktur und Marketing investieren müssen – Geld, das weder der FHG noch dem SEV zur Verfügung steht.»

Giorgio Tuti: «Ein besserer Käufer als Reka ist kaum möglich»

Aroldo Cambi und Giorgio Tuti mit der Absichtserklärung zum Verkauf.
SEV-Präsident Giorgio Tuti und Finanzchef Aroldo Cambi erklären im Interview, warum der SEV sein Hotel verkauft:

kontakt.sev: Giorgio Tuti, bist du erleichtert, dass der Verkauf des Hotels Brenscino nun besiegelt ist?

Giorgio Tuti: Erleichtert würde ich nicht sagen, denn letztlich hatten wir die Pflicht und Verantwortung, einen Entscheid zu fällen, der aus drei Gründen eine gute Lösung darstellt. Erstens ist die touristische Zukunft des Brenscino langfristig gesichert, denn das Hotel wird nach dem Inkrafttreten des Verkaufsvertrags per 1.Januar 2017 während zwei weiteren Saisons als Hotel weiterbetrieben und danach in ein Feriendorf umgewandelt. Zweitens erhalten unsere Mitglieder während diesen drei Jahren weiterhin 20% Rabatt. Drittens sind für die Mitarbeitenden die Stellen und die heutigen Anstellungsbedingungen mindestens bis Ende 2018 garantiert. Jede und jeder Angestellte kann die Stelle behalten. Dieser soziale Aspekt ist natürlich für eine Gewerkschaft wie die unsere sehr wichtig.

Aroldo Cambi, dieser Verkauf scheint die beste Lösung zu sein. Aber war es die einzig mögliche? Konnte der SEV das Hotel nicht weiterbetreiben?

Aroldo Cambi: Die von uns gemachten Analysen haben gezeigt, dass wir enorme finanzielle Mittel in Infrastruktur und Marketing hätten investieren müssen, um das Hotel konkurrenzfähig zu machen, denn die Tourismusbranche befindet sich in einem Strukturwandel und steht folglich stark unter Druck. Wir haben im 2015 im Bereich Kostenmanagement tiefgründig interveniert, das alleine hätte jedoch mittel- bis langfristig nicht gereicht. Die Aufhebung des Franken-Euro-Mindestkurses durch die SNB hat die Situation noch verschlimmert. Das Brenscino spürt auch die Konkurrenz der Hotels jenseits der Landesgrenze.

G.T.: Und das Geld wäre aus der Tasche des SEV, also seiner Mitglieder, geflossen. Zu einem Zeitpunkt, wo wir bemüht sind, die Kosten möglichst im Griff zu halten, hätte dies unsere Basis kaum verstanden, zumal sich die Reisegewohnheiten unserer Mitglieder in den letzten Jahren stark verändert haben.

Es stellte sich also für den SEV wie für andere Gewerkschaften grundsätzlich die Frage, ob er seinen Mitgliedern weiterhin ein Hotel anbieten will?

G.T.: Alle Gewerkschaften mussten oder müssen sich fragen, ob ein Hotelangebot noch Sinn macht. Der SEV hat festgestellt, dass der Anteil der Übernachtungen von Mitgliedern im Brenscino in den letzten Jahren ständig gesunken ist. Ursprünglich hatten die Gewerkschaften diese Angebote entwickelt, um ihren Mitgliedern Ferien zu einem erschwinglichen Preis zu ermöglichen. Bis heute hat sich der Tourismus enorm weiterentwickelt und wir haben festgestellt, dass unsere Mitglieder ihre Reisegewohnheiten geändert haben und dass sich viele wegen der hohen Betriebskosten des Brenscino einen Aufenthalt dort kaum mehr leisten konnten.

Es gibt aber viele Stammgäste, für die das Brenscino viel bedeutet. Für sie ist der Verkauf ein grosser Verlust, vor allem emotional…

G.T.: Auf jeden Fall, und ich verstehe sie! Es gibt Mitglieder, die als Kinder ins Brenscino kamen und dann als Eltern! Daher haben wir uns für den Verkauf Zeit genommen. Es galt viele Elemente zu berücksichtigen, vor allem auch die emotionale Seite. Ich denke, die gefundene Lösung können auch jene Mitglieder akzeptieren, die am Brenscino am meisten hängen. Ich wiederhole: Das Hotel wird dieses Jahr und mindestens zwei weitere Jahre weiterbetrieben, mit dem gleichen Personal und dem gleichen Konzept. Danach wird es in ein Feriendorf umgewandelt, das nicht irgendwer betreibt, sondern die Reka. Diese hat der SEV mitgegründet, er arbeitet seit Jahren mit ihr zusammen und teilt ihre Werte. Eine bessere Lösung ist kaum möglich.

