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Auf den Spuren von ...

Patrick Ferreira da Silva, Tram- und Lokführer RBS

2016 kam er als jüngster Mitarbeiter zum Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS), nun ist er seit bald zehn Jahren dabei: Patrick Ferreira da Silva ist zufrieden mit seinem Berufsleben. Und setzt sich als aktives SEV-Mitglied für seine Kolleginnen und Kollegen ein.

Am Beginn seiner Laufbahn absolviert Patrick eine Lehre als Koch und ist danach für eine kurze Zeit in der Gastronomie tätig, ein Umfeld, das oft von Stress geprägt ist. Per Zufall stösst er in der Zeitung auf ein Inserat des RBS. Gesucht wird ein Tramführer. «Die Eisenbahn war immer ein Bubentraum von mir», gesteht der 31-Jährige, und fügt mit einem Lachen hinzu, dass er aber keine Modelleisenbahn besitze. Das eine führt zum anderen und er fährt – nach dreimonatiger Ausbildung – mit 22 Jahren ein RBS-Tram.

Nach gut drei Jahren auf ein- und derselben Tramlinie spürt Patrick den Wunsch, sich weiterzuentwickeln. Er kann in einem halben Jahr RBS-intern die Umschulung zum Lokführer Kategorie B absolvieren und fährt seither Tram- und S-Bahn. Als Ausbildner begleitet er ausserdem Tram- und Lokführer:innen in Ausbildung während der Praxiseinheit.

Angesprochen auf den RBS verdeutlicht Patrick, dass er grundsätzlich zufrieden sei mit seinem Arbeitgeber. «Es gibt hie und da sicher Themen, die wir angehen müssen, aber die gibt es wohl überall», ist er sich bewusst. Der RBS sei klein und familiär, man kenne sich und habe es gut. «Wir unternehmen regelmässig auch privat etwas zusammen.» Die Schichtarbeit ist für ihn eher ein Vorteil, weil er daneben mehr Freiraum hat, wenn andere arbeiten müssen. Den fixen Betreuungstag für seinen Sohn jeweils am Donnerstag möchte er dennoch nicht missen.

Der SEV als Selbstverständlichkeit

Dass man als Eisenbahner auch Mitglied in der Gewerkschaft ist, sei «gang und gäb». Sein Ausbildner habe Patrick zu Beginn seiner RBS-Karriere auf den SEV hingewiesen. «Ich fand das von Anfang an eine gute Sache, sah viele Vorteile und den Zusammenhalt», erklärt er. Insbesondere die Weiterbildungsmöglichkeiten wie die Movendo-Kurse sind für ihn ein Plus. Nach kurzer Zeit als «normales» Mitglied wird der engagierte Tram- und Lokführer als GAV-Delegierter angefragt und nimmt während zwei Jahren an intensiven Verhandlungen teil. Er könne beim SEV viel dazulernen, beruflich und auch privat; und natürlich mitreden und seine Anstellungsbedingungen aktiv mitgestalten. «Viele jammern, sind aber nicht in der Gewerkschaft und haben so auch wenig Möglichkeiten, etwas zu verändern», gibt Patrick zu bedenken. Als Ausbildner legt er bei neuen Kolleginnen und Kollegen jeweils ein gutes Wort für den SEV ein.

Seit knapp zwei Jahren ist Patrick als Beisitzer im Vorstand seiner Sektion VPT RBS. Dieser müsse sich nach ein paar Turbulenzen nun neu organisieren mit der neuen Präsidentin und dem neuen Sekretär. Im Juni nimmt er zum ersten Mal an der Delegiertenversammlung des VPT und am zweitägigen SEV-Kongress teil. «Das ist für mich Neuland, darum freue ich mich umso mehr darauf», lacht er.

Wenn Patrick etwas macht, dann mit vollem Einsatz. Ihm ist wichtig, dass die Sektion vor allem auch junge Leute werben kann, die sich aktiv engagieren. «Natürlich haben wir alle ein Privatleben, aber im Betrieb sind wir auch sehr oft und da ist es wichtig, dass wir es gut haben», ist er überzeugt. Der SEV habe diesbezüglich schon viel erreicht. So beispielsweise auch den vierwöchigen Vaterschaftsurlaub, von dem er demnächst profitieren kann. Denn Patrick wird im Juni zum zweiten Mal Vater. Der Fokus liege aktuell deshalb mehr auf der Familie. Die Rolle als Beisitzer im Sektionsvorstand passe gut zu dieser Phase. Dass er zu einem späteren Zeitpunkt ein noch aktiveres Mandat in seiner Sektion übernehme, sei aber nicht ausgeschlossen.

Auf vielen Ebenen unterwegs

Der 31-Jährige lebt mit seiner Partnerin und dem bald dreijährigen Sohn in Lyss. Er liest viel, braucht aber auch Bewegung und geht so oft wie möglich raus in die Natur. Zusammen mit seinem Vater betreibt er einen Schrebergarten. Sein Vater, ein freischaffender Künstler, hat ihm auch Kreativität vorgelebt. So malt und zeichnet Patrick selber sehr gerne und unterstützt den Vater bei dessen Ausstellungen. Nicht zuletzt lebt er auch seine Koch-Leidenschaft weiterhin aus – einfach ohne Stress und Druck. «Ich koche sehr gerne zuhause für die Familie. Es ist eine sehr schöne Tätigkeit mit viel Kreativität», schliesst er. Eines ist sicher: Langweilig wird es Patrick Ferreira da Silva nicht.

Chantal Fischer
chantal.fischer@sev-online.ch