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Grundkompetenzen

Ohne Lesen und Rechnen geht gar nichts

«Handy, Tablet, alles mühsam? – Bis jetzt»: Das ist eine der Schlagzeilen der Kampagne «Einfach besser!», die bis Ende Jahr schweizweit läuft. Nicht nur der Umgang mit digitalen Instrumenten, sondern auch Lesen, Rechnen und Schreiben gehören dazu. Der Grund: Bis zu 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an Schwächen bei grundlegenden Fähigkeiten. Das geht ins Geld.

Lesen, Rechnen, Schreiben und seit bald zwei Jahrzehnten auch der Umgang mit digitalen Instrumenten bilden die so genannten Grundkompetenzen: Fähigkeiten, die jeder Mensch braucht, um sich in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz selbständig betätigen zu können.

Man müsste annehmen, dass in einem Land wie der Schweiz mit ihrem gut ausgebauten, hochqualifizierten und kostenlosen Bildungssystem jede und jeder nach neun Schuljahren mit diesen Grundkompetenzen ausgestattet ist. Doch weit gefehlt: Gemäss Studien können rund 400 000 Menschen im arbeitsfähigen Alter keine einfachen Rechenaufgaben lösen, doppelt so viele können ungenügend lesen und schreiben und gar gegen 1,5 Millionen Menschen in unserem Land tun sich schwer mit digitalen Instrumenten, vom Handy bis zum PC. Betroffen sind Migrantinnen und Migranten, die mit wenig Schulbildung in die Schweiz einwandern, aber eben auch Frauen und Männer, die die gesamte Schulzeit in der Schweiz absolviert haben. Insbesondere wenn die Eltern bildungsfern sind oder sich wenig für die Schulkarriere ihrer Kinder interessieren, steigt die Gefahr, dass deren Schulbildung misslingt.

Geringe Grundkompetenzen haben weitreichende Folgen, für die Betroffenen selbst, aber auch für Wirtschaft und Gesellschaft.

Armut und gesundheitliche Probleme: Menschen mit geringen Grundkompetenzen sind stärker von Armut und gesundheitlichen Problemen betroffen als der Bevölkerungsdurchschnitt.

Schwieriger Zugang zu Aus- und Weiterbildung: Verschiedene Hürden erschweren Menschen mit mangelnden Grundkompetenzen den Zugang zu Aus- und Weiterbildung. Die bestehenden Aus- und Weiterbildungsangebote entsprechen häufig nicht dem Bedarf von Personen mit geringen Grundkompetenzen.

Arbeitslosigkeit: Der strukturelle Wandel auf dem Arbeitsmarkt führt zu steigenden Anforderungen im Bereich der Grundkompetenzen, auch an sogenannten «Einfacharbeitsplätzen». Geringe Grundkompetenzen sind daher ein Risiko, die Stelle zu verlieren oder keine neue Stelle zu finden.

Produktivität: Betriebe, deren Mitarbeitende nur über ungenügende Grundkompetenzen verfügen, können ihr Produktivitätspotenzial nicht ausschöpfen.

Soziale Kosten: Die sozialen Kosten der Leseschwäche in der Schweiz sind hoch. Das Büro Bass beziffert sie auf 1,316 Milliarden Franken pro Jahr. Eine Investition in die Förderung der Grundkompetenzen ist daher volkswirtschaftlich sinnvoll, in Kombination mit der Förderung des Berufsabschlusses für Erwachsene.

Negative Folgen am Computer

Die Auswirkungen geringer Lese- und Schreibfähigkeiten sowie fehlender mathematischer Grundkenntnisse sind für die Betroffenen einschneidend. Sie haben weniger Chancen bei der Berufswahl und landen dementsprechend meist in Tieflohnbereichen, sie werden häufiger arbeitslos und beanspruchen öfter Sozialhilfe.

Die sogenannten transversalen Kompetenzen Sprache, Schreiben und Rechnen bilden zudem die Basis, auf welcher die digitalen Kompetenzen aufbauen. Gemäss der Omnibus-Erhebung IKT 2019 verfügen rund 20 % der Bevölkerung (im Alter zwischen 15 und 88 Jahren) über keine oder nur geringe digitale Kompetenzen. Das kann für Betroffene etwa bedeuten, dass bereits das Versenden eines E-Mails mit einem Anhang eine Hürde darstellt.

Ein spezielles Kursangebot

Im Rahmen des Weltalphabetisierungstages am 8. September intensiviert der Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben gemeinsam mit der Interkantonalen Konferenz für Weiterbildung die schweizweite Sensibilisierungskampagne «Einfach besser!». Die Kampagne richtet sich gezielt an Personen, die Schwierigkeiten mit den Grundkompetenzen haben; sie spricht das Thema direkt und schnörkellos an. Die von zahlreichen Kantonen mitfinanzierte Kampagne hat das primäre Ziel, Erwachsene, die Schwierigkeiten im Bereich der Grundkompetenzen haben, zu einer Kursteilnahme für Lesen, Schreiben, Rechnen oder Computer zu motivieren.

Gleichzeitig soll die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden. Zudem werden auch die Arbeitgeber angesprochen. Sie sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Schwächen in allen diesen Bereichen ermuntern, die Kurse zu besuchen und damit die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Peter Moor

Kursangebote und Kampagne: www.besser-jetzt.ch oder Telefon 0800 474 747