Vivian Bologna/Fi

Reka-Direktor Roger Seifritz erklärt, warum seine Genossenschaft das Hotel Brenscino gekauft hat

Das Angebot der Feriendörfer im Tessin auszubauen und einen Standort am Lago Maggiore zu eröffnen: Diese Ziele verfolgt die Schweizer Reisekasse Genossenschaft (Reka) mit dem Kauf des SEV-Hotels. Und natürlich sind Ferien im Feriendorf günstiger als im Hotel.

Reka-Direktor Roger Seifritz.
kontakt.sev: Roger Seifritz, warum will die Reka ein Feriendorf am Lago Maggiore?

Wir wollen unser Ferienangebot im Tessin ausbauen. Wir haben dort schon ein Feriendorf in Albonago am Luganersee, das zu den am besten frequentierten unserer Dörfer gehört. Diese Präsenz am Luganersee wollen wir mit einem weiteren Dorf am Lago Maggiore ergänzen. Dank der Tatsache, dass Feriendörfer tiefere Kosten haben als Hotels, gehen wir davon aus, dass wir die Auswirkungen des schwachen Euros wettmachen können.

Wissen Sie schon genauer, wie das neue Feriendorf in Brissago aussehen wird?

Das definitive Projekt ist noch nicht bekannt, doch wir arbeiten eng mit der Gemeinde Brissago zusammen. Die Idee ist, ein Dorf mit rund 50 Ferienwohnungen zu realisieren. Das definitive Projekt wird 2017 entscheidungsreif sein.

Nach dem Kauf des Hotels Brenscino per 1.Januar 2017 werden Sie dieses mindestens zwei Jahre weiterbetreiben. Wie wollen Sie die Stammgäste des SEV davon überzeugen, auch nach der Umwandlung des Hotels in ein Feriendorf weiterhin nach Brissago zu kommen?

Dem Preis kommt zweifellos eine wesentliche Rolle zu: In einem Feriendorf zu übernachten ist günstiger als in einem Hotel von der Art des Brenscino. Nehmen wir als Beispiel das Feriendorf in Zinal im Wallis, wo wir Renovationen gemacht und zwei neue Häuser gebaut haben. In der Winterhochsaison kostet dort die Übernachtung 30 Franken pro Gast, wenn alle Betten der Wohnung belegt sind. Das ist deutlich weniger als im Hotel. Heute kann ich mich zu den Tarifen, die in Brissago gelten werden, noch nicht äussern, doch dürften sie in dieser Grössenordnung liegen.

Noch eine Frage zu den Verhandlungen mit dem SEV: Wie sind diese aus Ihrer Sicht verlaufen?

Ich kann sagen, dass sie sehr gut und sehr transparent verlaufen sind. Aber es versteht sich von selbst, dass es kein üblicher Verkauf war, weil die demokratischen Abläufe im SEV unweigerlich zahlreiche Diskussionen in seinem Vorstand bedingten. Dies hat die Verhandlungen zwar kompliziert und verlangsamt, doch habe ich so den SEV besser kennenlernen können. Wir haben beidseitig festgestellt, dass die Ziele des SEV und der Reka in mancher Hinsicht ähnlich sind.

Bei diesem Geschäft sind beide Seiten Gewinner. Davon zeugt auch die Zufriedenheit des Gemeindepräsidenten von Brissago, der das Verantwortungsbewusstsein des SEV geschätzt hat: Er zeigte sich zufrieden darüber, dass der SEV das Hotel Brenscino an eine Organisation verkauft hat, deren Angebot für den Tourismus der Region einen Mehrwert bedeutet.

Vivian Bologna/Fi

Kommentare

  • Arthur Dudan

    Arthur Dudan 05/12/2017 18:25:28

    Können wir als SEV - Mitglieder auch dieses und nächstes Jahr wieder mit einer Reduktion von 20% rechnen? Besten Dank für Ihre Rückmeldung.

  • Sia Lim

    Sia Lim 06/12/2017 14:40:34

    Bis auf weiteres haben SEV Mitglieder weiterhin 20% Rabatt.

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