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Auf den Spuren von ...

Laurent Juillerat, vom Kaminfeger zum Lokführer

Wir treffen Laurent Juillerat auf einer Schmalspurlinie, die 2025 eingestellt und durch einen Elektrobus ersetzt werden soll. Der Präsident der Sektion TRN Bahn fährt hier die Regionalzüge zwischen Le Locle und Les Brenets. Er war Kaminfeger, dann Lokführer – und den Führerschein für Busse hat er auch. Der fröhliche Mann engagiert sich permanent für den SEV.

Wir sind am Freitag, 11. September, am Bahnhof Le Locle verabredet. An Bord des Regionalzugs von TransN, wo Laurent Juillerat seit 2007 tätig ist, bringt er uns nach Les Brenets, wo sich viele Touristen versammeln, um den Wasserfall «Saut du Doubs» zu besuchen. Das Gefährt aus dem Jahr 1950 ist nicht leicht zu bedienen: «An Bord ist man Herr über die Maschine.» Es gibt keine Elektronik mit automatisiertem Bremssystem. Und manchmal braucht die Maschine eine Weile, bis sie unseren Befehlen gehorcht. Da muss man einen kühlen Kopf bewahren», sagt er.

Die Ankündigung, dass die Bahnlinie Ende 2023 eingestellt und der Betrieb ab 2025 mit einem Elektrobus gewährleistet werden soll, zerreisst dem 43-Jährigen aus Les Brenets das Herz. «Die Linie ist nicht rentabel genug, aber wird sie das jemals sein?» Auf dem Papier klingt das Projekt interessant, weil es vorsieht, einen Teil der aktuellen Eisenbahnstrecke aufzunehmen und die Buslinie bis zum See oder eventuell sogar bis über die Grenze zu verlängern. Noch bleiben aber viele Fragen offen. Aktuell ist ein Halbstundentakt geplant. Bezüglich Arbeitsstellen scheint dies interessant, doch liegen noch keine konkreten Fakten vor.»

Sektionspräsident seit drei Jahren

Für den Gewerkschafter sind Beschäftigungsfragen natürlich von entscheidender Bedeutung. Schliesslich leitet er mit der TRN-Sektion Bahn eine der drei SEV-Sektionen bei der Neuenburger Firma TransN. «Unsere Sektion hat ungefähr siebzig Mitglieder. Fragen zur Arbeitszeit – insbesondere eine ausgewogene Planung und die Einhaltung der 2042 Stunden Jahresarbeitszeit – sowie die korrekte Umsetzung des GAV stehen für den SEV im Fokus. Eine besonders geschätzte Dienstleistung des SEV ist der Berufsrechtsschutz. Dieser ist hart wie Beton. Im GAV sind die vorgesehenen Schritte und die Rechte der Mitarbeiter bei Disziplinarverfahren genau verankert. Ein Gewerkschaftsmitglied hat bei einer Vorladung das Recht auf eine Begleitperson. Wir werden zur Unterstützung da sein!», versichert Laurent.

Obwohl die Eisenbahn zu Laurent Juillerats Familiengeschichte gehört, begab er sich nicht unmittelbar nach der Schulzeit in diese Branche. «Mein Urgrossvater war Bahnhofvorstand in Creux im Berner Jura. Meine Grossmutter war Barrierenwärterin. Mein Vater wollte Lokführer werden, wurde aber nicht ausgewählt. Ich selbst kam 2006 zur SBB, um Lokführer B 100 zu werden. Zuvor hatte ich eine Ausbildung zum Kaminfeger absolviert. Ich arbeitete ein paar Jahre als Kaminfeger, doch der Job hat mich nie wirklich angesprochen und die Arbeitsbedingungen waren nicht besonders attraktiv. Ich hätte das eidgenössische Fähigkeitszeugnis machen sollen, um meine Arbeitsbedingungen zu verbessern, aber mir fehlte die Motivation. Das Fahren aber liebte ich schon immer. Ich konnte mich nur nicht entscheiden, ob ich Fahrlehrer oder Lokführer werden wollte. Mein Vater, ein grosser Eisenbahnfreund, wies mich darauf hin, dass die SBB gerade Personal suchte. Während meiner Ausbildung schrieb TransN (das Unternehmen hiess TRN vor der Fusion mit TN ) eine Stelle als Lokführer aus. Und so habe ich die Spur gewechselt.»

Laurent hat ein weiteres Ass im Ärmel: 2017 machte er den Busführerschein, finanziert vom Unternehmen, weil damals die Strecke zwischen Les Brenets und Le Locle geschlossen werden musste, um alle defekten Achsen zu reparieren. «Ich bin vielseitig, aber Busse fahre ich nur selten. Daher ist es manchmal schwierig, bei Bedarf wieder reinzukommen. Manche Busse sind acht oder sogar zehn bis zwölf Meter lang. Wenn man sechs Monate nicht mehr gefahren ist, können enge Strassen wie in Le Locle eine grosse Herausforderung sein.»

Gewerkschaftliches und politischesEngagement

Laurent Juillerat arbeitet im Vorstand der VPT-Branche Bahn mit und kandidiert als Beisitzer im VPT-Zentralausschuss. Sein Engagement ist auch politisch, denn er sitzt für die Union démocratique...de gauche in der Legislative der Gemeinde, einer politischen Formation gewählter Vertreter aus verschiedenen Parteien. Im Herbst wird er bei den Gemeindewahlen der neu zusammengeschlossenen Gemeinde Le Locle-Les Brenets für die SP kandidieren.

«In der Politik war ich schon, bevor ich im Vorstand der TRN-Bahnsektion tätig wurde. Die Politik hat mich einfach immer interessiert. Man lernt viel über die Funktionsweise der Demokratie, über das lokale Leben und man entdeckt sich selbst neu. Man muss Entscheidungen treffen, teilnehmen, sich engagieren – es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen Politik und Gewerkschaftsarbeit», überlegt er.

Eine grosse Hilfe waren ihm die Mind-Mapping-Kurse von Movendo, die er dank dem SEV besuchen konnte. «Was ich dort gelernt habe, hilft mir, ordentlicher zu sein. Jetzt kann ich mein Denken und meine Sprache besser strukturieren.» Und neben alldem findet der Vater von zwei Töchtern im Alter von 12 und 10 Jahren noch Zeit, sich für Ludesco, ein Brettspielfestival in La Chaux-de-Fonds, zu engagieren. Auch das passt gut zu diesem fröhlichen Mann.

Vivian Bologna; Übersetzung: Karin Taglang
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Kommentare

  • Michel Piguet

    Michel Piguet24/09/2020 09:37:26

    Probablement à nouveau un mauvais calcul financier, l'échange d'une jolie ligne ferroviaire contre un vilain bus, même s'il est électrique.
    Je me souviens du nombre de fois que j'ai raté la correspondance à Neuchâtel d'une ou deux minutes car il fallait assurer la correspondance pour Les Brenets.

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