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Paritätische Berufskommission des Kantons Waadt gibt dem SEV recht

TPC-Direktor muss Fehler eingestehen

Der SEV ist der Sieger im Streit mit den Transports publics du Chab-lais TPC. Weniger als eine Stunde brauchte die paritätische Berufskommission, um festzustellen, dass der Waadtländer Rahmen-GAV bei einer Entlassung nicht eingehalten worden war.

Obwohl nur ein Etappensieg, ist der Entscheid sehr wichtig für die gemeinsame Interessenvertretung der Angestellten des öffentlichen Verkehrs der Waadt. Die paritätische Berufskommission, die je zur Hälfte aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertretern besteht, hat am 16. April die Klage des SEV zugelassen. Zur Erinnerung: Der SEV war der Meinung, bei der Entlassung von X. durch die TPC sei Artikel 40 des Waadtländer Rahmen-GAV verletzt worden. Dieser Artikel regelt das Vorgehen bei Entlassungen. «Bevor jemand entlassen wird, muss der/die Angestellte in aller Form verwarnt werden. Das entsprechende Schreiben muss eine Rechtsmittelbelehrung enthalten», erläutert Gewerkschaftssekretär Jean-Pierre Etique, der in diesem Fall den Vorsitz der Kommission innehatte. Auch wenn im vorliegenden Fall die Absicht der TPC aus einem ersten Schreiben an X. vom August 2013 erkennbar war, wurde Artikel 40 nicht eingehalten.
Die Kommission betrachtete sich aber als nicht zuständig für die abschliessende Beurteilung, ob die Entlassung gerechtfertigt war oder nicht. Sie forderte die Parteien dazu auf, einen Vergleich zu suchen, um den Gang vors Arbeitsgericht zu vermeiden.
X. hatte wiederholt den Schalter vorzeitig geschlossen und seinen Arbeitsplatz verlassen. Er hatte seine Fehler eingestanden, und der SEV hatte verschiedene konkrete Vorschläge für eine Lösung gemacht, um die für X. wirtschaftlich verheerende Entlassung zu verhindern. Die Direktion hatte alle Vorschläge des SEV vom Tisch gewischt.

Sagen, was gilt

Weiter hat die Kommission beschlossen, einen von ihr, vom SEV und vom Direktor des Waadtländer Verbandes des öffentlichen Verkehrs unterzeichneten Brief zu versenden, um die kantonalen Unternehmen des öffentlichen Verkehrs auf besagten Artikel im Rahmen-GAV aufmerksam zu machen. Was einigermassen pikant ist, ist dieser Direktor doch kein geringerer als Claude Oreiller, Direktor der TPC, ohne den es den ganzen Fall gar nicht gäbe. Man nennt dies den Kelch bis zur Neige zu trinken.

Weg für Verhandlungen offen

Ist diese Massnahme nicht grausam für jenen, der es sinnvoll fand, sich mit der kollektiven Interessenvertretung des Waadtländer Personals anzulegen? Ohne seine Fehler in einer schlecht aufgegleisten Sache einzusehen. Trotz der Eindeutigkeit des Verdikts wird man den scheinbar so Konsequenten nicht von oben herab behandeln. Wird er sich an den Verhandlungstisch setzen oder einen neuen Streit mit ungewissem Ausgang vom Zaun reissen?
Wie sich Claude Oreiller auch entscheiden mag, der SEV hält sich bereit. Um die Interessen seiner Mitglieder zu verteidigen.

Vivian Bologna / pan.

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