Clean-Tagung 2026: Neue BAR bringen dem Personal mehr Planungssicherheit

Saubere Züge sind wichtig für die Kundschaft. Und diese Sauberkeit will die SBB rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche gewährleisten. Dafür nötig ist ein umfangreicher Schichtbetrieb für das Reinigungspersonal, der von den Mitarbeitenden eine hohe Flexibilität erfordert. Wie die Flexibilität künftig mit dem Privatleben besser vereinbart werden soll, das war ein zentraler Punkt an der diesjährigen Clean-Tagung des SEV am 20. Februar 2026.
«Ihr dürft stolz sein auf eure Arbeit», betont Markus Cadosch, Moderator der diesjährigen Clean-Tagung in Goldau. «Denn eure Arbeit ist sehr wichtig für das Kundenbedürfnis.» Mit diesen Worten eröffnet der Churer die Clean-Tagung in Goldau. Diese Worte sind keine leeren Worthülsen, denn die SBB legt grossen Wert auf die Sauberkeit ihrer Züge. Um dies zu gewährleisten, benötigt es Personal, welches rund um die Uhr, vorwiegend auch früh am Morgen und in der Nacht die Züge, aber auch Bahnhöfe von achtlos weggeworfenen leeren Bierdosen, zerknüllten Zeitungen und weiterem Abfall reinigt.
Unbeliebter Samstag
Diese Flexibilität ist ein wertvolles Gut, welches das Personal der SBB zur Verfügung stellt. Denn an Wochenenden zu arbeiten ist insbesondere für Mitarbeitenden mit Familien nicht sehr attraktiv. Darum braucht es eine faire Entlöhnung und Wochenendzuschläge, damit die SBB die unattraktiven Schichten abdecken kann. Denn es zeigt sich, dass gerade der Samstag schwierig zu besetzen ist. Darum pocht der SEV seit längerem auf einen Samstagzuschlag für das Personal. Doch bislang ohne Erfolg, wie René Zürcher, zuständig für den Personenverkehr der SBB erklärt. «Aber der SEV bleibt am Ball», betont Zürcher. Denn dass der Samstag für die SBB ein Problemtag ist, sei mittlerweile offensichtlich. Mitarbeitende haben keinen Anreiz am Samstag zu arbeiten, denn der Samstag ist oft der Familientag oder der Tag, an welchem das Vereinsleben stattfindet. Dies ist für das Sozialleben strukturell sehr wichtig.
Planungssicherheit
Eine verbindliche Planung ist für Unternehmen wie auch für das Personal zentral. So hat die SBB neue bereichspezifische Arbeitszeitregelungen, kurz BAR, verhandelt, welche auch die Möglichkeiten des neuen Planungstools IVU.rail ausnützen sollen. Das neue System soll für beide Seiten eine grössere Planungssicherheit bringen. So eine Umstellung auf ein neues Planungssystem erforderte aber einiges an Verhandlungen seitens Sozialpartner. «Die Mitarbeitenden aber auch wir vom SEV waren auf ein neue Planungsphilosophie der SBB nicht vorbereitet. Wir mussten zuerst Leitplanken setzen, damit wir darauf eingehen konnten», erklärt René Zürcher. «Diese Leitplanken sind sehr wichtig. Denn sie haben nun die Flexibilität, welche die SBB gegenüber dem Personal fordert, eingeschränkt. Das ist zum Vorteil der Mitarbeitenden.» Denn die Zeitfenster, in welchen das Personal im neuen System an einem Arbeitstag zur Verfügung stehen muss, wurden von rund 12 Stunden auf maximal 11 Stunden reduziert. Zudem ist der Arbeitseinsatz über ein ganzes Fahrplanjahr zuverlässiger geplant und ersichtlich.
Personal profitiert
Diese Änderungen bringen für die Mitarbeitenden eine erhöhte Planungssicherheit. Sie können besser ihr Privatleben planen, was für das Sozialleben sehr förderlich ist. Damit ist der SEV-Gewerkschaftssekretär zufrieden, obschon die Arbeitszeitregelungen nur für die Festangestellten gelten. Denn temporär Mitarbeitende sind nicht dem GAV unterstellt und fallen somit nicht unter die BAR. «Diesen Punkt der temporären Mitarbeitenden müssen wir noch mit der SBB anschauen und lösen», betont René Zürcher.
Ob das neue Planungstool so funktionieren wird wie in den Verhandlungen geschildert, wird sich zeigen. Ab Dezember 2027 will die SBB mit dem neuen System arbeiten.
Renato Barnetta