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SEV lehnt SBB-Pilotprojekt «Buon appetito am Gotthard» ab

Schlecht durchdacht und dem Personal aufgezwungen

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV hat überhaupt nichts gegen den Ausbau des Serviceangebot in den Zügen, lehnt aber das SBB-Pilotprojekt «Buon appetito am Gotthard» ab. Dieses wirft viele Fragen auf und wurde von der SBB gegen den Willen des Zugpersonals beschlossen, ohne darüber mit dem SEV zu verhandeln.

Zuständig für die Bahngastronomie in den SBB-Zügen ist die SBB-Tochter Elvetino. Kundenservice hat mit guter Qualität zu tun. Diese bieten die Elvetino-Mitarbeitenden, die darauf spezialisiert sind. Wenn aber Zugpersonal unter mehr oder weniger grossem Zeitdruck diesen Service als Nebenaufgabe erledigen muss, kann das auch für die Kundschaft keine befriedigende Lösung sein.

Aufgaben der Zugbegleiter/innen sind Fahrausweiskontrollen und Kundendienst (Auskünfte) sowie betriebliche und fahrdienstliche Aufgaben wie die Abfertigung der Züge. Vor allem bei Verkehrsstörungen oder gar einem Ereignis auf dem Zug selbst müssen sie sofort richtig reagieren und dürfen nicht abgelenkt sein durch das Servieren von Getränken und Essen.

Dies gilt besonders dann, wenn auf einem Zug nur 1 Zugbegleiter/in ist, was auf der Gotthardstrecke bis auf Weiteres oft der Fall ist. Gerade auf dieser Strecke war und ist das Zugpersonal wegen Cisalpino- und anderen Zugverspätungen bei der Fahrgastinformation stark gefordert.

Abzusehen sind auch Probleme mit der Hygiene, denn das Zugpersonal muss bekanntlich zwischen zwei Stationen durch den ganzen Zug gehen und Dutzenden von Fahrgästen die Fahrausweise kontrollieren. Dabei muss es auch die Toiletten kontrollieren und das Rollmaterial ständig berühren, ebenso bei der Zugabfertigung. Bei einem vergleichbaren Projekt in Deutschland gibt es strenge Hygienevorschriften: Das Servierpersonal muss dort beispielsweise eine eigene Toilette haben.

Keine Verhandlungen

Das Vorgehen der SBB ist inakzeptabel für den SEV, denn sie setzt gegen die Meinung des Personals das Pilotprojekt um, ohne dass Verhandlungen mit dem SEV darüber stattgefunden haben.

Die SBB informierte den SEV darüber im Rahmen einer Projektgruppe des Fachausschusses zur Weiterentwicklung des Zugpersonals. Dem Zugpersonal der betroffenen vier Depots Bellinzona, Chiasso, Luzern und Zürich wurde Ende Mai an Informationsveranstaltungen gesagt, was Sache ist: Das Tessiner Zugpersonal muss beim Versuch obligatorisch mitmachen, für die anderen ist er freiwillig. Doch wer von den Luzernern nicht mitmacht, kann nicht mehr ins Tessin fahren.

Der SEV lehnt den Versuch ab und steht voll und ganz hinter dem Personal.

Weitere Auskünfte:

079 434 46 71 Manuel Avallone, Vizepräsident SEV
079 479 16 57 Jürg Hurni, Gewerkschaftssekretär SEV
079 479 05 63 Angelo Stroppini, Tessiner Regionalsekretär SEV

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