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Buslinien im Jura an Postauto vergeben

Der SEV sorgt sich um die CJ-Mitarbeitenden

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV ist in erster Linie erleichtert, dass die Ausschreibung von einem Unternehmen mit branchenüblichen Anstellungs- und Lohnbedingungen gewonnen worden ist. Der SEV wird jetzt dafür kämpfen, dass die betroffenen Angestellten der CJ nicht benachteiligt werden. Er ist auch besorgt über die Zukunft der Buslinien im Berner Jura. Der SEV erinnert daran, dass diese Ausschreibung sehr viel Geld, Zeit und Kraft gekostet hat. Sie löste zudem grosse Unruhe beim Personal von Postauto und CJ aus. Eine Frage bleibt: Wer wird die Einsparungen beim Besteller bezahlen?

Der für die Chemins de fer du Jura zuständige Gewerkschaftssekretär Jean-Pierre Etique wird nun das Gespräch mit der Direktion suchen, da die CJ zahlreiche Linie verliert. «Die CJ behalten einige Buslinien im Berner Jura, aber nicht genug, um allen ihren Busfahrern Arbeit zu geben. Wer seine Stelle verliert, hat die Garantie, von PostAuto übernommen zu werden. Wir sind dennoch besorgt über die Linien im Berner Jura und die Kollegen, die diese Dienstleistungen anbieten. Der Entscheid betrifft auch Personal in der Administration und im Unterhalt. Ihre Zukunft bleibt ungewiss. Niemand soll Federn lassen müssen, dafür werden wir sorgen. Die Situation bleibt aber schwierig.»  

SEV-Vizepräsident Christian Fankhauser nimmt kein Blatt vor den Mund, was die jurassischen Behörden angeht. «Diese Ausschreibung hat viel zu reden gegeben. Der Jura hat schweres Geschütz gegen Postauto aufgefahren. Und nun ist es das verpönte Unternehmen, das das gesamte Paket gewinnt. Das ist die Ironie des Schicksals, wenn auch noch unter dem Vorbehalt einer allfälligen Anfechtung durch unterlegene Konkurrenten. Die Ausschreibung hat alle Beteiligten enorm viel Geld, Zeit und Kraft gekostet. Vor allem hat sie das Personal verunsichert, das man als ‹quantité négligeable› behandelt hat. Wer wird für die Einsparungen der Besteller bezahlen? Die Antwort auf diese Frage interessiert uns sehr.»

Der SEV betont, dass das jurassische Beispiel nicht Schule machen darf. Es hätte sein können, dass ein Unternehmen die Ausschreibung gewinnt, das sich kaum um Anstellungsbedingungen und Löhne kümmert. Der Jura hat mit dem Feuer gespielt. Nun wird der SEV sehr genau darauf achten, ob andere Kantone den Zauberlehrling spielen wollen, und eingreifen, um diese Trickspiele zu verhindern. Andere Kantone wie Freiburg haben es vorgezogen, den Dialog mit den Unternehmen zu suchen statt auszuschreiben.

Zur Erinnerung: Der SEV hat seit Mitte 2017 diese Ausschreibung kritisiert. Zusammen mit Syndicom, dem Sozialpartner von Postauto, hat er Ende 2017 eine Petition mit 4000 Unterschriften überreicht. Diese verlangte als Bedingung in der Ausschreibung, dass mit den in der Branche verankerten Sozialpartnern ein Gesamtarbeitsvertrag abgeschlossen werden muss, der sich an den in der Region üblichen Anstellungsbedingungen orientiert, wie es im jurassischen Gesetz über den öffentlichen Verkehr vorgesehen ist. Neben der öffentlichen Unterstützung hat zudem das Parlament Ende Januar 2018 die Motion «Ausschreibung von Buslinien: Garantien für Personal und Reisende» angenommen. Das Parlament hat wiederholt den Kampf des Personals unterstützt.

Ende November 2019 fand vor dem jurassischen Parlament eine Protestkundgebung mit über 100 Personen statt.

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